• 03.09.2026, 09:46:32
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RSV: Noch nicht in allen Teilen der Bevölkerung angekommen

Bewusstsein bei jungen Eltern gestiegen – bei älteren Erwachsenen fehlt es noch weitgehend

Wien (OTS) - 

Mit dem Herbst beginnt in Österreich traditionell auch die RSV-Saison, die üblicherweise von November bis April andauert. Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) gilt weltweit als häufigste Ursache schwerer Atemwegserkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern, kann aber auch bei älteren Erwachsenen und Personen mit Vorerkrankungen zu schweren Verläufen führen [1,2]. Bei jungen Eltern ist das Bewusstsein für RSV in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen – bei älteren Erwachsenen ist die Erkrankung als eigenständiges Krankheitsbild hingegen nach wie vor kaum bekannt. Der Österreichische Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) macht anlässlich der bevorstehenden Saison auf diesen Aufklärungsbedarf sowie auf die damit verbundenen Krankheitskosten aufmerksam.

Kinder unter 5 Jahren: Hohe Krankheitslast

RSV gilt weltweit als häufigste Ursache akuter unterer Atemwegsinfektionen bei Kindern unter 5 Jahren: Globalen Schätzungen zufolge verursacht das Virus in dieser Altersgruppe jährlich rund 33 Millionen Erkrankungsepisoden und etwa 3,6 Millionen Hospitalisierungen [10]. Praktisch alle Kinder durchlaufen bis zu ihrem zweiten Lebensjahr eine RSV-Infektion [1]. Während der Verlauf bei älteren Kindern und Erwachsenen meist einer harmlosen Erkältung ähnelt, kann RSV bei Säuglingen rasch zu schweren Krankheitsbildern wie einer Bronchiolitis oder einer Lungenentzündung führen. In den Jahren 2025 und 2026 (Stand Juli 2026) wurden in Österreich über 2.400 Kinder im Alter von 0 bis 4 Jahren aufgrund einer RSV-Infektion im Krankenhaus behandelt. Fast 80 davon auf der Intensivstation [3]. In der Steiermark entfallen rund 80 % der RSV-bedingten Hospitalisierungen auf reif geborene Säuglinge, insbesondere in den ersten zwölf Lebensmonaten [4].

Erwachsene: Zu wenig bekannt, zu wenig erfasst

Bei Erwachsenen wird RSV in der öffentlichen Wahrnehmung dagegen kaum als eigenständige Krankheitsursache wahrgenommen. Zwar erfasst das öffentlich zugängliche SARI-Dashboard von Gesundheitsministerium, Dachverband der Sozialversicherungsträger und AGES Hospitalisierungen durch schwere akute respiratorische Infektionen wie COVID-19, Influenza, Pneumokokken und RSV [3]. International weisen Fachpublikationen jedoch darauf hin, dass die RSV-Surveillance bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern weiterhin lückenhaft ist: Da eine RSV-Infektion klinisch oft nicht von anderen Atemwegsinfekten wie Influenza zu unterscheiden ist und nicht bei jedem hospitalisierten Erwachsenen mit Atemwegssymptomen gezielt per PCR- oder Antigentest auf RSV getestet wird, wird die tatsächliche Krankheitslast bei Erwachsenen im Vergleich zu Kindern unterschätzt [2,6].

Krankheitskosten von rund 317 Millionen Euro pro Jahr

Dass die tatsächliche Last dennoch beträchtlich ist, zeigt die vom ÖVIH beauftragte Krankheitskosten-Analyse des Instituts für Pharmaökonomische Forschung (IPF): Rund 3,2 % der österreichischen Bevölkerung erkranken jährlich an einer akuten Atemwegsinfektion durch RSV, 3.301 Personen werden deswegen pro Jahr hospitalisiert, 76 Personen sterben jährlich an den Folgen einer RSV-Infektion [5]. Auch bei Kindern zeigt sich die besondere Betroffenheit der Jüngsten: 67,3 % aller RSV-bedingten stationären Aufenthalte betreffen Kinder im ersten Lebensjahr [5].

Die im November 2025 vom IPF im Auftrag des ÖVIH vorgelegte Krankheitskostenstudie beziffert die gesamten jährlichen Kosten durch RSV-bedingte akute respiratorische Infektionen in Österreich mit 316,90 Millionen Euro [5]. Davon entfallen 58,15 Millionen Euro (18,4 %) auf direkte Kosten des Gesundheitssystems – vor allem stationäre Aufenthalte und Intensivbehandlungen (40,0 %), Arztkonsultationen (26,6 %)– und 258,74 Millionen Euro (81,6 %) auf indirekte Kosten durch Arbeitsausfälle von Erkrankten und pflegenden Eltern [5].

Schutz für Kinder

Passive Immunisierung – im kostenfreien Kinderimpfprogramm

Laut Impfplan Österreich 2025/2026 wird für alle Neugeborenen und Säuglinge in ihrer ersten RSV-Saison eine passive Immunisierung mit monoklonalen Antikörpern empfohlen [1,7]. Zwischen April und September geborene Kinder erhalten die Dosis idealerweise vor Beginn der Herbst-/Wintersaison beim Kinderarzt; während der RSV-Saison (Oktober bis März) geborene Kinder werden möglichst noch im Krankenhaus vor der Entlassung immunisiert. Diese passive Immunisierung ist Teil des kostenfreien öffentlichen Kinderimpfprogramms und steht damit für alle Säuglinge unentgeltlich zur Verfügung [7].

Maternale Impfung – derzeit nicht kostenfrei

Ergänzend dazu kann laut Impfplan Österreich eine aktive Impfung der werdenden Mütter zwischen der 24. und 36. Schwangerschaftswoche das Neugeborene durch die Übertragung mütterlicher Antikörper schützen; sie wird empfohlen, wenn der Geburtstermin in die RSV-Saison (Oktober bis März) fällt [1,7]. Anders als die passive Immunisierung des Säuglings ist die maternale Impfung derzeit nicht im kostenfreien öffentlichen Impfprogramm enthalten und muss von den Schwangeren selbst getragen werden.

Schutz für Erwachsene: Impfung noch nicht im Gratis-Programm

Für Erwachsene stehen ebenfalls wirksame aktive Impfungen gegen schwere Erkrankungen der unteren Atemwege durch RSV zur Verfügung. Laut dem Impfplan Österreich 2025/2026 wird die Impfung allen Personen ab dem vollendeten 60. Lebensjahr sowie Personen ab dem vollendeten 18. Lebensjahr mit erhöhtem Risiko (u. a. chronische Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Immunsuppression) empfohlen [7]. Anders als die passive Immunisierung von Säuglingen ist diese Impfung derzeit jedoch nicht Teil des kostenfreien öffentlichen Erwachsenenimpfprogramms.

Die ÖVIH-Marktforschung zeigt hier Handlungsbedarf: Nur 13 % der Befragten schätzen ihr persönliches Risiko, ab 60 Jahren schwer an RSV zu erkranken, als (eher) hoch ein [9]. Gleichzeitig würden sich 54 % der Befragten sehr oder eher wahrscheinlich impfen lassen, wenn ihre Ärztin oder ihr Arzt dies empfehlen würde – für 53 % ist eine ärztliche Empfehlung überhaupt der ausschlaggebende Faktor für eine RSV-Impfentscheidung [9]. Ärztliche Aufklärung und ein niederschwelliger, kostenfreier Zugang dürften somit maßgeblich über die Durchimpfung entscheiden.

Forderungen des ÖVIH

  • Rasche Aufnahme der RSV-Impfung für Erwachsene ab 60 Jahren sowie für Risikopatient:innen ab 18 Jahren in das kostenfreie öffentliche Impfprogramm.
  • Erweiterung des bestehenden Impfdaten-Dashboards um RSV – für Kinder und Erwachsene: Seit Dezember 2025 stellen Gesundheitsministerium und Dachverband der Sozialversicherungsträger unter impfdaten.at ein öffentliches Impfdaten-Dashboard zur Verfügung [8]. Der ÖVIH fordert die rasche Erweiterung des Dashboards um die über den E-Impfpass erfassten RSV-Immunisierungen in allen Altersgruppen, um valide Durchimpfungsraten sichtbar zu machen und den Erfolg der Immunisierungsmaßnahmen bewerten zu können.

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Impfempfehlungen sind im Österreichischen Impfplan nachzulesen, Impfberatung bieten Ärzt:innen und Apotheker:innen im österreichischen Gesundheitswesen.

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[1] Gesundheitsportal Österreich: Impfung gegen Respiratorisches Synzytial-Virus (RSV). Letzte Aktualisierung 9.2.2026.

[2] AGES: RSV – Krankheitserreger von A bis Z.

[3] SARI-Dashboard.

[4] Sever Yildiz G, Resch E, Strenger V, Eber E, Resch B (2024). Evaluating the economic and epidemiological impact of RSV hospitalizations in Southern Austria. Influenza Other Respir Viruses 18(11):e70046.

[5] Walter E, Eichhober G, Voit M (IPF – Institut für Pharmaökonomische Forschung, 2025): Krankheitskosten durch die RSV-Infektion in Österreich. Studie im Auftrag des ÖVIH, Wien, 26.11.2025.

[6] Bont L, Krone M, Harrington L, Nair H, Nolan T, Oshitani H, Salisbury D (2024). Respiratory syncytial virus: time for surveillance across all ages, with a focus on adults. J Glob Health 14:03008.

[7] Sozialministerium: Impfplan Österreich 2025/2026, Version 1.1 (Stand 10.10.2025).

[8] Sozialministerium: Impfdaten-Dashboard bringt mehr Transparenz (15.12.2025); impfdaten.at.

[9] Integral im Auftrag des ÖVIH (2026): Marktforschung „Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken, RSV“, Studie 8136/26, n=2.000, Feldzeit 26.02.–13.03.2026.

[10] Li Y, Wang X, Blau DM, et al. (2022). Global, regional, and national disease burden estimates of acute lower respiratory infections due to respiratory syncytial virus in children younger than 5 years in 2019: a systematic analysis. Lancet 399(10340):2047–2064.

Rückfragen & Kontakt

ÖVIH
Mag.a rer.nat Renée Gallo-Daniel
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.oevih.at

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