• 03.08.2026, 10:00:33
  • /
  • OTS0037

Armutskonferenz: Soziale Fragen in Hitzeplänen stärker berücksichtigen!

Armut: doppeltes Hitzetod Risiko / Gerechtes Budget, guter Wohnbau, Hitze-Nachbarschaften, Schulen, Krankenhäuser & Pflegeheime kühlen

Wien (OTS) - 

„Mit sozialen Belastungen gibt es 180.000 temperaturbedingte Tote mehr, und etwa 160.000 zusätzlich bei schwerer materieller und sozialer Deprivation“, zitiert die Armutskonferenz eine aktuelle europaweite Erhebung.* Soziale Ungleichheit wirkt auf Bevölkerungsebene als eigenständiger Risikofaktor für hitzebedingte Todesfälle. Die Studie vergleicht zwei Szenarien miteinander: eines, in dem alle Regionen über die günstigsten sozioökonomischen Bedingungen verfügen, und eines, in dem die Bevölkerung Armut und sozialen Belastungen ausgesetzt ist. Grundlage der Untersuchung sind tägliche Sterblichkeitsdaten aus 32 europäischen Ländern. Insgesamt werteten die Forschenden Daten zu mehr als 161 Millionen Todesfällen aus.

Risken nicht für alle gleich

„Soziale Fragen müssen in Hitzeplänen noch stärker berücksichtigt werden“, fordert das Netzwerk Armutskonferenz Ministerien und lokale Behörden auf. “Armut selbst erzeugt ein doppelt so hohes Hitzetod-Risiko. In der Hitzewelle sterben Menschen, besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Personen, kranke Kinder und Patienten mit Herz-Kreislaufproblemen – und da Haushalte in Vierteln mit geringem Einkommen.“ In Österreich verzeichnen wir zwischen 500 und 1000 Hitzetote im Jahr. Die Zahl wird voraussichtlich dieses Jahr steigen. “Die Risken sind nicht für alle gleich”, so Sozialexperte Martin Schenk. Dabei versterben die wenigsten Menschen direkt an einem Hitzschlag. Meist sind die hohen Temperaturen ein erschwerender Faktor, der insbesondere für besonders verletzliche Gruppen mit Vorerkrankungen gefährlich wird.

Hitze-Nachbarschaft gegen Einsamkeit

“Bei den an Hitze Verstorbenen wissen wir”, so Schenk, “dass viele der Betroffenen einsam und isoliert waren, es niemand gab, der mal vorbeischaute und fragte, wie es geht.” Hier könnten wir in Grätzl-Teams investieren. Um eine Nachbarschaft in Schwung zu bringen, braucht es Personen, die das anstoßen, koordinieren und am Laufen halten. Solche Grätzl-Teams müssen finanziert sein, damit die Community-Arbeit wirkt.

Gerechtes Budget: Kleine Haushaltseinkommen entlasten

Im aktuellen Budget ist darauf zu achten, kleine Haushaltseinkommen nicht noch weiter zu belasten. Besonders die Kürzungen in den Bundesländern bei Unterstützungsleistungen und Sozialhilfen bedrohen einkommensschwache Haushalte. Verschlechterungen im Sozialen schlagen sich direkt in teuren Folgekosten nieder. Das Fehlen dieser Angebote wird Folgekosten erzeugen, die alles andere als billig sind: weniger Krisenintervention, weniger Integration, weniger Wohnsicherung, weniger Jugendausbildung, weniger Gesundheitsprävention. Die Folgekosten, die bei Delogierung, Obdachlosigkeit, Kinder- und Jugendhilfe, Krankheit, Schuldenberatungen etc. aufschlagen, werden unterschätzt.

Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime kühlen

Kinder, Kranke, Ältere und Pflegebedürftige sind besonders von den gesundheitlichen Folgen der Hitze gefährdet. Wir brauchen einen Plan, um Schulen, Krankenhäuser und Pflegeheime im heißen Sommer zu kühlen. Das ist eine gute und sinnvolle Präventionsmaßnahme, die neben der Gesundheit auch besseres Lernen und mehr Sicherheit im Alter bringt.

Städtische Hitzespots reduzieren

"Besonders zu bekämpfen sind die städtischen Hitzespots“, regt die Armutskonferenz vorbeugende Maßnahmen an. In ländlichen Gebieten wirken Bäume und andere Pflanzen, aber auch Oberflächenwasser wie natürliche Klimaanlagen. Sie kühlen die Umgebung in erster Linie durch die Verdunstung von Wasser. In den städtischen Zentren verhindert die bebaute Fläche diese Hitzeregulierung. Regenwasser wird unterirdisch abgeleitet, der Beton und Asphalt macht Verdunstung unmöglich, heizt sich besonders gut auf und strahlt diese Hitze wieder ab. Auch die stark erhöhte Oberfläche durch die Gebäude und das Vermindern der Luftzirkulation tragen zur Hitze bei. Dazu kommen künstliche Wärmequellen wie Autos, Industrie oder Abwärme von Klimaanlagen. So kann es in Städten zu bis zu 12 Grad höheren Temperaturen als in der Umgebung kommen.

Wasser, Grünraum, Öffentlicher Verkehr, Wohnbau

Grünraum und Wasser in der Stadt verbessert das Klima im Grätzel, zeigt gesundheitlich positive Auswirkungen, bietet Bewegungsraum für Jung und Alt, begünstigt als Sozialraum das Gespräch und die Begegnung. Wichtige Schritte sind strategische Maßnahmen auf der Ebene von Flächenwidmungen, Raumplanung und Wohnbau. Die Anlage von Straßenbegleitgrün, grüne Wandelemente, Fassaden- und Dachbegrünung, Entsiegelung und Regenwassermanagement oder auch die Freilegung von verrohrten Gewässern. Weiters ist der Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel hilfreich Hitzespots zu verringern. Baulich sind Maßnahmen notwendig wie zum Beispiel Außenjalousien montieren, Wärmedämmungen anbringen, Fassaden- und Hofbegrünung, so das Netzwerk Armutskonferenz abschließend.

Service

* Paniello-Castillo, B., Chen, Z. Y., Shartova, N., Méndez Turrubiates, R. F., Beltrán, N., Peyrusse, F. et al. (2026). Socioeconomic inequality drivers of vulnerability and burden to heat- and cold-related mortality: a European-wide analysis in 654 contiguous regions. Nature Health. https://doi.org/10.1038/s44360-026-00106-0

Hitzemortalitätsmonitoring Österreich: https://www.ages.at

Paris: Heat exposure and socio-economic vulnerability as synergistic factors in heat-wave-related mortality: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19642001/

The impact of heat waves on daily mortality in districts in Madrid: The effect of sociodemographic factors: https://www.sciencedirect.com

Poverty More than Doubles Your Likelihood of Dying from Heat: https://thetyee.ca

Wabnitz, K. J. P. et al. (2026). Heat, health and inequalities in the WHO European Region: a scoping review with an intersectional lens. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12955224

Wu, X. et al. (2025). Future heat-related mortality in Europe driven by compound day–night heat. Nature Communications. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12339726

Rückfragen & Kontakt

Die Armutskonferenz.
www.armutskonferenz.at
01/4026944 oder 0664/5445554

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | ARM

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel