- 31.08.2026, 10:14:32
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Offener Brief: Berufsschutz - wer Fachkräfte in der Pflege sucht, muss diese auch schützen
Frau
Bundesministerin Korinna Schumann
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Herrn
Bundesminister Dr. Wolfgang Hattmannsdorfer
Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus
Herrn
Bundesminister Christoph Wiederkehr, MA
Bundesministerium für Bildung
Offener Brief: Berufsschutz - wer Fachkräfte in der Pflege sucht, muss diese auch schützen
Sehr geehrte Frau Bundesministerin, sehr geehrte Herren Bundesminister,
eine aktuelle Entscheidung des Obersten Gerichtshofs (10 Ob S 64/26y) zeigt ein Problem auf, das dringend politisch gelöst werden muss. Eine Pflegeassistentin hat 37 Jahre lang im Krankenhaus gearbeitet. Tag für Tag hat sie kranke Menschen versorgt und Verantwortung übernommen. Aus gesundheitlichen Gründen kann sie diese Arbeit nicht mehr machen. Trotzdem bekommt sie nicht den Berufsschutz, den andere Berufsgruppen haben.
Das ist für uns nicht nachvollziehbar: Wer 37 Jahre lang für kranke Menschen da war, darf nicht im Stich gelassen werden, wenn die eigene Gesundheit nicht mehr mitspielt.
Wer Fachkräfte sucht, muss sie auch als Fachkräfte behandeln
Auf der einen Seite sucht Österreich dringend Personal für die Pflege und andere Gesundheitsberufe. Pflegekräfte werden über die Mangelberufsliste sogar gezielt aus dem Ausland angeworben. Auf der anderen Seite verweigert unser Sozialversicherungssystem Beschäftigten wie einer Pflegeassistentin den entsprechenden Berufsschutz.
Das passt nicht zusammen. Man kann Menschen nicht heute als dringend benötigte Fachkräfte anwerben und sie morgen beim sozialen Schutz im Regen stehen lassen. Wer als Fachkraft gebraucht wird, muss auch als solche behandelt und entsprechend geschützt werden.
Gute Arbeitsbedingungen sind die Grundlage
Ja, wir brauchen zusätzliche Beschäftigte in der Pflege und in anderen Gesundheitsberufen. Auch Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, leisten einen wichtigen Beitrag zu unserem Gesundheitssystem. Aber Zuwanderung allein löst den Personalmangel nicht. Wir müssen gleichzeitig dafür sorgen, dass die Menschen, die bereits in der direkten Patient:innenversorgung arbeiten, ihren Beruf auch langfristig ausüben können.
Damit das gelingt, braucht es ausreichend Personal, faire Bezahlung, verlässliche Dienstpläne sowie gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen. Es reicht nicht, ständig neue Menschen für die Pflege zu suchen. Wir müssen auch dafür sorgen, dass die Beschäftigten bis zur Pension gesund in ihrem Beruf arbeiten können.
Leistungsträger:innen unserer Gesellschaft
Bei den Beschäftigten in der Pflege sprechen wir über Menschen, die jeden Tag Verantwortung für andere übernehmen. Sie arbeiten am Tag und in der Nacht. Sie arbeiten an Wochenenden, zu Weihnachten, zu Ostern und an Feiertagen. Sie sind das ganze Jahr für kranke, alte und pflegebedürftige Menschen da.
Diese Beschäftigten gehören zu den Leistungsträger:innen unserer Gesellschaft. Und wer Tag für Tag für andere da ist, muss sich darauf verlassen können, dass die Gesellschaft auch für ihn da ist, wenn es darauf ankommt. Diese Wertschätzung darf nicht nur in Sonntagsreden vorkommen. Sie muss sich auch in Gesetzen und in der sozialen Absicherung zeigen.
Deshalb fordert die Gewerkschaft vida:
1. Berufsschutz für alle Beschäftigten in der direkten Patient:innenversorgung
Der Berufsschutz im ASVG muss geändert werden. Wer über viele Jahre direkt mit Patient:innen arbeitet und dabei körperlich und psychisch belastende Tätigkeiten leistet, braucht einen entsprechenden Schutz. Kann jemand diese Arbeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben, darf die bisherige Lebensleistung nicht plötzlich nichts mehr wert sein.
2. Wer einen Beruf zum Mangelberuf erklärt, muss auch für entsprechenden Schutz sorgen.
Es ist nicht glaubwürdig, einen Beruf auf die Mangelberufsliste zu setzen, Menschen dafür im Ausland anzuwerben und gleichzeitig den Beschäftigten keinen entsprechenden Berufsschutz zu geben. Mangelberuf darf nicht heißen: dringend gesucht, aber schlecht geschützt.
3. Bessere Bedingungen statt Personalmangel verwalten
Wir brauchen ausreichend Personal, faire Einkommen, gute Ausbildungsbedingungen und echte Entlastung am Arbeitsplatz. Unser Ziel muss sein, neue Beschäftigte zu gewinnen und gleichzeitig jene im Beruf zu halten, die bereits jeden Tag die Versorgung sicherstellen.
Zusammenfassend lautet daher unser eindringlicher Appell an die Bundesregierung, ändern Sie diese Ungerechtigkeit! Schaffen Sie einen Berufsschutz für alle Menschen, die unmittelbar in der Patient:innenversorgung arbeiten. Wer Menschen für die Versorgung unserer Kranken und Pflegebedürftigen braucht, muss auch Verantwortung für diese Beschäftigten übernehmen.
Berufsschutz muss allen zustehen, die unmittelbar in der Patient:innenversorgung arbeiten. Wer täglich Verantwortung für Patient:innen trägt, verdient auch den Schutz unseres Sozialsystems.
Mit freundlichen Grüßen
Roman Hebenstreit, Vorsitzender Gewerkschaft vida
Gerald Mjka, stv. Vorsitzender Gewerkschaft vida, Vorsitzender Fachbereich Gesundheit
Rückfragen & Kontakt
Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Hansjörg Miethling
Telefon: 0664 / 614 57 33
E-Mail: [email protected]
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