- 06.08.2026, 08:30:33
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Creditreform PRIVATINSOLVENZSTATISTIK 1. Halbjahr 2026: Privatinsolvenzen steigen (kurzfristig) wieder
42 Insolvenzen pro Werktag
Während sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich zuletzt leicht rückläufig entwickelte, setzte im Juni bei den Privatinsolvenzen ein Aufwärtstrend ein. Sowohl im Gesamtjahr 2025 als auch bis einschließlich Mai 2026 waren die Privatinsolvenzen bislang rückläufig. Im Juni 2026 stieg die Zahl er eröffneten Schuldenregulierungsverfahren erstmals an und zwar um 47,7%, im Juli sogar um 68,7%. Grund dafür war das Auslaufen des s.g. Tilgungsplanverfahrens (für Nicht-Unternehmer), das Schuldnern eine Restschuldbefreiung schon nach drei Jahren ermöglichte, eine Maßnahme, die unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie seinerzeit eingeführt und auf fünf Jahre befristet wurde.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden nun 5.092 Privatinsolvenzen registriert. Das entspricht einem Anstieg von 5,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich mussten damit pro Werktag rund 42 Privatpersonen ein Schuldenregulierungsverfahren beantragen.
„Der plötzliche Anstieg der Privatinsolvenzen ist nicht zwingend Ausdruck der finanziellen Belastung vieler Haushalte, sondern lässt sich mit dem Auslaufen der besonders einfachen und schnellen Entschuldungsmöglichkeit für Privatpersonen erklären. Es war die richtige Entscheidung der Bundesregierung, den dreijährigen Tilgungsplan für Nicht-Unternehmer auslaufen zu lassen, da dieser einseitig zu Lasten der ohnehin unter Druck stehenden (Gläubiger-)Unternehmen ging und deren Rückzahlungsquote massiv verschlechterte“
, erklärt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform.
Von den insgesamt 5.092 Verfahren entfielen 4.689 auf eröffnete Schuldenregulierungsverfahren. Gleichzeitig ging die Zahl der mangels Vermögens abgewiesenen Verfahren leicht auf 403 Fälle zurück. Damit gelangen mehr überschuldete Personen in ein geordnetes Insolvenzverfahren. Für Gläubiger bedeutet dies zwar einen geregelten rechtlichen Ablauf, wirtschaftlich bleiben Forderungsausfälle im hohen zweistelligen Prozentbereich jedoch vielfach unvermeidbar.
„Jede Privatinsolvenz bedeutet nicht nur die Chancen für einen Neustart des betroffenen Schuldners, sondern zugleich auch einen finanziellen Verlust für Gläubiger. Diese Verluste müssen letztlich von den Unternehmen und jenen redlich zahlenden, vertragstreuen Konsumenten getragen werden, die diesen Risikoaufschlag bezahlen.“
Wien und Kärnten gegen den Trend
Die Entwicklung der Privatinsolvenzen zeigt deutliche regionale Unterschiede. Mit 1.735 Verfahren entfällt weiterhin rund ein Drittel aller Privatinsolvenzen auf Wien. Dennoch war die Bundeshauptstadt eines von nur zwei Bundesländern mit rückläufigen Fallzahlen (-1,4%). Mit 13 Privatinsolvenzen je 10.000 Erwachsenen weist Wien jedoch weiterhin die höchste Insolvenzquote Österreichs auf.
Besonders stark nahmen die Privatinsolvenzen in jenen Bundesländern zu, die in den vergangenen Jahren vergleichsweise stabile Entwicklungen verzeichnet hatten:
· Burgenland: +15,9%
· Oberösterreich: +15,0%
· Niederösterreich: +11,3%
· Steiermark: +10,7%
· Vorarlberg: +9,8%
Leicht rückläufig entwickelte sich die Situation lediglich in Kärnten (-2,7%).
Wirtschaftliche Belastungen treffen auf rückläufige finanzielle Reserven
Die Ursachen der steigenden Privatinsolvenzen liegen in einer Kombination aus anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer oftmals unzureichenden finanziellen Vorsorge.
Die hohe Inflation der vergangenen Jahre, steigende Wohn- und Energiekosten sowie höhere Kredit- und Finanzierungskosten haben die finanziellen Spielräume vieler Haushalte deutlich eingeschränkt. Gleichzeitig wurden vorhandene Rücklagen vielfach aufgebraucht, das belegt auch die aktuell rückläufige Sparquote bei gleichbleibenden Konsumausgaben in Österreich. Kommen Einkommensausfälle, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder familiäre Veränderungen hinzu, steigt das Risiko einer Zahlungsunfähigkeit erheblich.
„Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erklären neben dem insolvenzrechtlichen Sondereffekt einen wesentlichen Teil der Entwicklung. Ebenso zeigt sich jedoch, wie wichtig finanzielle Eigenverantwortung, realistische Haushaltsplanung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Kreditverpflichtungen sind“
, so Weinhofer.
Finanzbildung und Eigenverantwortung bleiben entscheidend
Die aktuelle Entwicklung unterstreicht die Bedeutung finanzieller Grundbildung sowie eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Krediten und laufenden Zahlungsverpflichtungen.
Je früher finanzielle Schwierigkeiten erkannt und geeignete Maßnahmen gesetzt werden, desto größer sind die Chancen, eine nachhaltige Überschuldung und damit verbundene wirtschaftliche Schäden für alle Beteiligten zu vermeiden. Die anerkannten Schuldnerberatungen leisten hier eine wertvolle, gesellschaftlich wichtige Arbeit in der Beratung und Prävention.
„Überschuldungsprävention beginnt lange vor einer Insolvenz. Finanzielle Bildung, realistische Budgetplanung und verantwortungsvolle Kreditentscheidungen sind die wirksamsten Instrumente, um Zahlungsausfälle und Insolvenzen nachhaltig zu reduzieren,“
so Weinhofer.
Ausblick
Für das zweite Halbjahr 2026 rechnet Creditreform mit einer stabilen Seitwärtsbewegung.
Zwar hat sich die Inflation gegenüber den Höchstständen der vergangenen Jahre abgeschwächt, viele Haushalte stehen jedoch weiterhin unter finanziellem Druck. Die Arbeitslosigkeit steigt.
Für Unternehmen bedeutet dies ein weiterhin hohes Ausfallsrisiko im Privatkundengeschäft sowie steigende Anforderungen an Bonitätsprüfung, Kreditmanagement und Forderungseinbringung.
„Während viele Unternehmen ihre Prozesse und Risikomanagementsysteme an das schwierige wirtschaftliche Umfeld angepasst haben, bleibt die finanzielle Situation zahlreicher Privathaushalte angespannt. Für das Gesamtjahr 2026 erwarten wir daher ein Einpendeln auf dem Vorjahresniveau bei rund 9.500 Privatinsolvenzen,“
fasst Weinhofer zusammen.
Rückfragen & Kontakt
Österreichischer Verband Creditreform
Mag. Gerhard M. Weinhofer
Telefon: +43-1-2186220-551
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.creditreform.at
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