- 28.08.2026, 11:54:34
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TKG: ÖVP-Muslime-Stigma -Posting offenbar gelöscht – kein Anlass für Dank, der Schaden durch die Salonfähigkeit der Stigmatisierung bleibt

Das seit Dezember 2025 von der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich (TKG – Think Tank) scharf kritisierte ÖVP-Posting zum Integrationsbarometer 02/2025 ist über den bisherigen Instagram-Link derzeit nicht mehr abrufbar.
Die ÖVP hatte dort unter Berufung auf das staatlich finanzierte Integrationsbarometer verbreitet:
„Wussten Sie, dass zwei Drittel das Zusammenleben mit Muslimen als schwierig empfinden?“
Die TKG warnte nach eigener Dokumentation bereits am 18. Dezember 2025 als erste NGO vor der pauschalen Stigmatisierung einer Religionsgemeinschaft und forderte in zahlreichen APA-OTS-Aussendungen wiederholt die Löschung des Beitrags.
Auch zu Weihnachten am 24. Dezember 2025 und zu Silvester am 31. Dezember 2025 blieb die TKG bei ihrer Kritik und warnte davor, eine ganze Religionsgemeinschaft durch politische Zuspitzung kollektiv negativ zu markieren.
Am 19. Juni 2026 forderte die TKG erneut ausdrücklich die sofortige Löschung:
Zuletzt geschah dies am 27. August 2026 im Zusammenhang mit den Aussagen des früheren ÖVP-Bundeskanzlers Karl Nehammer zu „Remigration“.
Ob die ÖVP den Beitrag selbst gelöscht hat oder aus welchem Grund er seit heute nicht mehr verfügbar ist, kann die TKG derzeit nicht abschließend feststellen. Fest steht: Noch gestern war das Posting über den bisherigen Link abrufbar.
Für die TKG bleibt entscheidend:
Staatlich finanzierte Meinungsforschung darf nicht zur parteipolitischen Stigmatisierung einer Religionsgemeinschaft verwendet werden. Musliminnen und Muslime sind keine homogene politische oder gesellschaftliche Problemkategorie.
Sollte die ÖVP das Posting selbst entfernt haben, wäre eine klare öffentliche Entschuldigung gegenüber den pauschal angesprochenen Musliminnen und Muslimen der richtige und glaubwürdige Schritt gewesen.
Eine stille Löschung gleichsam in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, ohne die Öffentlichkeit über den Grund zu informieren und ohne sich ausdrücklich von der eigenen Pauschalisierung zu distanzieren, verdient keinen Dank.
Wer einen solchen Beitrag monatelang öffentlich stehen lässt, kann die politische und gesellschaftliche Wirkung nicht dadurch ungeschehen machen, dass er später kommentarlos verschwindet.
Nach Auffassung der TKG liegt der größere Schaden darin, dass durch staatlich oder parteipolitisch aufgeladene Kommunikation die pauschale Markierung einer Religionsgemeinschaft salonfähig gemacht wurde. Gleichzeitig wurden völlig unterschiedliche Ebenen miteinander vermischt: der persönliche Glaube von Musliminnen und Muslimen auf der einen Seite und politischer Islam, fundamentalistische, legalistische oder extremistische Strömungen auf der anderen.
Gerade wer politischen Islam, Fundamentalismus und Extremismus ernsthaft bekämpfen will, muss präzise unterscheiden.
Man muss die Spreu vom Weizen trennen.
Man darf Musliminnen und Muslime, die in sich äußerst verschieden sind, nicht in einen Topf werfen, als hätten sie dieselbe „DNA“, dieselben politischen oder kulturellen Einstellungen oder dieselben gesellschaftlichen Ziele.
Viele wenden sich ausdrücklich gegen fundamentalistische Bewegungen und stehen für eine freiheitlich-demokratische, vielfältige, säkulare und rechtsstaatliche Republik Österreich. Sie sind diesem Land verbunden und froh, hier zu leben.
Die TKG tritt in Österreich seit Jahrzehnten mit demokratischen Mitteln, Aufklärung und öffentlicher Debatte gegen extremistische und fundamentalistische Entwicklungen ein – unter dem Leitgedanken:
„Frieden daheim und Frieden in der Welt.“
Gerade deshalb lehnt die TKG jede Form der pauschalen religiösen Zuschreibung ab.
Wer Extremisten kritisieren will, soll Extremisten benennen. Wer politischen Islam kritisieren will, soll politischen Islam benennen. Aber eine gesamte Religionsgemeinschaft zum politischen Problem zu erklären, ist weder seriös noch demokratisch verantwortungsvoll.
Besonders in Österreich mit seiner schmerzlichen und tragischen Geschichte vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts sollten wir daraus Lehren ziehen – auch wir Migrantinnen und Migranten.
Für unsere neue Heimat, die Republik Österreich, und für ein friedliches Zusammenleben auf Grundlage ihrer demokratischen, rechtsstaatlichen und vielfältigen Werte.
Eine politische und gesellschaftliche Stigmatisierung lässt sich nicht einfach dadurch rückgängig machen, dass ein Posting Monate später verschwindet.
Rückfragen & Kontakt
Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG-Think Tank)
Dr Melissa Günes
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.turkischegemeinde.at
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