• 12.08.2026, 08:59:02
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Leiden in Österreich 2,5 Millionen Schweine fast ohne Kontrollen?

Tierschutzgesetz sieht nur alle 50 Jahre Kontrollen vor! / Bei Verdacht ist Zutritt ohne Hausdurchsuchungsanordnung jederzeit möglich / Betrieb erhält "Tierwohl"-Förderungen!

Gerettetes Ferkel am Tierschutzhof PFOTENHILFE
Haag/Lochen (OTS) - 

Anlässlich der unvorstellbaren Tierquälerei samt Kannibalismus-Tragödie in Haag (NÖ), die sich schon seit Jahresbeginn unentdeckt immer mehr ausweitete, fragen sich nun viele, wie es soweit kommen konnte. Der Betreiber habe der Polizei nicht geöffnet, woraufhin sie eine Woche später mit der Amtstierärztin wieder gekommen seien. Hierzu verweist die Tierschutzorganisation Pfotenhilfe einerseits darauf, dass Behördenorgane oft den § 36 des Bundestierschutzgesetzes nicht anwenden: "... das Recht, Liegenschaften, Räume und Transportmittel zum Zwecke der Kontrolle (§ 35) zu betreten und sich zu ihnen unter Wahrung der Verhältnismäßigkeit der eingesetzten Mittel Zutritt zu verschaffen, wenn dieser nicht freiwillig gewährt wird." Es ist also keineswegs eine Hausdurchsuchungsanordnung nötig, viel mehr ist es wichtig, sich bei Verdacht auf Tierquälerei sofort Zutritt zu verschaffen.

Andererseits weist die Pfotenhilfe auf den seit vielen Jahren angeprangerten eklatanten Mangel an Tierschutzkontrollen in Österreich hin. Einmal ganz abgesehen davon, dass das Bundestierschutzgesetz 2005 vorgibt, Schweine zu schützen, dieses Ziel aber in den Detailregelungen der 1. Tierhaltungsverordnung auf Druck der Lobby seit jeher völlig konterkariert und zur Farce wird, werden nicht einmal diese laschen Vorgaben auch nur ansatzweise so kontrolliert, wie sich ein unbedarfter Konsument das erwarten würde.

Kontrollen laut Rechnungshof nur alle 63 Jahre!

In der Tierschutz-Kontrollverordnung steht, dass mindestens 2% der landwirtschaftlichen Betriebe zu kontrollieren sind. Geht man davon aus, dass wenigstens diese gesetzliche Vorgabe eingehalten wird, würde dies statistisch bedeuten, dass nur alle 50(!) Jahre eine amtstierärztliche Kontrolle erfolgen müsste. "Müsste" deshalb, weil nicht einmal das passiert. Dies hat der Rechnungshof 2024 aufgedeckt. Aus dessen Bericht geht hervor, dass sich nicht einmal die vorgeschriebenen 2 % in den Kontrollplänen wiederfinden, sondern etwa in Oberösterreich nur rund 1,8 %. Und sogar dieses zu niedrige Plansoll werde nicht erfüllt: 2018 seien nur 1,58 % der Betriebe kontrolliert worden. In ganz Oberösterreich würden jährlich nur rund 400 Betriebe kontrolliert (Quelle: Rechnungshofbericht übertrifft Tierschützerkritik: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20240812_OTS0019)

„Abgesehen davon, dass Kontrollen praktisch immer vorher angekündigt werden, wodurch vieles vertuscht werden kann, dauert es mittlerweile also statistisch bereits bis zu 63 Jahre, bis man an der Reihe ist!", so Pfotenhilfe-Sprecher Jürgen Stadler. "Seit 2013 hat der Tierschutz Verfassungsrang, was sich aber in der Praxis überhaupt nicht niederschlägt. Es muss sich also niemand wundern, wenn sich immer wieder viele Jahre lang unentdeckte Missstände zu unfassbaren Skandalen wie jetzt in Haag ausweiten, das im mit 671.935 Tieren zweitstärksten Schweineproduktions-Bundesland liegt. In ganz Österreich leben fast 2,5 Millionen Schweine, die allermeisten unter - gesetzlich gedeckten - nicht tiergerechten Bedingungen (Stand 1.12.2025 laut Statistik Austria). Alleine schon wenn Schweinen die Schwänze abgeschnitten werden müssen, damit sie sich nicht gegenseitig aus Frust und Langweile kannibalisieren, muss einem doch dämmern, dass an der Haltungsform etwas grundlegend nicht stimmt." Artgerecht wäre für Schweine eine ständige Wühl- und Suhlmöglichkeit und ein weicher, sauberer Liegebereich, da Schweine extrem saubere und geruchsempfindliche Tiere sind, die nicht mit ihren Fäkalien in Berührung kommen wollen.

Wer trägt die politische Verantwortung?

Die Lobby solcher Intensivtierhalter sitzt direkt im Parlament und blockiert eine bessere Tierschutzgesetzgebung seit Jahrzehnten konsequent und hat die tierquälerische Schweineproduktion sogar schon für weitere Jahrzehnte gesetzlich "einzementiert" (Vollspaltenböden, körperenge Einzelkäfige usw.).

Förderungen für Tierquälerei!

Gleichzeitig werden aber auch an die Betriebe mit nachweislich schwerster Tierquälerei jeweils oft sogar zigtausende Euro an Förderungen aus Steuergeld ausgeschüttet, im konkreten Fall zynischerweise sogar auch für "Tierwohl", wie die Transparenzdatenbank zeigt.

Völlig neues Haltungssystem und Kontrollsystem gefordert

"Wenn dieser Fall nicht Anlass genug ist, das System der Schweinehaltung komplett umzukrempeln und nach den Kriterien der Tiergerechtheit zu gestalten und auch das Kontrollsystem völlig neu und engmaschig aufzusetzen, dann gehen die Politiker dieser Regierung buchstäblich über Leichen!", so Stadler.

Auch Konsumenten sind gefordert

"Aber auch als Konsument muss man sich anlässlich solcher immer wieder auftretenden Skandale fragen, ob man es wirklich noch mit seinem Gewissen vereinbaren kann, das Billigfleisch dieser gequälten Kreaturen zu sich zu nehmen. Dass die Herkunft Österreich kein Qualitätskriterium ist, zeigt nicht erst der aktuelle Skandal. Wenn dann braucht es zumindest eine Kennzeichnung nach der Haltungsform", so Stadler. "Ich persönlich lebe jedenfalls seit 30 Jahren sehr gut ohne Fleisch von toten Tieren. Und ich ärgere mich, dass ich so lange gebraucht habe damit aufzuhören, obwohl ich schon lange davor gewusst habe, wie Tiere gehalten, transportiert und getötet werden. Wir brauchen ja nur ehrlich zu uns selbst sein und darüber nachdenken, wie wir auf diesen Fall reagieren würden, wenn es sich beispielsweise um Hunde handeln würde."

Rückfragen & Kontakt

Verein PFOTENHILFE
Jürgen Stadler
Telefon: +436648485550
E-Mail: [email protected]

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