• 27.08.2026, 10:13:32
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Spurensuche unter Wasser: Neue Einblicke in alpine Kleinseen

Bundesforste, Bundesamt für Wasserwirtschaft und Büro blattfisch untersuchten acht Seen – Fischbestände verändern sich vielerorts stark – Erfreuliche Entwicklung bei Edelkrebsen

Österreich (OTS) - 

Sie zählen zu den ökologisch wertvollsten und zugleich bislang kaum erforschten Gewässern in Österreich: alpine Kleinseen. Eine umfassende Untersuchung der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Wasserwirtschaft (BAW) und dem technischen Büro für Gewässerökologie blattfisch e.U. zeigt nun, wie es um die Fisch- und Krebsbestände in acht ausgewählten ÖBf-Seen steht. Während die Wissenschaftler*innen beobachteten, dass ursprünglich vorkommende Fischarten zum Teil stark unter Druck geraten, fielen die Ergebnisse zu den Edelkrebspopulationen vielerorts sehr positiv aus.

„Die Bundesforste betreuen mehr als 70 Seen in Österreich. Unsere Aufgabe ist es, diese Naturjuwele mit ihrer Vielfalt an Pflanzen und Tieren auch für kommende Generationen zu erhalten. Umso wichtiger sind fundierte Daten, um ökologische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielt Maßnahmen setzen zu können“, sagt Andreas Gruber, ÖBf-Vorstand für Forstwirtschaft und Naturschutz. Für das Forschungsprojekt fand über einen Zeitraum von rund drei Jahren an den ÖBf-Gewässern Gleinkersee, Laudachsee, Offensee, Vorderer Langbathsee (alle OÖ), Hintersee und Prebersee (beide Sbg.), Erlaufsee (Stmk./NÖ) sowie am Afritzer See (Ktn.) ein aufwändiges Monitoring statt.

Wertvolle Rückzugsräume im Fokus

Große österreichische Seen werden im Rahmen der EU-Wasserrahmenrichtlinie regelmäßig untersucht. Für viele alpine Kleinseen mit einer Größe unter 50 Hektar fehlten bislang vergleichbare Daten. Dabei sind diese sensiblen Ökosysteme wichtige Rückzugsräume für heimische Arten und werden gleichzeitig vielfältig genutzt, wie etwa durch den Tourismus oder die Fischerei. Ziel des Projekts war es daher, diese Wissenslücke zu schließen, geeignete Erhebungsmethoden zu erproben und wissenschaftliche Grundlagen für die zukünftige Seenbewirtschaftung zu schaffen.

Fischgemeinschaften im Wandel

Die Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass sich die Fischartengemeinschaften vieler alpiner Kleinseen stark verändern. Ursprünglich vorkommende Arten wie Seesaibling, Seeforelle, Elritze oder Koppe gehen in mehreren Gewässern zurück. Zugleich nehmen ursprünglich nicht im See heimische Arten wie Flussbarsch oder Rotauge vielerorts zu. Dies hat Auswirkungen auf Konkurrenzverhältnisse und Räuberdruck, wodurch sich das ökologische Gleichgewicht der Seen verändert. Besonders auffällig trat dies beispielsweise am Afritzer See zutage: Dort wurde ein starker Zuwachs an insgesamt sieben nicht im See heimischen Fischarten festgestellt - darunter Aal, Sonnenbarsch und Zander. Die ursprüngliche Leitfischart Laube konnte dagegen nicht nachgewiesen werden. Als Positivbeispiel ist der Vordere Langbathsee hervorzuheben. Dort ergaben die Untersuchungen einen außergewöhnlich starken Seesaiblingsbestand mit erfolgreicher natürlicher Vermehrung sowie gute Bestände weiterer typisch heimischer Fischarten wie z.B. der Elritze.

Die Ursachen für die Veränderungen in den Seen sind vielfältig. Viele Entwicklungen gehen auf frühere Besatzaktivitäten zurück, bei denen Fische zusätzlich in den See eingebracht wurden. Damals galten andere Erkenntnisse und Bewirtschaftungsziele als heute. Gleichzeitig begünstigt die Klimaerwärmung einzelne Raubfischarten wie Flussbarsch oder Hecht, da diese an steigende Wassertemperaturen besser angepasst sind als andere Arten. Zum Rückgang bestimmter Fischarten können je nach See zu wenig geeignete Laichplätze oder fehlende Wandermöglichkeiten über einmündende Bäche beitragen. „Insgesamt zeigten die Ergebnisse, dass an mehreren Seen Handlungsbedarf besteht – etwa durch Maßnahmen, die ursprünglich heimische Populationen und ihre natürlichen Lebensräume gezielt fördern“, so Andreas Haas, Fischereiexperte der Bundesforste.

Edelkrebs: Gute Entwicklung an mehreren untersuchten Seen

Ein weiterer Fokus der Studie lag auf dem Edelkrebs, der in Österreich stark zurückgegangen ist und zu den besonders gefährdeten heimischen Flusskrebsarten zählt. Umso erfreulicher sind die Ergebnisse zum Edelkrebsvorkommen an mehreren untersuchten Seen, die stabile, sich natürlich reproduzierende Populationen zeigten. Neben dem Vorderen Langbathsee ist hier besonders der Prebersee hervorzuheben, dessen natürlicher Edelkrebsbestand zu den besten Österreichs und darüber hinaus zählt. Auch Wiederansiedlungs- und Schutzmaßnahmen zeigen Wirkung: Im Gleinkersee, Offensee oder Laudachsee konnten sich die Bestände nach früheren Krebspestausbrüchen deutlich erholen. Damit eröffnen sich auch Möglichkeiten für weitere Wiederansiedlungen in geeigneten Gewässern – wie etwa im Erlaufsee, der sehr gute Lebensraumbedingungen für den Edelkrebs vorweisen kann.

Echolot, eDNA und Ringwade: So wurden die Seen erforscht

Um den Fischen und Krebsen auf die Spur zu kommen, kombinierten die Expert*innen je nach Gewässer unterschiedliche Untersuchungsmethoden. Neben Netz- und Elektrobefischungen kamen beispielsweise wissenschaftliche Echolote zum Einsatz: Damit waren die Forschenden per Boot im Zickzack-Kurs auf den Seen unterwegs. Das Gerät sendet dabei Tausende Schallimpulse in die Tiefe des Sees, die reflektierten Echos machen Fischbestände unter Wasser sichtbar und eine Abschätzung der Gesamtmenge möglich. Bei der Fang-Markierung-Wiederfang-Methode (CMR) wurden die Fische unter anderem mit Ringwaden und Reusen gefangen, vermessen, mit winzigen Farbmarkierungen gekennzeichnet, wieder freigelassen und später erneut gefangen. So konnten Rückschlüsse auf Größe und Entwicklung der Fischpopulationen gezogen werden. Zusätzlich kamen moderne eDNA-Analysen zum Einsatz: Anhand kleinster DNA-Spuren wie etwa Hautschuppen oder Stoffwechselprodukte im Wasser verraten sie, welche Arten im See vorkommen. Die Ergebnisse zeigen, dass eDNA eine wertvolle Ergänzung zu herkömmlichen Erhebungsmethoden darstellt: Wiederholt konnten damit Fischarten nachgewiesen werden, die mit den übrigen Methoden nicht erfasst wurden.

Auch das Alter der Fische wurde bestimmt: Bei Renken beispielsweise lässt es sich – ähnlich wie bei Bäumen – an den Jahresringen der Fischschuppen ablesen, bei Seesaiblingen geben die nur wenige Millimeter großen Gehörsteinchen (Otolithen) Aufschluss über Alter und Wachstum. Sämtliche Ergebnisse fließen in die „Fischdatenbank Austria“ (FDA) des Bundesamtes für Wasserwirtschaft ein und stehen damit auch künftig für weitere Forschung zur Verfügung. Das Projekt wurde durch den Europäischen Meeres-, Fischerei- und Aquakulturfonds (EMFAF) der Europäischen Union gefördert.

Von der Forschung in die Praxis

Die Ergebnisse des Monitorings bilden nun die Grundlage, um die nachhaltige Bewirtschaftung der Seen gemeinsam mit den Fischereipächtern weiterzuentwickeln. Geplant sind unter anderem angepasste Fischereikonzepte, gezielte Schutzmaßnahmen für heimische Arten sowie Maßnahmen gegen die Einschleppung invasiver Arten und Krankheiten. Ein im Rahmen des Projekts entwickelter Leitfaden unterstützt künftig dabei, für alpine Kleinseen je nach Gewässer und Fragestellung die geeignete Kombination unterschiedlicher Erhebungsmethoden auszuwählen. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die heimischen Fisch- und Krebsbestände langfristig zu erhalten.

Pressefotos unter www.bundesforste.at

Rückfragen & Kontakt

Österreichische Bundesforste
Andrea Kaltenegger
Unternehmenssprecherin
Telefon: +43 2231 600-1521
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.bundesforste.at

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