• 18.08.2026, 10:36:02
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Tourismus-KV: vida erreicht Abschluss für 250.000 Beschäftigte

Wirtschaftskammer bewegt sich nach vida-Aktionen – Ausdauer und vida-Protestaktionen mit Beschäftigten haben das Schlimmste verhindert.

Wien (OTS) - 

Nach vier gescheiterten Verhandlungsrunden, einem einseitigen Abbruch durch die Wirtschaftskammer und Protestaktionen der Beschäftigten steht der neue Kollektivvertrag für die rund 250.000 Beschäftigten in Hotellerie und Gastronomie. In mehreren Gesprächsrunden letzte Woche haben sich die Gewerkschaft vida und die Wirtschaftskammer geeinigt.

Der Abschluss sieht ab 1. Oktober 2026 Lohnerhöhungen von durchschnittlich 3,02 Prozent vor. Lehrlinge können im Schnitt mit einem Plus von 3,44 Prozent rechnen, in der Lohngruppe 5 – der größten Beschäftigtengruppe der Branche – gibt es eine Erhöhung von 3,48 Prozent. Zusätzlich wurde für den Großteil der Beschäftigten eine fixe Prämie und die Möglichkeit einer freiwilligen steuerfreien Prämie vereinbart.

„Das ist kein Triumph, und das behauptet auch niemand. Aber es ist der Beweis, dass sich Standhalten auszahlt", sagt Eva Eberhart, vida-Verhandlungsleiterin und Vorsitzende des vida-Fachbereichs Tourismus. „Wer beim ersten Ultimatum unterschreibt, bekommt weniger. Wir haben das Ultimatum nicht akzeptiert, wir haben den ganzen Sommer durchgehalten – und wir haben das Schlimmste verhindert: einen Abschluss weit unter der Teuerung und ganz ohne Einmalzahlung, wie ihn die Wirtschaftskammer ursprünglich wollte."

Besonders wichtig ist uns, dass diese Nachbesserung gerade jenen zugutekommt, die für die Zukunft der Branche entscheidend sind: den Lehrlingen und den vielen Beschäftigten in der Lohngruppe 5, die am niedrigsten entlohnt sind“, sagt Eberhart.

vida-Aktionen brachten Verhandlungen wieder in Gang

Dass es überhaupt noch einmal zu Verhandlungen in großer Runde kam, ist ein wesentliches Ergebnis des gewerkschaftlichen Drucks der vergangenen Wochen. Nachdem die Arbeitgeberseite die KV-Verhandlungen zuvor einseitig für beendet erklärt hatte, machte vida gemeinsam mit den Beschäftigten mit Aktionen in Wien, Salzburg und Oberösterreich auf die Situation in der Branche aufmerksam und forderte weitere Gespräche.

Die Branche müsse zukunftsfähig werden. „Über den Fachkräftemangel wird im Tourismus viel gesprochen. Die wirksamste Fachkräftestrategie liegt aber auf der Hand: gute Löhne und Arbeitsplätze, an denen Menschen gerne bleiben“, so Eberhart.

Kritik war nicht übertrieben – die Zahlen geben uns recht

„Unsere öffentliche Kritik an der Gastronomie und Hotelbranche war nicht übertrieben, sie war belegt", bekräftigt vida-Vorsitzender Roman Hebenstreit seine vorangegangenen Aussagen, die die Verhandlungen begleitet haben. „Rekordnächtigungen, Rekordumsätze, eine Saison, die alle Erwartungen sprengt – und gleichzeitig ein Angebot, das die Beschäftigten real noch ärmer gemacht hätte. Vom Erfolg hat im Tourismus immer nur einer was, und zwar leider nicht die Beschäftigten."

Die deutlichste Zahl sei jene, über die niemand hinwegreden könne: „Nicht einmal die Lehrlinge bekommen im Durchschnitt die Inflation abgegolten. Wir sprechen nicht über Spitzenverdiener:innen, sondern über junge Menschen am Beginn ihres Berufslebens – und selbst bei ihnen bleibt real weniger übrig." Hebenstreit fordert daher die redlichen Arbeitgeber:innen auf, allen ihren Beschäftigten die Teuerung zur Gänze abzugelten und die freiwillige steuerfreie Prämie voll auszuschöpfen.

Auftrag an die Regierung: Zuzugsstopp statt Lohndumping

Scharf kritisiert der vida-Vorsitzende die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung. „Seit Jahren hören wir dieselbe Klage über Arbeitskräftemangel. Aber ein echter Mangel hat eine Sprache, und die heißt steigende Löhne. In dieser Branche passiert das Gegenteil: Die Kaufkraft sinkt. Sinkende Reallöhne sind kein Zeichen von Knappheit, sie sind das ehrliche Abbild der tatsächlichen Verhältnisse am Arbeitsmarkt – es gibt kein Unterangebot an Arbeitskräften, es gibt ein Unterangebot an fairer Bezahlung."

Dass die Tourismusstaatssekretärin Zehetner zuletzt sogar in Griechenland Personal angeworben habe, während daheim der Inflationsausgleich verweigert werde, sei das völlig falsche Signal: „Wer über Rot-Weiß-Rot-Karten und Saisonkontingente immer neue Arbeitskräfte in genau jene Branchen holt, die ihre bestehenden Beschäftigten nicht einmal inflationsgerecht bezahlen, behebt keinen Mangel, er subventioniert Lohndumping", so Hebenstreit. „Das erhöht nur den Überschuss an Personal und den Druck auf die Löhne. Unsere Forderung ist deshalb klar: ein sofortiger Stopp des weiteren Zuzugs in diese Branchen. Erst faire Löhne, dann reden wir über alles Weitere. Wer zahlen kann und zahlen will, findet auch Leute."

Rückfragen & Kontakt

Gewerkschaft vida/Öffentlichkeitsarbeit
Cornelia Groiss
Telefon: +43 664 6145756
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.vida.at

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