- 08.07.2026, 14:39:03
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Vier Millionen Euro bringen Abkühlung in Schulen und Kindergärten
LH Fellner, LR.in Lagger-Pöllinger und LR Reichmann präsentieren Hitzeschutzpaket für elementare Bildungseinrichtungen und Volksschulen - Vorverlegung der Sommerferien gefordert
Steigende Temperaturen und immer längere Hitzeperioden stellen auch Kärntens Kindergärten, Kinderbetreuungseinrichtungen und Schulen vor neue Herausforderungen. Das Land Kärnten reagiert nun mit einem gezielten Hitzeschutzpaket: Ein Förderbudget von rund vier Millionen Euro soll rasch umsetzbare Maßnahmen ermöglichen. Das Paket sowie konkrete Forderungen an den Bund wurden heute von Landeshauptmann Daniel Fellner, Gemeindereferentin Landesrätin Marika Lagger-Pöllinger und Bildungsreferent Landesrat Peter Reichmann präsentiert.
In diesem Zusammenhang stellte Landeshauptmann Daniel Fellner seine Forderung zur Vorverlegung der Sommerferien erneut und mit Nachdruck vor. Der Sommer mit extremen Hitzetagen verschiebe sich mehr und mehr in den Juni. Ende August und vor allem Anfang September würden laut Fellner einzelne Hitzetage zur Ausnahme. LH Fellner stellte erneut die Frage: „Was hält uns davon ab, schon im nächsten Jahr die Sommerferien um zwei Wochen vorzuverlegen?“
Später Ferienbeginn als Nachteil
Auch sehe LH Fellner den gestaffelten Ferienbeginn für Kärnten (Steiermark, Tirol Vorarlberg, Oberösterreich und Salzburg) als Benachteiligung: So starten die Ferien erst dieses Wochenende am 11. Juli und würden sich bis zum 14. September ziehen. Laut Fellner würden sich Kinder und Pädagoginnen und Pädagogen seit Wochen in schwülen Klassenräumen abmühen, unter diesen Umständen zu lernen, sei schlichtweg nicht möglich. Zusätzlich gab Fellner einen Überblick über die Ferienregelung in anderen EU-Ländern: Europaweit erfolge der Ferienbeginn fast durchgehend im Juni. Beispiele: Slowenien: 26. Juni, Italien: 17. Juni, Schweiz: 18. Juni, Portugal: 12. Juni, Spanien: 20. Juni, Ungarn: 20 Juni. Der späteste Start erfolge (mit Ausnahme von Deutschland, wo die Sommerferien aber nur 5 Wochen dauern) in den Niederlanden und in Frankreich am 4. Juli.
Der Landeshauptmann forderte den Bund auf, rasch zu handeln und „sicherzustellen, dass wir bereits im nächsten Jahr früher in die Sommerferien starten können.“ Kärnten würde hier gerne auch als Modellregion fungieren, so Fellner. Für ihn ist aber klar: Die Vorverlegung der Ferien „ist nur eine der notwendigen Maßnahmen“. Weitere Maßnahmen müssen so rasch als möglich folgen. „Dafür wird das Land trotz Spardruck sofort vier Millionen Euro freimachen, um Hitzeschutzmaßnahmen für Schulen und Kindergärten umzusetzen“, so der Landeshauptmann bei der Pressekonferenz. Im Fokus dabei: Beschatten, bepflanzen und entsiegeln, je nachdem, welche Voraussetzungen es vor Ort gäbe, so LH Fellner.
Die konkrete Ausgestaltung der Fördermaßnahmen stellte Gemeindereferentin Marika Lagger-Pöllinger vor: „Hohe Temperaturen belasten Kinder und Pädagoginnen und Pädagogen körperlich, beeinträchtigen die Konzentration und machen auch Ruhephasen schwieriger. Deshalb stellen wir rund vier Millionen Euro bereit und übernehmen bis zu 80 Prozent der Kosten. Damit helfen wir den Gemeinden, rasch wirksame und zum jeweiligen Standort passende Lösungen umzusetzen“, betont Lagger-Pöllinger.
Im Mittelpunkt stehen elementare Bildungseinrichtungen und Volksschulen. Damit richtet sich die Förderung zunächst an jene Altersgruppe, die gegenüber Hitze besonders schutzbedürftig ist. Das Programm läuft vom 1. Juli 2026 bis 31. Dezember 2027. Gefördert werden Maßnahmen, deren Umsetzung nicht vor dem 1. Juli 2026 begonnen wurde.
Schnelle Entlastung im Innenbereich
Zu den förderfähigen Maßnahmen zählen Deckenventilatoren, Rollos, Jalousien, Hitzeschutzfolien, vollklimatisierte Erholungs- und Ruheräume sowie sogenannte Cooling Rooms. Auch Deckenkühlungen in Gängen und Fluren können unterstützt werden. Deckenventilatoren senken zwar nicht die Raumtemperatur, können aber in Verbindung mit gezieltem Lüften die Luftbewegung und damit das Wohlbefinden deutlich verbessern.
„Die umfassende thermische Sanierung bleibt langfristig die wirksamste Lösung. Deshalb warten wir nicht auf das eine große Bauprojekt, sondern ermöglichen jetzt Maßnahmen, die rasch Entlastung bringen. Entscheidend ist, dass nicht nach dem Prinzip ‚eine Lösung für alle‘ gearbeitet wird, sondern jede Einrichtung jene Unterstützung bekommt, die vor Ort tatsächlich wirkt“, so Lagger-Pöllinger.
Mehr Schatten und weniger versiegelte Flächen
Auch der Außenbereich werde laut Lagger-Pöllinger mitgedacht: Gefördert werden unter anderem schattenspendende Bäume und Sträucher, Sonnensegel, Pergolen, beschattete Freiluftklassenräume, Trinkbrunnen, Dachbegrünungen sowie die Entsiegelung und anschließende Bepflanzung von Flächen. Diese Maßnahmen brauchen teilweise mehr Vorlaufzeit, sollen Bildungsstandorte aber langfristig widerstandsfähiger gegen Hitze machen.
Sanierungen der vergangenen Jahre zeigen Wirkung
Über den Kärntner Bildungsbaufonds wurden seit 2002 Volksschulen und seit 2004 Mittelschulen schrittweise saniert. Die Erfahrungen zeigen, dass thermisch sanierte Gebäude während Hitzeperioden deutlich weniger Probleme bereiten.
„Wir beginnen nicht bei null. In den vergangenen Jahren wurde bereits viel investiert, und diese Investitionen zeigen Wirkung. Jetzt setzen wir gezielt dort an, wo die Belastung noch besonders groß ist. So verbinden wir schnelle Hilfe mit einer langfristigen Sanierungsstrategie“, erklärte Lagger-Pöllinger.
Bildungsreferent Peter Reichmann betonte, dass der Anstoß zur Vorverlegung der Sommerferien und der neu geschaffenen Förderung zeige, dass das Land gute Rahmenbedingungen im Bildungsbereich schaffen will: „Es ist richtig cool, hier gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“
Rahmenbedingungen anpassen
Für Reichmann bedeute Bildungspolitik heute mehr denn je, „auf neue Realitäten rasch und entschlossen zu reagieren. Wer gute Schulen will, muss auch bereit sein, die Rahmenbedingungen kontinuierlich an die Herausforderungen unserer Zeit anzupassen.“ Anstatt über Verantwortlichkeiten zu diskutieren, geht es laut Reichmann darum, „ins Handeln zu kommen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen: Denn wenn speziell Elternvereine in den vergangenen Tagen gefordert haben, dass neben einem Überdenken der Unterrichtszeiten auch bauliche Maßnahmen notwendig sind, dann zeigt das Land Kärnten, was bewegt werden kann.“ Heute habe das Land Kärnten in Sachen Hitzeschutz einen wichtigen Schritt gesetzt. Laut Reichmann gelte es auch in Zukunft in Gemeinschaft mit dem Bund über weitere Maßnahmen zu sprechen.
Bundesweiter Hitzeschutzrahmen
In diesem Zusammenhang forderte LR Reichmann die Schaffung eines bundesweiten Hitzeschutzrahmen für Schulen: „Dieser solle klare Vorgaben aufweisen, ab welchen Temperaturen Schulen Unterrichtszeiten flexibel anpassen, Stunden verkürzen oder alternative Lernformen einsetzen können. Damit hätten Schulleitungen Rechtssicherheit. Gleichzeitig sollen laut Reichmann Schulen mehr Autonomie für Schulen bei der Tagesgestaltung bekommen: „Schulen könnten bei angekündigten Hitzewellen die Möglichkeit erhalten, den Unterricht früher zu beginnen oder projektorientierte bzw. digitale Lernphasen einbauen zu können, ohne komplizierte Genehmigungsverfahren.“
Abschließend werde es laut Reichmann über kurz oder lang Anpassungen der Schulbau-Richtlinien geben müssen: „Neue Schulen sollten bundesweit nach klimafitten Standards geplant werden. Passive Kühlung, Beschattung, Grünflächen und energieeffiziente Gebäudetechnik müssen zum Standard werden, damit klimafitte und nachhaltige Bildung gesichert wird.“
Ablauf der Hitzeschutz-Förderung:
Bei der Umsetzung arbeiten die Abteilungen 3 und 8 eng zusammen. Für fachliche Beratung können sich Gemeinden an die Klimakoordination der Abteilung 8 wenden. Zusätzlich ist eine Zusammenarbeit mit den KLAR-Manager:innen vorgesehen.
Gemeinden, die Teil einer KLAR-Region sind, können darüber hinaus auf zusätzliche Fördermöglichkeiten zurückgreifen. So wird vorhandenes Fachwissen direkt vor Ort genutzt und die Projekte können möglichst rasch umgesetzt werden.
Das Förderansuchen ist digital bei der Abteilung 3 des Landes einzureichen. Erforderlich sind eine kurze Beschreibung der geplanten Maßnahme sowie eine Kostenschätzung. Die Auszahlung kann einmalig oder in mehreren Tranchen erfolgen und wird nach Vorlage der Kostennachweise abgewickelt.
Rückfragen & Kontakt
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