- 29.07.2026, 13:50:32
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Aktuelle Ärztestatistik: Trends, die in der Gesundheitspolitik bedacht werden sollten
Die Österreichische Ärztekammer präsentierte in einer heutigen PK die Auswertung der neuesten Ärztezahlen.
Mehr Ärztinnen, besonders im Wahlarztbereich, weniger Ärztinnen und Ärzte im mittleren Alter im angestellten Bereich und ein hoher Altersgipfel im niedergelassenen Bereich: Das sind einige Ergebnisse aus der aktuellen Ärztestatistik. In einer Pressekonferenz der ÖÄK gaben Kammeramtsdirektor Lukas Stärker und ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart Einblick in die Zusammensetzung der österreichischen Ärzteschaft.
Frauenanteil im Steigen
Die gesamte Ärzteschaft umfasste zum 31.12.2025 eine Kopfzahl von 53.353 Ärztinnen und Ärzte. Von diesen sind 50,4 Prozent Frauen: Am höchsten sind die Frauenanteile in der Allgemeinmedizin mit 60,3 Prozent und unter den Turnusärzten mit 57,9 Prozent. Unter den Fachärzten sind 43 Prozent Frauen. „Auch im Vergleich der Tätigkeitsstrukturen zum Stand 2015 zeigt sich, dass Frauen mittlerweile in allen Bereichen stärker vertreten sind“, resümierte Stärker. Zwar seien immer noch mehr Ärztinnen als Ärzte ausschließlich angestellt tätig, Frauen würden aber auch im niedergelassenen Sektor sichtbarer: „Der prozentuale Anteil der Männer in Wahlarztbereich verändert sich kaum und die Ärztinnen holen hier deutlich auf“, sagte Stärker.
Altersgipfel bei 63 Jahren
Auch die Alterszusammensetzung habe sich im Laufe der Zeit deutlich verändert. Per 31.12.2025 waren 32,7 Prozent der Gesamtärzteschaft über 55 Jahre alt. Diese erreichen in den nächsten zehn Jahren das Regelpensionsalter oder werden es überschreiten. Besonders auffällig sei hier der niedergelassene Sektor (und damit die wohnortnächste Patientenversorgung), der seinen Altersgipfel bei 63 Jahren hat. Insgesamt werden 18.346 Ärztinnen und Ärzten in den nächsten zehn Jahren das Pensionsalter von 65 Jahren erreichen bzw. überschreiten. „Dank der Anpassung des Regelpensionsalters für Frauen hat sich die Situation zwar etwas entschärft, dennoch ergibt sich ein jährlicher Nachbesetzungsbedarf von 1.836 Ärzten pro Jahr, allein um eine Aufrechterhaltung des Status-quo der Kopfzahl zu gewährleisten“, resümierte Stärker.
Unterschiedliche Daten zur Ärztedichte
„Die immer wieder angeführte OECD-Darstellung zur hohen Ärztedichte muss in den richtigen Kontext gesetzt werden“, stellte Stärker zudem klar. Man könne keine Äpfel mit Birnen vergleichen – und auch trotz dieses illegitimen Vergleichs lande Österreich anders als in den vergangenen Jahren mit einem aktuellen Wert von 5,64 Ärzten (Kopfzahl) je 1.000 Einwohner auf Platz 3 der Vergleichsländer hinter Griechenland und Italien. Die zugrundeliegenden Datendefinitionen der Länder weisen zum Teil große Unterschiede hinsichtlich der betrachteten Datenmenge auf. So zählt das Vereinigte Königreich Ärzte außerhalb des National Health Service nur teilweise, Tschechien keine Privatärzte, oder Belgien nur Ärzte ab einer bestimmten Mindestanzahl an Patienten. Auch Ärzte in Ausbildung sind oftmals teilweise oder ganz exkludiert, genauso Ärzte, die außerhalb der klinischen Praxis (z.B. Forschung, Labor, Arbeitsmedizin) tätig sind. „Die aktuellen Auswertungen der Ärztestatistik geben einen guten Einblick über die Struktur in der ärztlichen Versorgung“, sagte ÖÄK-Präsident Johannes Steinhart. Grundsätzlich habe Österreich zahlenmäßig genügend Ärztinnen und Ärzte, um die Gesundheitsversorgung abzusichern: „Es gibt also keinen Ärztemangel an sich, sondern einen deutlichen Mangel im öffentlichen System, sei es im Kassenbereich oder in den Krankenhäusern“, führte er aus.
Teilzeitkassenstellen fördern, Facharztzentren in ärztlicher Hand
Die Kopfzahlen müssten zudem höher angesetzt werden, um den Status Quo angesichts des Trends zu Teilzeit aufrecht erhalten zu können. Es sei erfreulich, dass im Rahmen der Gesundheitsreform auch Teilkassenstellen ein Thema sind: „Jede Ärztin und jeder Arzt mit einem Kassenvertrag ist ein Gewinn für das Gesundheitssystem – unabhängig von den geleisteten Arbeitsstunden“, führte Steinhart aus: „Wer mehr in Teams arbeiten möchte, soll das auch unkompliziert dürfen – umgekehrt dürfen aber Einzelordinationen nicht vernachlässigt werden, denn sie sind eine tragende Säule der niedergelassenen Versorgung“, sagte er. In Bezug auf die Facharztzentren müsse eines klar sein: „Diese Facharztzentren müssen unbedingt – genauso wie Primärversorgungseinheiten – in ärztlicher Hand bleiben, um nicht die Türen für private Investoren zu öffnen“, betonte der ÖÄK-Präsident.
Wahlärzte für Sozialversicherung kostengünstiger
Mit Blick in die Zukunft sollte daher das öffentliche Gesundheitssystem ausgebaut werden. „Definitiv keine Lösung ist, dass das sehr gut funktionierende Wahlarztsystem von manchen Politikern und Kassenvertretern schlecht geredet und behindert wird“, sagte Steinhart. Das rasch wachsende Wahlarztsystem sei ja unter anderem eine Reaktion darauf, dass das Kassensystem strauchelt und Versorgungslücken größer werden. Hier müsse die Ursache behandelt werden, nicht die Folge: „Man darf auch nicht übersehen, dass von Wahlärztinnen und Wahlärzten erbrachte Leistungen für die Sozialversicherungen besonders kostengünstig sind, denn sie bezahlen maximal 80 Prozent der Kassentarife“, führte er aus. Das sei für die Sozialversicherung günstiger als der Ausbau von Kassenstellen: „Ohne Wahlärztinnen und Wahlärzte, die die Probleme im kassenärztlichen Bereich bis zu einem gewissen Grad auffangen, hätte die Sozialversicherung viel größere Probleme“, betonte der ÖÄK-Präsident. Zudem zeige die Ärztestatistik, dass sich im zeitlichen Verlauf viele Ärztinnen für eine Wahlarztordination entscheiden. „Wahlärztinnen sind wesentlich freier in der Zeiteinteilung und können Beruf und Familie viel besser vereinbaren“, stellte Steinhart klar. Der aktuelle Trend in der Ärztestatistik zeige deutlich: „Wenn die Sozialversicherung die Arbeitsbedingungen nicht verbessert, wird sich diese Tendenz weiter verstärken“, sagte Steinhart.
Fokus auf Ausbildung
Zudem benötige es eine EU-weite Quote von Mindeststudienplätzen, um Sogwirkungen zwischen den Ländern zu minimieren, führte der ÖÄK-Präsident aus. In Österreich sollten Absolventinnen und Absolventen des Medizinstudiums sofort nach Abschluss des Studiums Ausbildungsstellen angeboten werden: „Junge Ärztinnen und Ärzte brauchen konkrete Perspektiven, sie dürfen nicht, wie es gegenwärtig vielfach der Fall ist, zum Teil jahrelang auf eine Ausbildungsstelle warten müssen“, betonte Steinhart. Es liege in der Verantwortung und in der Hand der Spitäler, wie viele Ärztinnen und Ärzte in Basisausbildung aufgenommen werden. Unentbehrlich für die Ausbildung seien die erfahrenen Ärztinnen und Ärzte - zudem würden niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die bis 70 ihre Kassenordination weiterführen, den Mangel an besetzten Kassenstellen kompensieren.
SERVICE: Die gesamte Ärztestatistik wird hier publiziert: https://www.aerztekammer.at/daten-fakten
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