- 16.07.2026, 13:00:08
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ÖGARI: Neue Phase-III-Studie stärkt Evidenz für standardisierte Cannabinoid-Extrakte in der Schmerzmedizin
Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar: »Cannabis- Extrakte gehören in die Medizin und nicht in den Freizeitkonsum.«
Chronische Schmerzen gehören weltweit zu den häufigsten Ursachen für eingeschränkte Lebensqualität und stellen die Schmerzmedizin vor immense Herausforderungen. Insbesondere neuropathische Schmerzen, chronische muskuloskelettale Schmerzen und Tumorschmerzen sprechen häufig nur unzureichend auf herkömmliche Schmerzmedikamente an. Standardisierte Cannabinoid-Extrakte gewinnen deshalb zunehmend als ergänzende Therapieoption an Bedeutung.
Eine aktuelle, in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlichte multizentrische Phase-III-Studie der Medizinischen Hochschule Hannover liefert nun hochwertige wissenschaftliche Evidenz für den Einsatz eines standardisierten Cannabis-Vollspektrumextrakts (VER-01).
Mit 820 eingeschlossenen Patientinnen und Patienten erreicht die randomisierte, placebokontrollierte Phase-III-Studie ein hohes Evidenzniveau und erweitert die Datenlage für den gezielten Einsatz standardisierter Cannabinoid-Extrakte bei Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen und neuropathischer Schmerzkomponente. Darüber hinaus verbesserten sich Schlafqualität und körperliche Funktion. Hinweise auf Abhängigkeit oder Entzugssymptome wurden dabei nicht beobachtet.
»Diese große klinische Studie stellt einen wesentlichen Meilenstein für die Schmerzmedizin dar. Erstmals liegt für einen standardisierten Cannabis-Vollspektrumextrakt Evidenz auf höchstem klinischem Niveau vor. Entscheidend ist jedoch, dass hier nicht Cannabisblüten untersucht wurden, sondern ein exakt standardisiertes Arzneimittel mit definierter Zusammensetzung«, erklärt Univ.-Prof. Dr. Rudolf Likar, Schmerzmediziner am Klinikum Klagenfurt und Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin.
Standardisierte Extrakte statt Cannabisblüten
Nach Ansicht von Professor Likar, unterstreicht diese Studie die Notwendigkeit, medizinische Cannabinoide klar vom Freizeitkonsum zu unterscheiden. Medizinische Cannabisextrakte enthalten definierte Mengen der pharmakologisch wirksamen Cannabinoide THC und/oder CBD und ermöglichen dadurch eine reproduzierbare Dosierung sowie eine wissenschaftlich nachvollziehbare Therapie. »Wir brauchen in der Medizin keine Cannabisblüten, sondern standardisierte THC- und CBD-Extrakte in Arzneimittelqualität. Nur solche Präparate ermöglichen eine sichere Dosierung, eine reproduzierbare Wirkung und einewissenschaftlich abgesicherte Behandlung. Cannabinoide gehören ausschließlich in die Hände von Ärztinnen und Ärzten mit entsprechender Ausbildung und Erfahrung in der Cannabinoidtherapie.«, so Rudolf Likar.
Cannabinoide sind kein Allheilmittel
Die ÖGARI weist gleichzeitig darauf hin, dass Cannabinoide kein Ersatz für eine umfassende Schmerztherapie sind. Sie stellen vielmehr einen Baustein innerhalb eines multimodalen Therapiekonzeptes dar, das medikamentöse Behandlung, Bewegungstherapie, Physiotherapie, psychologische Verfahren und weitere individuelle Maßnahmen kombiniert.
»Gerade chronische Schmerzen entstehen durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, neurologischer und psychosozialer Faktoren. Cannabinoide können bei sorgfältiger Indikationsstellung einen wichtigen therapeutische Baustein darstellen, ersetzen aber niemals eine ganzheitliche Schmerzmedizin«, bestätigt Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Zink, Präsident der ÖGARI.
Einsatz in verschiedenen medizinischen Indikationen
Standardisierte Cannabinoid-Arzneimittel werden heute bereits in unterschiedlichen medizinischen Bereichen eingesetzt. Dazu zählen insbesondere neuropathische Schmerzen, chronische Tumorschmerzen, spastische Beschwerden bei Multipler Sklerose, bestimmte therapieresistente Epilepsieformen bei palliativmedizinischer Therapie sowie die Behandlung von Übelkeit und Appetitminderung im Rahmen onkologischer Therapien. Für weitere Indikationen wird die Evidenz kontinuierlich erweitert. »Die neue Studie zeigt, wie wichtig hochwertige klinische Forschung in der Cannabinoidmedizin ist. Unser Ziel bleibt eine sichere, evidenzbasierte und patientenorientierte Schmerztherapie, in der standardisierte Cannabinoid-Arzneimittel dort eingesetzt werden, wo sie einen nachgewiesenen Nutzen bieten.«, fasst der Präsident der ÖGARI, Michael Zink, zusammen.
Originalpublikation: Full-spectrum extract from Cannabis sativa DKJ127 for chronic low back pain: a phase 3 randomized placebo-controlled trial. Nature Medicine (2026).
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