• 05.08.2026, 09:30:03
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Coole G'schicht: 20 Jahre Fernkälte in Wien

Bisher werden 300 Gebäude versorgt und die Leistung soll kräftig steigen – Wien Energie investiert bis 2030 100 Millionen Euro in den Ausbau des Systems

Wien (OTS) - 

Vor 20 Jahren hat Wien Energie den Grundstein für die Wiener Fernkälte gelegt. Im Jahr 2006 wurde der erste Liefervertrag geschlossen, 2007 ging in TownTown, Erdberg, die erste Fernkältezentrale in Betrieb. Bald darauf folgten weitere Fernkältezentralen in der Spittelau und am Schottenring, wo Wien Energie erstmals auch den Donaukanal zur Rückkühlung genutzt hat. Inzwischen hat das einstige Nischenthema rapide an Bedeutung gewonnen. Mittlerweile betreibt Wien Energie 25 Kältezentralen und versorgt über 300 Gebäude über ein immer weiter zusammenwachsendes Netz.

So werden unter anderem das AKH, das Wiener Rathaus, die Universität Wien, das Naturhistorische Museum, das Musicaltheater Ronacher, das Hotel Sacher oder auch das Café Central mit Fernkälte versorgt. Auch Wohngebäude wurden bereits an das Fernkältenetz angeschlossen, etwa im Althan Park und im Nordbahnviertel. Mit dem Ringschluss des 4,7 Kilometer langen Fernkälterings wurde im Jahr 2024 ein Meilenstein für die flächendeckende Versorgung der Innenstadt erreicht. Die Bedeutung einer nachhaltigen flächendeckenden Kühlung wird gerade in einer Großstadt und durch die zunehmenden Hitzetage immer größer.

„An Hitzetagen, wie wir sie jetzt erleben, steigt der Fernkälte-Bedarf um bis zu 60%. Die Stadt Wien und Wien Energie arbeiten laufend daran die Nachfrage zu decken und auszubauen. Mit einem Fernkältenetz von rund 33 Kilometer hat Wien rund drei Viertel des österreichweiten Fernkältenetzes. Zusätzlich ist die Stadt mit Wiens größtem Eiswürfel für Hitzespitzen gut gerüstet. Dieser XXL-Eisspeicher am MedUni Campus in der Mariannengasse sichert die Versorgung an besonders heißen Tagen“, sagt Ulli Sima, Stadträtin für Stadtentwicklung, Mobilität und Wiener Stadtwerke.

Wien Energie baut die Fernkälte laufend aus, bis 2030 investiert der größte regionale Energieanbieter dafür 100 Millionen Euro. Die Kälte-Leistung soll bis dahin von 250 auf 370 Megawatt steigen.

„Ein modernes Energiesystem muss Strom, Wärme und zunehmend auch Kälte gemeinsam denken. Die Fernkälte ist dafür ein Paradebeispiel: Sie nutzt vorhandene Ressourcen wie Abwärme oder die natürliche Kühlleistung des Donaukanals und macht Energie mehrfach nutzbar“, sagt Peter Weinelt, Generaldirektor der Wiener Stadtwerke. „Verantwortung zu übernehmen bedeutet für die Wiener Stadtwerke, langfristig zu denken und entschlossen in die Lebensqualität der Menschen heute und künftiger Generationen zu investieren.“

Kühlung wird immer wichtiger

Mit den immer extremeren Wetterbedingungen steigt die Hitzebelastung, insbesondere in den dicht verbauten Gebieten der Stadt. Im bisherigen Rekordsommer 2024 gab es in der Wiener Innenstadt mehr als 50 Tropennächte. Auch der Sommer 2025 war einer der zehn heißesten der Messgeschichte. Ende Juni des laufenden Jahres wurde in Wien erstmals eine Temperatur von 40 Grad gemessen und auch in der aktuellen Hitzewelle steigen die Temperaturen in Höhen jenseits der 35 Grad Celsius. Kühlung wird angesichts solcher Umstände zunehmend nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der Gesundheit. Dementsprechend steigt der Kühlbedarf. Erreicht die Temperatur während Hitzewellen 35 Grad, steigt der Fernkälte-Bedarf im Vergleich zu einem Sommertag mit 25 Grad um 60 Prozent. Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat hat sich die von den EU-Haushalten zum Kühlen eingesetzte Energie von 2018 bis 2024 verdoppelt.

„Mit der Fernkälte zeigen wir, wie aus einer innovativen Idee ein wichtiges Stück Infrastruktur für eine wachsende Stadt werden kann. Gerade während Hitzewellen wie der aktuellen ist eine effiziente und klimafreundliche Kälteversorgung von besonderer Bedeutung. Egal ob Kliniken, Museen, Bürogebäude oder Kinos: Die Wiener*innen profitieren mittlerweile in über 300 Gebäuden von der Fernkälte und wir sind noch lange nicht am Ziel“, sagt Sascha Zabransky, Geschäftsführer von Wien Energie. „Mit jeder neuen Kältezentrale wird unsere Fernkälte stärker und mit jeder neuen Leitung wächst unser Netz ein Stück weiter.“

Fernkälte von Wien Energie

Fernkälte wird in Form von kaltem Wasser in sogenannten Kältezentralen produziert und über ein unterirdisches Leitungsnetz zu den Kund*innen transportiert. Dort nimmt es die überflüssige Wärme aus den Gebäuden auf und transportiert sie zurück zu den Kältezentralen, wo es erneut abgekühlt wird. Dieses System hat gegenüber konventionellen Klimaanlagen mehrere Vorteile. Da die Abwärme nicht an die direkte Umgebungsluft abgegeben wird, heizen mit Fernkälte versorgte Gebäude die umliegende Stadt nicht weiter auf. Mit den Rückkühlern entfällt zudem ein gewisser Geräuschpegel, Dachflächen können anders genutzt werden und es gibt auch keine Konflikte mit dem Denkmalschutz.

Zur Gewinnung von Fernkälte setzt Wien Energie Ökostrom und Abwärme ein. Diese steht in Wien durch die Müllverbrennung auch im Sommer zur Verfügung, wenn weniger Leistung für die Fernwärme gebraucht wird. Wo das möglich ist, nutzt Wien Energie auch den Donaukanal für die Fernkälte. Über Wärmetauscher gibt das Fernkälte-Wasser die Wärmeenergie an das Wasser des Donaukanals ab. Im Winter, wenn die Wassertemperaturen im einstelligen Bereich sind und der Kältebedarf niedrig ist, reicht diese natürliche (Rück-)Kühlung phasenweise sogar aus.

Im Sommer 2025 hat Wien Energie in der neuen Fernkältezentrale MedUni Campus erstmals einen sogenannten Eisspeicher in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich, vereinfacht gesagt, um einen isolierten Container voll Wasser. Über mit Kühlmittel gefüllte Schläuche wird dieses Wasser zum mutmaßlich größten Eiswürfel der Stadt gefroren. Die so gespeicherte Kälte kann genutzt werden, um Verbrauchsspitzen zu den Mittagsstunden abzudecken und so einen effizienteren Betrieb der Kältemaschinen ermöglichen.

Eckdaten Fernkälte Wien

  • Netzlänge Wiener-Fernkälte: 33 Kilometer

  • Versorgte Gebäude: Etwa 300

  • Kältezentralen: 8 mit Netzanschluss, 17 lokale ohne Netzanschluss

  • Wiener Fernkälte-Leistung 2026: 250 Megawatt

  • Wiener Fernkälte-Leistung 2030: 370 Megawatt

Bild- und Videomaterial: https://wienenergie.at/media-46

Rückfragen & Kontakt

Mag. Martin Meyrath
Pressesprecher Wien Energie
Telefon: 0664 884 813 03
E-Mail: [email protected]

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