- 25.08.2026, 10:00:14
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Greenpeace/Seniorenrat: Hitze macht Wohnungen zur Gesundheitsgefahr
Langzeit-BOKU-Messungen belegen extreme Dauerbelastung – Organisationen fordern von Bundesregierung Hitzeschutz im Mietrecht und Sanierunsgsoffensive
Die Ergebnisse der Hitze-Messungen von Greenpeace, dem Österreichischen Seniorenrat – der Dachverband der großen Seniorenorganisationen – sowie der Universität für Bodenkultur Wien sind alarmierend: Sie belegen eine eindeutige, gesundheitsgefährdende Dauerbelastung in den eigenen vier Wänden. Für die Untersuchung wurden von Mitte Juni bis Mitte August in zwölf Wohnungen von Wiener Senior:innen die Innenraumtemperatur sowie die Luftfeuchtigkeit gemessen. Das Resultat: Bei sieben von zwölf Wohnungen kletterte die Temperatur an mindestens neun Tagen auf über 30 Grad – in der heißesten Wohnung war es sogar an 26 Tagen so heiß. Die Dauerhitze führte bei den Betroffenen etwa zu schweren Kreislaufproblemen und Schlafproblemen. Die Organisationen fordern von Klimaminister Totschnig eine Sanierungsoffensive und von Wohnminister Babler die Verankerung von Hitzeschutz im Mietrecht.
Marc Dengler, Klima- und Energieexperte bei Greenpeace in Österreich: “Wenn Wohnungen tagelang nicht mehr unter 30 Grad abkühlen, verwandelt sich das Zuhause vom Schutzraum in einen Backofen. Ältere Menschen sind in der Hitze gefangen, weil gesetzliche Hürden wirksamen Hitzeschutz verhindern. Das zeigt ein systematisches Versagen in der Wohnpolitik. Klimaminister Totschnig muss endlich eine Sanierungsoffensive starten und Wohnminister Babler Mietminderungen bei Hitze sowie das Recht auf Außenbeschattung ermöglichen.”
Wie heiß wird es in den Wohnungen?
In allen 12 untersuchten Wohnungen wurden an mindestens 14 Tagen Temperaturen von über 27 Grad gemessen, in der heißesten Wohnung sogar an 60 von 61 Messtagen. Der Wert von 27 Grad markiert die gesundheitliche Belastungsgrenze – wird dieser überschritten, kommt das Herz-Kreislauf-System unter Dauerstress. Auch in der Nacht kühlte die Hälfte der Wohnungen an mindestens 25 Tagen nicht unter 27 Grad. Die Hitzewelle im August lieferte weitere interessante Erkenntnisse: In fünf der zwölf Wohnungen lag die Temperatur während dem Höhepunkt der Hitzewelle (3. - 7. August) fast durchgehend bei über 30 Grad. Dieser Hitzestau lässt sich gut erklären: Die Mehrheit der Wohnungen liegt im schlecht gedämmten Altbau und hat kaum wirksamen, außenliegenden Sonnenschutz. Mehr als die Hälfte der Adressen liegt zudem in stark bis sehr stark versiegelten Gegenden.
Herbert Formayer, Professor für Meteorologie und Klimatologie an der Universität für Bodenkultur (BOKU): “Wien hat diesen Sommer so viele Hitzetage und Tropennächte wie noch nie erlebt. Das ist keine Ausnahme, sondern die Folge der Klimakrise, die die Bevölkerung mit voller Härte trifft. Besonders stark heizen sich Wohnungen auf, die direkt besonnt werden und keine außenliegende Beschattung haben.”
Die Folgen von dauerhaftem Hitzestress sind gravierend, wie auch die Rückmeldungen der Betroffenen aus der Messreihe belegen: Die Hälfte aller Befragten litt unter körperlicher Erschöpfung. Fünf Haushalte klagten über schwere Kreislaufprobleme, sechs über Erschöpfung und drei über schlaflose Nächte.
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes: “Eine Wohnung muss Schutz bieten, doch die Messungen zeigen eindeutig, dass die Gesellschaft gegen Extremhitze nicht ausreichend gerüstet ist. Hitze ist längst kein Ausnahmeereignis mehr, sondern eine ernstzunehmende gesundheitliche Bedrohung. Gerade ältere Menschen brauchen besonderen Schutz. Es reicht nicht, die Verantwortung auf die Einzelnen abzuwälzen – die Politik muss endlich konsequent handeln und wirksame Maßnahmen setzen. Neben persönlicher Vorsorge ist entschlossenes politisches Handeln nötig. Ältere Menschen verbringen viel Zeit zu Hause. Hitzeschutz statt Hitzeschock ist dringend! Wer heute in wirksame Schutzmaßnahmen investiert, rettet morgen Menschenleben.“
Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs: “Kein älterer Mensch darf Angst vor dem Sommer haben müssen. Extreme Hitze ist für ältere Menschen eine konkrete Gefahr für die Gesundheit. Besonders problematisch ist: Schutz vor Hitze hängt oft vom Einkommen und der Wohnsituation ab. Wer in einer schlecht sanierten Wohnung lebt und sich Kühlung nicht leisten kann, darf nicht allein gelassen werden. Wir brauchen klimafitte Wohnungen, wirksamen Hitzeschutz im Mietrecht, mehr Begrünung und Beschattung sowie ausreichend kühle öffentliche Räume und Trinkwasserstellen. Städte und Gemeinden müssen verbindliche Hitzeaktionspläne umsetzen. Für Alten- und Pflegeheime sind österreichweit einheitliche Standards nötig. Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz und darf weder vom Wohnort noch vom Geldbörsel abhängen.”
Bildmaterial finden Sie unter (werden bis 11.30 Uhr laufend hinzugefügt): https://act.gp/PK_Hitze
Unter Angabe der Credits © Name der Fotograf:in / Greenpeace stehen die Fotos kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.
Online-Dashboard zu den Messungen: https://act.gp/HitzeDashboard
Factsheet der BOKU zu Hitze-Messungen: https://act.gp/Facthseet-Hitze-Messungen
Die Mess-Ergebnisse wurden im Rahmen einer Pressekonferenz im großen Sitzungssaal im Amthaus Brigittenau präsentiert. Dieser Raum steht während der Sommermonate auch als Coole Zone für die Bevölkerung zur Verfügung und sorgt für Abkühlung.
Inhalte auf einen Blick
- Anlass: Ergebnisse der Raumtemperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessungen in den Wohnungen von Senior:innen in Wien belegen eine gesundheitsgefährdende Dauerbelastung durch extreme Hitze.
- Ergebnis: Bei der Hälfte der zwölf untersuchten Wohnungen stieg die Temperatur an mindestens neun Tagen auf über 30 Grad. In fünf Wohnungen lag die Temperatur während der August-Hitzewelle fast durchgehend bei über 30 Grad. Die Dauerhitze führte bei der Hälfte der Betroffenen zu körperlicher Erschöpfung und bei fünf Haushalten zu schweren Kreislaufproblemen.
- Hauptforderung: Klimaminister Norbert Totschnig muss eine umfassende Sanierungsoffensive starten und Wohnminister Andreas Babler Hitzeschutz im Mietrecht verankern.
- Adressat: Klimaminister Norbert Totschnig und Wohnminister Andreas Babler.
- Quelle / Material: Greenpeace Österreich, Österreichischer Seniorenrat und BOKU Wien / Online-Dashboard: https://act.gp/HitzeDashboard, Factsheet der BOKU zu Hitze-Messungen: https://act.gp/Facthseet-Hitze-Messungen
Rückfragen & Kontakt
Marc Dengler
Klima- und Energieexperte
Greenpeace in Österreich
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Réka Tercza
Pressesprecherin
Greenpeace Österreich
Telefon: +43 664 857 45 98
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