• 23.07.2026, 11:28:33
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Wetterextreme und Kostendruck: Familienbetriebe brauchen eine starke flächenbezogene GAP

Wien (OTS) - 

Angesichts von Ernteausfällen infolge sich rasant verändernder Klimabedingungen, historisch niedriger Erzeugerpreise sowie einer grundlegenden Umstrukturierung der GAP und drohender Kürzungen fordern die Land&Forst Betriebe eine Agrarpolitik, die produzierende Haupterwerbsbetriebe stärkt und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichert. Denn die aktuellen Entwicklungen gefährden zunehmend die Versorgungssicherheit und Arbeitsplätze im ländlichen Raum.

Mit einem Niederschlagsdefizit von teils über 50 Prozent in manchen Regionen gegenüber den Vorjahren bereitet die anhaltende Trockenheit der Land- und Forstwirtschaft große Sorgen. Besonders dramatisch stellt sich die Situation derzeit in der Landwirtschaft dar. Die ersten Ergebnisse der Getreideernte zeigen Ertragseinbußen von bis zu einem Drittel gegenüber dem mehrjährigen Durchschnitt; in einzelnen Betrieben schrumpfen sie auf die Hälfte. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass auch die Herbstkulturen von massiven Ernteausfällen betroffen sein werden, da ausgiebige, flächendeckende Niederschläge weiterhin nicht in Sicht sind. „Wie aus aktuellen Meldungen zu hören ist, werden diese Klimaextreme zukünftig immer häufiger werden und damit auch die Missernten. Damit geht den produzierenden Haupterwerbsbetrieben nicht nur das Wasser aus, sondern auch zunehmend die Luft zum Atmen. Kostendruck, sinkende Erzeugerpreise und eine zunehmende Bürokratie verschärfen die Belastung auf den Betrieben zusätzlich.“, beschreibt Land&Forst Betriebe Niederösterreich-Obmann, Markus Hoyos, die aktuelle Situation auf den Höfen.

All dies geschieht vor dem Hintergrund der aktuellen Verhandlungen rund um den Mehrjährigen Finanzrahmen und die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) ab 2028, in deren Zusammenhang mit Degression und Capping neuerliche Kürzungen nicht ausgeschlossen werden können. Damit sieht die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe nicht nur im Hinblick auf die Ernteprognosen vor dem Hintergrund der Klimaveränderungen düster aus. Insgesamt droht eine massive Schwächung der produzierenden und leistungsstarken Haupterwerbsbetrieben, die wesentlich zur Versorgungssicherheit beitragen. Hier keine Kurskorrektur einzuleiten, wäre fahrlässig von den entsprechenden Entscheidungsträgern“, so Hoyos.

Eine starke GAP sichert Versorgung und Arbeitsplätze

Die Gemeinsame Agrarpolitik ist kein bloßer Budgetposten, sondern ein strategisches Instrument zur Sicherung der Lebensmittelproduktion und zur Stärkung des ländlichen Raums. Dafür braucht es ein eigenständiges, verlässlich dotiertes GAP-Budget, das leistungsfähige Betriebe stärkt, anstatt sie strukturell zu benachteiligen. Wer Versorgungssicherheit will, muss jene stärken, die sie täglich gewährleisten“, betont Konrad Mylius, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich.

Welche konkreten Folgen Kürzungen wie Degression und Capping für die Betriebsstruktur hätten, zeigt sich insbesondere bei den produzierenden Haupterwerbsbetrieben. Für die Land&Forst Betriebe ist daher eine starke, flächenbezogene Ausgestaltung der GAP unter Anrechnung der Lohnkosten unverzichtbar. „Jede landwirtschaftlich genutzte Fläche muss gleich viel wert sein. Degression und Capping würden gerade jene leistungsfähigen Haupterwerbsbetriebe schwächen, die wesentlich zur Versorgungssicherheit beitragen und Arbeitsplätze im ländlichen Raum sichern“, stellt Mylius klar.

Klimaanpassung braucht rasche Umsetzung

Die Auswirkungen zunehmender Trockenperioden nehmen von Jahr zu Jahr zu. Deshalb braucht es konsequente Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel. Dazu zählt insbesondere, dass Infrastrukturprojekte wie beispielsweise „Donauwasser ins Weinviertel“, rasch und ambitioniert umgesetzt werden müssen, um die Kornkammer Österreichs widerstandsfähiger gegenüber den veränderten Klimabedingungen zu machen. Zudem müssen für alle von Trockenheit betroffenen Regionen die erforderlichen infrastrukturellen Rahmenbedingungen geschaffen sowie die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt werden.

Ebenso unverzichtbar sind Maßnahmen zum Schutz der europäischen Agrarmärkte, gleichen Wettbewerbsbedingungen innerhalb Europas, bessere Erzeugerpreise sowie ein fairer Anteil der landwirtschaftlichen Betriebe an der Wertschöpfungskette.

„Es kann nicht sein, dass der Landwirt für seine Urprodukte in 1-Kilogramm-Laib Brot lediglich 20 Cent erhält. Das entspricht gerade einmal rund sechs Prozent des Verkaufspreises“, verdeutlicht der niederösterreichische Landesverbandsobmann Hoyos die belastende Situation und warnt: „Mit einer derartigen Preisgestaltung wird die langfristige Versorgungssicherheit mit hochwertigen heimischen Lebensmitteln auf das Spiel gesetzt. Hier hat auch der Lebensmitteleinzelhandel eine Verantwortung, die er nicht von sich wegschieben kann.“

Wettbewerbsfähigkeit braucht gleiche Spielregeln

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft. Importwaren müssen denselben Klima-, Umwelt- und Produktionsstandards unterliegen wie heimische Produkte. Diese Vorgaben müssen künftig in sämtlichen Handelsabkommen konsequent verankert werden. Wer eine starke Europäische Union will, muss auch eine starke Gemeinsame Agrarpolitik unterstützen.

Die Landwirtschaft steht am Kipppunkt

Wir stehen heuer vor einer noch nie dagewesenen Situation: Die Existenz der Landwirtschaft steht am Kipppunkt. Massive Ernteausfälle treffen auf historisch niedrige Erzeugerpreise, hohe Steuer- und Abgabenbelastungen, steigende Betriebsmittelkosten sowie eine ausufernde Bürokratie. Diese Kombination gefährdet nicht nur die wirtschaftliche Existenz vieler Betriebe, sondern auch die damit verbundenen Arbeitsplätze im strukturschwachen ländlichen Raum sowie zahlreiche Umweltleistungen, die Österreich mit dem ÖPUL beispielhaft erbringt.

Daher fordern wir eine starke, flächenbezogene Ausgestaltung der GAP, die auf Planungssicherheit sowie einem konsequenten Bürokratieabbau basiert. Dabei muss endlich Schluss sein mit bloßen Lippenbekenntnissen auf nationaler und europäischer Ebene.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten Jahr für Jahr zunehmen und laufend verschärft werden. Offensichtlich herrscht großes Misstrauen gegenüber den fachlichen Ausbildungen der Landwirtinnen und Landwirte sowie gegenüber der behördlichen Kontrolle durch qualifiziertes Fachpersonal.

Diesen Irrsinn müssen wir beenden. Es braucht spürbare Entlastungen für unsere produzierende, familiengeführte Landwirtschaft sowie wieder mehr Vertrauen in fachliche Qualifikation, Eigenverantwortung und die Arbeit der Kontrollbehörden.“, so Präsident Mylius und Obmann Hoyos abschließend.

Die Land&Forst Betriebe Österreich/NÖ sind die freiwillige Vereinigung heimischer Landbewirtschafter, mit der Zielsetzung, Österreichs Wälder und Felder als betriebliche Grundlage und gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und Bewusstsein für die Anliegen privater land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und deren Tätigkeit zu schaffen.

Rückfragen & Kontakt

Land&Forst Betriebe Österreich
Paula Mayrhofer, Msc
Telefon: +43 664 1491615
E-Mail: [email protected]
Website: https://landforstbetriebe.at/

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