• 06.08.2026, 11:58:32
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Zementindustrie: Klimadebatte braucht Fakten statt Baustoff-Pauschalurteile

Wien (OTS) - 

Die Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ) weist die im gestrigen ORF-Mittagsjournal geäußerte Kritik des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber an der Klimabilanz von Beton entschieden zurück: Sie greift zu kurz, verzerrt die Fakten und blendet den gesamten Lebenszyklus des Baustoffs aus – von der Herstellung über die jahrzehntelange Nutzung bis zu Rückbau und Recycling bzw. Verwertung.
Zugleich verschweigt Schellnhuber einen zentralen Befund: Österreichs Wälder haben ihre Funktion als CO₂-Senke verloren. Wer Holz zum Klimaretter erklärt, darf die Entwicklung im heimischen Forstsektor nicht ausblenden.

Der CO₂-Fußabdruck moderner Stahlbetonkonstruktionen liegt in Österreich über den gesamten Lebenszyklus bei rund 0,09 Tonnen CO₂ je Tonne Beton – und damit bei weniger als einem Zehntel des im Interview genannten Wertes. Österreichische Hochbaubetone erreichen bereits heute eine Größenordnung, die mit jener moderner Holzbaustoffe vergleichbar ist.

Wer einzelne Emissionswerte isoliert herausgreift und Nutzung, Langlebigkeit, Wiederverwendung und Recycling ausblendet, verzerrt die Klimabilanz. Die Bauwende braucht wissenschaftlich fundierte, vergleichbare und technologieoffene Bewertungen – keine geschönten Ökobilanzen und keine faktenwidrigen Behauptungen“, sagt Sebastian Spaun, Geschäftsführer der VÖZ.

Holzspeicherung ist kein Freibrief für eine einseitige Klimabilanz

Auch die von Schellnhuber und Interessenvertretern der Holz- und Sägewerksindustrie ins Treffen geführte CO₂-Speicherung in Holzprodukten darf nicht isoliert bewertet werden. Ihre Wirkung ist zeitlich begrenzt und unmittelbar von Zustand, Wachstum und Bewirtschaftung der heimischen Wälder abhängig. „Die Argumentation von H.J. Schellnhuber ist unsachlich und blendet den Zustand der österreichischen Wälder konsequent aus, denn Österreich nutzt seine Wälder bereits dramatisch über die Grenzen der Nachhaltigkeit hinaus“, so der BOKU-Absolvent Spaun.

Österreich nutzt seine Wälder bereits über die Grenzen der Nachhaltigkeit hinaus

Nach den aktuellen Daten der Treibhausgasinventur des Umweltbundesamtes haben Österreichs Wälder ihre frühere Funktion als CO₂-Senke verloren. Während sie von 2016 bis 2018 jährlich durchschnittlich rund 4,8 Millionen Tonnen CO₂ aufnahmen, wurden sie 2023 und 2024 zu einer CO₂-Quelle von durchschnittlich knapp 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr. Der Landnutzungs- und Forstsektor verursacht damit mittlerweile zusätzliche Emissionen von rund 8 Millionen Tonnen CO₂.

Als Gründe nennt das Umweltbundesamt unter anderem hohe Holznutzungen und große Schadholzmengen infolge klimabedingter Waldschäden.

Wer die Speicherleistung von Holz hervorhebt, muss auch die Entwicklung der Wälder offenlegen. Die Daten zeigen klar: Österreichs Wälder erfüllen ihre frühere Klimaschutzfunktion nicht mehr, Österreich verliert damit auch sein wichtigstes Kühlaggregat. Diese Realität wird von Landwirtschaftsminister Totschnig und seinen Mitstreitern in der Debatte über nachhaltiges Bauen ausgeblendet“, so Spaun.

Österreich steuert im Forstsektor auf eine Klimaziel-Lücke zu

Die Entwicklung hat auch europarechtliche Folgen. Im Rahmen der EU-LULUCF-Verordnung hat sich Österreich verpflichtet, im Landnutzungs- und Forstsektor jährlich 4,66 Millionen Tonnen CO₂ zusätzlich zu binden. Auf Basis der aktuellen Inventurdaten droht eine deutliche Zielverfehlung. Die Konsequenz könnte teuer werden: Fehlende Emissionsminderungen müssten in anderen Sektoren erbracht oder durch den Ankauf von Zertifikaten ausgeglichen werden. Eine einseitige Baustoffdebatte löst dieses Problem nicht – sie lenkt davon ab.

Zementindustrie treibt klimaneutrale Produktion voran

Die österreichische Zementindustrie investiert konsequent in die klimaneutrale Produktion. Ihre Dekarbonisierungs-Roadmap verbindet Kreislaufwirtschaft, Energieeffizienz und CO₂-Abscheidung zu einem klaren Transformationspfad. Die Fortschritte sind messbar: Lokale Abfallströme liefern heute einen Großteil der Energie für die Klinkerproduktion, rund 90 Prozent der fossilen Brennstoffe wurden aus den Zementwerken verdrängt. Bereits ein Viertel der Rohstoffe stammt aus „Urban Mining“ – aus recyceltem Bauschutt und industriellen Nebenprodukten.

Die Branche hat Hunderte Millionen Euro in Dekarbonisierung und Energieeffizienz investiert und zählt international zu den emissionsärmsten Produzenten. Diesen Weg setzen wir entschlossen fort. Klimaschutz ist aber keine Einbahnstraße: Er muss in allen Sektoren gelten – auch in der Land- und Forstwirtschaft. Wer Klimaschutz ernst nimmt, darf Emissionen nicht beschönigen und Baustoffe nicht gegeneinander ausspielen. Österreich braucht ehrliche Gesamtbilanzen, Technologieoffenheit und die wirksamste Lösung für jedes Bauvorhaben“, so Sebastian Spaun, Geschäftsführer der VÖZ.

Rückfragen & Kontakt

Zement und Beton InformationsGmbH
Anja Gaugl
Telefon: +43 1 714 66 85-23
E-Mail: [email protected]

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