• 21.08.2026, 10:10:32
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Wien erlebt Hitzerekorde, Grüne Wirtschaft Wien fordert Anpassungsstrategie

GW Wien: Klimawandel ist längst Wirtschaftsfaktor, Transformation ist kein Wunschkonzert – Betriebe brauchen jetzt Planungssicherheit, Anpassungshilfen und faire Rahmenbedingungen

Wien (OTS) - 

Der Sommer 2026 brachte einen Hitzerekord nach dem nächsten, die vergangenen zwölf Monate waren die trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1850. Die Transformation unseres Wirtschaftssystems ist keine politische Wunschvorstellung und schon gar kein Luxusprojekt. Der Klimawandel ist längst in der Wiener Wirtschaft angekommen. Hitze, Trockenheit und Extremwetterereignisse treffen nicht nur die Landwirtschaft, sondern zunehmend auch Bauwirtschaft, Produktion, Handel, Tourismus und die Kreativwirtschaft. Aktuelle Berichte über Trockenheit und die schwierige Situation der Landwirtschaft unterstreichen diese Entwicklung.

Wir können nicht länger so tun, als wäre die ökologische Transformation eine Option, die man beginnen kann, wenn man dazukommt. Sie findet bereits statt – die Frage ist nur, ob wir sie gestalten oder von den Folgen überrollt werden“, sagt Sonja Franzke, Regionalsprecherin der Grünen Wirtschaft Wien.

Landwirtschaft zeigt die wirtschaftlichen Folgen unmittelbar

Dürre, ausbleibende Niederschläge und steigende Temperaturen führen zu Ernteausfällen und höheren Produktionskosten. Was auf den ersten Blick ein Problem außerhalb Wiens ist, wird rasch zu einem Problem der Wiener Wirtschaft: Wenn regionale Lebensmittel knapper werden, steigen Preise und Importabhängigkeiten.

Wenn Wasser zur knappen Ressource wird und Futtermittel fehlen, endet die Diskussion über Klimaschutz nicht am Stadtrand. Sie landet im Supermarkt, im Gastgarten und schließlich bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Klimapolitik ist auch Wirtschaftspolitik und Standortpolitik“, so Hans Arsenovic, Wiener Gemeinderat und Wirtschaftssprecher der Grünen Wien.

Best Practices statt Gießkanne

Die Grüne Wirtschaft fordert deshalb einen grundlegenden Umbau der Förderpolitik. Öffentliche Mittel sollten verstärkt dort eingesetzt werden, wo Unternehmen nachweislich in Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien, klimafitte Produktion, regionale Wertschöpfung oder resiliente Lieferketten investieren.

Dabei müsse insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen Rücksicht genommen werden. Große Unternehmen könnten Investitionen in Klimaanpassung, Digitalisierung oder neue Produktionsverfahren häufig leichter stemmen. Für einen kleinen Handwerksbetrieb, ein Kreativunternehmen oder einen Ein-Personen-Betrieb könne dieselbe Investition existenzentscheidend sein.

Hitze wird zur Arbeitszeitfrage

Gleichzeitig müsse die Diskussion über Klimaanpassung stärker auf die Arbeitswelt ausgeweitet werden. Extreme Temperaturen führen bereits heute dazu, dass Arbeiten im Freien eingeschränkt, verschoben oder unterbrochen werden müssen. Das betrifft etwa Bauarbeiter:innen, Dachdecker:innen, Installateur:innen oder Landschaftsgärtner:innen.

Doch die Folgen reichen weit darüber hinaus. Auch Büros, Werkstätten, Ateliers, Veranstaltungsorte und Produktionsstätten können bei extremer Hitze nur eingeschränkt genutzt werden. In der Kreativwirtschaft können Dreharbeiten, Veranstaltungen, Produktionen oder Aufbauten nicht beliebig in kühlere Tageszeiten verschoben werden.

Klimaanpassung ist auch eine Frage der Vereinbarkeit

Besonders unterschätzt werde die indirekte Wirkung des Klimawandels auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Wenn Schulen oder Kindergärten aufgrund extremer Hitze ihren Betrieb einschränken oder kurzfristig schließen müssen, entsteht für Eltern eine zusätzliche Betreuungsbelastung.

Diese Last werde weiterhin überproportional von Frauen getragen.

Klimaanpassung ist auch Gleichstellungspolitik. Wenn ein Kindergarten wegen extremer Temperaturen schließt und plötzlich Betreuung fehlt, kann das für eine Unternehmerin, eine Mitarbeiterin oder eine Alleinerzieherin bedeuten, dass sie ihre Arbeit nicht erledigen kann. Die Care-Arbeit verschwindet nicht – sie wird nur auf die Familien/Frauen abgewälzt“, warnt Franzke.

Eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik müsse daher Klimaschutz, Arbeitsmarkt, Kinderbetreuung und soziale Infrastruktur gemeinsam denken.

Weitere Belastungen kommen hinzu

Auch andere Bereiche würden zunehmend mit den Folgen der Klimaveränderung konfrontiert. Der Wien-Tourismus müsse sich auf veränderte Saisonverläufe, zunehmende Hitzeinseln und höheren Kühlbedarf einstellen.

Für Unternehmen werde damit Resilienz zu einem ebenso wichtigen Standortfaktor wie Steuern, Arbeitskosten oder Infrastruktur.

Das nachhaltigste Unternehmen ist nicht jenes, das die schönste Broschüre über Klimaschutz produziert. Es ist jenes, das sein Geschäftsmodell so verändert, dass es auch unter den Bedingungen von morgen noch funktioniert“, so Franzke.

Unternehmen brauchen klare Rahmenbedingungen

Die Grüne Wirtschaft fordert daher von der Wirtschaftskammer Wien sich bei Stadt und Bund für eine gemeinsame Task Force einzusetzen, die Anpassungsstrategie für den Wirtschaftsstandort erarbeitet und auf kurzem Weg reagiert. Dazu gehören:

  • eine stärkere Ausrichtung von Förderungen auf nachweisbare ökologische Transformation und Klimaanpassung,
  • besondere Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen,
  • Investitionen in hitzetaugliche Arbeitsplätze und Infrastruktur,
  • verlässliche und leistbare Kinderbetreuung auch bei Extremwetter,
  • bessere Beratung für Betriebe bei Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und Klimaanpassung,
  • Investitionen in regionale Wertschöpfung und resiliente Lieferketten,
  • Unterstützung für Unternehmen, die ihre Produktions- und Arbeitsprozesse klimafit machen,
  • sowie langfristige politische Planungssicherheit statt ständig wechselnder Förderbedingungen.

Unternehmen wollen handeln. Was sie nicht brauchen, sind weitere Sonntagsreden oder Interessensvertretungen, die sich mit sich selbst beschäftigen. Sie brauchen klare Ziele, verlässliche Rahmenbedingungen und eine Förderpolitik, die jene belohnt, die heute investieren, damit Wien morgen noch wirtschaftlich erfolgreich sein kann“, so Arsenovic abschließend.

Rückfragen & Kontakt

Grüne Wirtschaft Wien
Paul Stockdreher
Telefon: 43 664 / 883 273 55
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.gruenewirtschaft.at

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