• 25.08.2026, 09:49:02
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Zementindustrie begrüßt Marterbauers Vorstoß zur CO₂-Speicherung

v.l.: Heimo Berger und Sebastian Spaun
Wien (OTS) - 

Die Transformation hin zu einer klimafreundlichen Wirtschaft erfordert enorme Anstrengungen. Als CO₂-intensive Industrie stellt sich die heimische Zementindustrie dieser Verantwortung seit langem: In den vergangenen 25 Jahren wurden Hunderte Millionen Euro in Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung und Energieeffizienz investiert. Mit Erfolg: Lokale Abfallkreisläufe liefern heute einen Großteil der Energie für die Klinkerproduktion, fossile Brennstoffe wurden zu rund 90 Prozent aus den Zementwerken verdrängt. Bereits 25 Prozent der eingesetzten Rohstoffe stammen aus „Urban Mining“, also aus recyceltem Bauschutt oder Nebenprodukten der Industrie.

„Mit einer klar definierten Roadmap für Dekarbonisierung, Kreislaufwirtschaft und CO₂-Abscheidung zählen wir international zu den Vorreitern der industriellen Transformation und zu jenen mit den niedrigsten CO₂-Emissionen. Wir fühlen uns zu Recht angesprochen, wenn von Vorreitern gesprochen wird. Doch die letzte Meile auf dem Pfad der Dekarbonisierung können wir nur mit der Abscheidung, dem Transport und der Speicherung von CO₂ gehen. Darauf drängen wir bei den politischen Entscheidungsträgern bereits seit Jahren. Umso erfreulicher ist es, dass Finanzminister Markus Marterbauer jetzt den erforderlichen Rechtsrahmen schafft“, sagt Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie.

Österreich verlor bisher Zeit und Millionen an EU-Förderungen

Denn während die Zementindustrie ihre Dekarbonisierung vorangetrieben hat, fehlten in Österreich bislang die rechtlichen Voraussetzungen für CCS. Die Carbon-Management-Strategie war bereits 2024 Thema im Ministerrat – abgesegnet wurde sie, umgesetzt nicht. Während zuletzt europaweit 2,9 Milliarden Euro an Fördermitteln für 61 Projekte vergeben wurden, ging Österreich bisher bei der Förderung von Klimaprojekten leer aus. Mit dem Rechtsrahmen erfolgt jetzt hoffentlich der erste Schritt! Ein koordinierter Infrastrukturplan eines CO₂-Pipeline-Systems samt Lagerstätten müssen folgen. Doch selbst wenn jetzt rasch gehandelt wird, die Zeit drängt.

CCS für Österreichs Industrie erst ab 2040 realistisch

„Einzelne CCS-Projekte können in Österreich bereits in wenigen Jahren realisiert werden. Für die breite industrielle Anwendung ist CCS in Österreich frühestens ab 2040 realistisch. CCS ist nichts, was man in zwei Jahren aufstellt – das braucht jahrelange Vorbereitung, Genehmigungen und Infrastruktur. Selbst wenn Österreich jetzt schnell ist, ist eine Nordsee-Anbindung realistisch nicht vor 2040 verfügbar. Und warum sollten uns Nachbarländer in ihrer Pipeline-Planung berücksichtigen, wenn CCS bei uns bis vor Kurzem noch verboten war? Halb Europa ist bereits deutlich weiter. Deutschland und die Schweiz planen Trassen, De-Risking-Modelle und internationale Anbindungen. Norwegen, Dänemark und Großbritannien zeigen, wie es geht: Der Staat übernimmt Verantwortung, stößt erste Projekte an und schafft damit Infrastruktur und Akzeptanz. Wir haben hier enormen Aufholbedarf und ohne CO₂-Speicher, Pipelines und Mittel aus dem EU Innovation Fund sind Nullemissionen bis 2040 ein Wunschtraum“, sagt Spaun.

EU Innovation Fund braucht neue Förderkriterien – oder Österreich geht leer aus

Neben der raschen Infrastrukturplanung eines CO₂-Pipeline-Systems samt Lagerstätten müssen die Förderkriterien des EU-Innovationsfonds dringend überarbeitet werden. Der Fonds wird aus Einnahmen des EU-Emissionshandelssystems finanziert und fördert großvolumige Dekarbonisierungsprojekte, etwa CCUS/CCS, Wasserstoff und klimaneutrale Industrieprozesse. Ein Zementwerk, das weder an eine CO₂-Pipeline angeschlossen ist noch über geeignete Speicherstätten – etwa ausgebeutete Erdgas- oder Erdölfelder in unmittelbarer Nähe – verfügt, steht vor gewaltigen Hürden bei der Dekarbonisierung.

Österreich darf nicht zum Verlierer der Transformation werden

Rund 40 Milliarden Euro stehen im EU-Innovationsfonds bis 2030 für die industrielle Dekarbonisierung zur Verfügung – doch Österreich droht leer auszugehen. Denn gefördert werden vor allem Projekte, die möglichst kosteneffizient CO₂ reduzieren. Das verschafft Standorten mit bereits vorhandener CCS-Infrastruktur – etwa Häfen, Pipelines oder nahe gelegenen CO₂-Speichern – einen strukturellen Vorteil. Es überrascht daher nicht, dass bislang kein österreichisches Klima- oder CCUS-Projekt beim EU-Innovationsfonds zum Zug gekommen ist.

„Hier braucht es dringend eine Kurskorrektur. Dekarbonisierung darf nicht allein nach Kosteneffizienz entschieden werden. Förderentscheidungen müssen auch industrie- und strukturpolitische Kriterien berücksichtigen und Transformation gerade dort ermöglichen, wo die infrastrukturellen Voraussetzungen schwieriger sind. Sonst drängen wir ausgerechnet jene Unternehmen aus dem Markt, die effizient produzieren, Arbeitsplätze und Wertschöpfung sichern und gleichzeitig seit Jahrzehnten in ihre Transformation investieren. Das wäre ein industrie- und klimapolitisches Eigentor – gerade Österreichs Unternehmen produzieren bereits heute den Zement mit der niedrigsten CO₂-Intensität weltweit“, sagt VÖZ-Präsident Heimo Berger abschließend.

Rückfragen & Kontakt

Zement und Beton InformationsGmbH
Anja Gaugl
Telefon: +43 1 714 66 85-23
E-Mail: [email protected]

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