• 27.07.2026, 10:05:02
  • /
  • OTS0034

PVÖ-Gerstorfer: Am gesetzlichen Pensionsantrittsalter darf nicht gerüttelt werden

Nicht das Pensionssystem ist das Problem, sondern die mangelnden Chancen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt

Wien (OTS) - 

Der Pensionistenverband Österreichs (PVÖ) spricht sich entschieden gegen jede Anhebung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters und gegen eine Koppelung des Pensionsalters an die steigende Lebenserwartung oder die Erwerbsjahre aus. „Länger zu leben bedeutet nicht automatisch, auch länger gesund und voll belastbar arbeiten zu können. Das Pensionsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, wäre sozial ungerecht und würde die Realität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer völlig ausblenden“, stellt PVÖ-Präsidentin Birgit Gerstorfer klar. ****

Besonders deutlich zeigt sich das Problem am Arbeitsmarkt: Laut Arbeitsmarktservice waren im Juni 2026 rund 120.000 Menschen ab 50 Jahren arbeitslos oder in Schulung. Damit gehört mehr als ein Drittel aller beim AMS vorgemerkten Personen zur Altersgruppe 50+. Besonders alarmierend ist die Situation älterer Frauen, deren Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich gestiegen ist und die nach einem Arbeitsplatzverlust oft besonders lange ohne Beschäftigung bleiben.

Über 50 kaum mehr Chancen am Arbeitsmarkt

„Wer über 50 Jahre alt ist und den Arbeitsplatz verliert, hat häufig nur mehr geringe Chancen auf eine neue Beschäftigung. Gerade Frauen sind mehrfach benachteiligt – durch unterbrochene Erwerbsbiografien, Teilzeitbeschäftigung und die Übernahme von Kinderbetreuung und Pflegearbeit“, so Gerstorfer. Gleichzeitig zeigt die Beschäftigungsstruktur in den Betrieben, dass ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dort noch immer unterrepräsentiert sind. Nach Daten der Statistik Austria lag die Beschäftigungsquote der 55- bis 64-Jährigen zuletzt zwar bei rund 60 Prozent, doch das bedeutet im Umkehrschluss auch, dass vier von zehn Menschen dieser Altersgruppe nicht mehr in Beschäftigung stehen. Besonders bei Frauen liegt die Erwerbsbeteiligung weiterhin deutlich unter jener der Männer. „Bevor über ein höheres Pensionsantrittsalter diskutiert wird, muss endlich dafür gesorgt werden, dass ältere Menschen überhaupt bis zur Pension in Beschäftigung bleiben können. Nicht das Pensionssystem ist das Problem, sondern die mangelnden Chancen älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt“, betont Gerstorfer.

Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen

Der PVÖ fordert daher einen grundlegenden Kurswechsel in der Arbeitsmarktpolitik und nimmt auch die Unternehmen stärker in die Pflicht. Viele Betriebe investieren noch immer zu wenig in altersgerechte Arbeitsplätze, Weiterbildung und Gesundheitsförderung älterer Beschäftigter. „Es kann nicht sein, dass Menschen mit jahrzehntelanger Berufserfahrung aus dem Erwerbsleben gedrängt werden und man ihnen anschließend vorwirft, zu früh in Pension zu gehen“, so Gerstorfer.

Für den PVÖ steht daher fest:

  • Keine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsantrittsalters.
  • Keine automatische Koppelung des Pensionsalters an die steigende Lebenserwartung.
  • Keine automatische Koppelung des Pensionsantritts an die Zahl der Erwerbsjahre.
  • Altersgerechte Arbeitsplätze und gesundes Arbeiten bis zur Pension.
  • Wirksame Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung bei Einstellung und Beschäftigung.
  • Bessere Chancen für ältere Arbeitssuchende – insbesondere für Frauen.
  • Verbindliche Verantwortung der Betriebe für die Beschäftigung älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
  • Bonus-Malus-System für Betriebe.
  • Ausbau von Qualifizierungs- und Weiterbildungsangeboten über das gesamte Erwerbsleben hinweg.

Besonders kritisch sieht der PVÖ Vorschläge, den Pensionsantritt künftig an die Zahl der Erwerbsjahre zu koppeln. „Ein solches Modell würde neue Ungerechtigkeiten schaffen. Menschen mit längeren Ausbildungszeiten – etwa Akademikerinnen und Akademiker – würden benachteiligt. Noch stärker betroffen wären Frauen, die wegen Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen Erwerbsunterbrechungen hatten. Wer gesellschaftlich unverzichtbare Arbeit geleistet hat, darf dafür im Alter nicht bestraft werden“, erklärt Gerstorfer.

Vertrauen in Pensionssystem muss gestärkt werden

Für den Pensionistenverband ist zudem entscheidend, das Vertrauen der Menschen in das öffentliche Pensionssystem zu stärken. „Die Menschen brauchen Verlässlichkeit. Wer jahrzehntelang arbeitet und Beiträge leistet, muss sich darauf verlassen können, dass die vereinbarten Regeln gelten. Das gesetzliche Pensionsantrittsalter darf daher nicht ständig infrage gestellt oder verändert werden.“ Ebenso unverzichtbar sei der volle Erhalt der Kaufkraft der Pensionen. „Die Pension ist kein Almosen, sondern eine erarbeitete Leistung. Deshalb muss die Teuerung auch künftig voll abgegolten werden. Gerade in Zeiten hoher Lebenshaltungskosten brauchen Pensionistinnen und Pensionisten Sicherheit statt Unsicherheit.“

Keine Experimente auf Kosten der Menschen

„Das österreichische Pensionssystem hat sich bewährt. Es braucht keine Verunsicherungen und Experimente, sondern eine Arbeitsmarktpolitik, die ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterstützt, Betriebe stärker in die Verantwortung nimmt und allen ein würdevolles Leben im Alter ermöglicht“, so Gerstorfer abschließend.

Rückfragen & Kontakt

Pensionistenverband Österreichs
Mag. Susanne Ellmer-Vockenhuber, Bakk.
E-Mail: [email protected]
Website: https://pvoe.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PVO

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel