- 24.06.2026, 11:41:02
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Tourismus-KV: Beschäftigte können dem Arbeitgeber-Angebot kein klares Votum erteilen
Gewerkschaft vida exekutiert basisdemokratische Abstimmung – „Kein Abschluss auf Kosten der Kaufkraft“
Nach einer Abstimmung unter den Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe steht fest: Das aktuelle Angebot der Arbeitgeberseite findet kein klares Votum für das vorliegende Angebot an der Basis und wird von der Gewerkschaft vida deswegen abgelehnt. „Wir stehen für eine demokratische Kultur. Wenn die Menschen, die tagtäglich in dieser Branche arbeiten, dieses Angebot nicht annehmen können, dann ist das ein unmissverständlicher Auftrag an uns als Verhandlungsteam: Ein Reallohnverlust ist nicht zu machen“, erklärt die Gewerkschaft vida.
Preise rauf, Löhne runter? Nicht mit uns!
Aus dem Gesamtergebnis der Befragung lässt sich keine breite Zustimmung der Beschäftigten herauslesen. Die Begründung der Betroffenen ist so einfach wie nachvollziehbar: Die exorbitanten Preiserhöhungen im Tourismus – seit 2022 gab es kumulierte Preisanstiege um rund 38,4 Prozent – stehen in keinerlei Relation zur Entwicklung der Löhne. Während die Mieten, Versicherungen, Gemeindegebühren usw. indexiert und damit automatisch erhöht werden, soll das für Löhne nicht mehr gelten. In dieser Branche haben die Menschen aber keine Reserven, weil die Löhne arm machen.
„Die Betriebe haben die Teuerung nicht nur eins zu eins, sondern mit Aufschlag an die Gäste weitergegeben. Doch wenn es darum geht, den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Inflation abzugelten, schalten die Arbeitgeber auf stur. Es ist den Beschäftigten schlicht nicht mehr vermittelbar, warum sie trotz hoher Buchungslage am Monatsende real weniger im Geldbörserl haben sollen. Dieses Angebot ist eine Respektlosigkeit gegenüber einer ohnehin extrem belasteten Branche“, so die vida.
Der hausgemachte Mythos vom Arbeitskräftemangel
Gleichzeitig weist die Gewerkschaft das permanente Jammern der Wirtschaftskammer über einen angeblichen Arbeitskräftemangel scharf zurück. In einer funktionierenden Marktwirtschaft führt ein Mangel an Ware oder Arbeitskraft zu steigenden Preisen – also zu steigenden Löhnen. Wenn die Reallöhne im Tourismus jedoch kaufkraftbereinigt sinken, kann von einem echten Mangel keine Rede sein. Es handelt sich vielmehr um eine hausgemachte Attraktivitätskrise, ausgelöst durch unzureichende Bezahlung und schwierige Arbeitsbedingungen. Wir müssen bei dem Thema ein wenig objektivieren. Bei sinkenden Löhnen kann kein Bedarf an zusätzlichen Arbeitskräften bestehen, weder fix noch saisonbedingt. Das muss jedem klar sein!
Stopp dem Lohn- und Sozialdumping durch die Hintertür
Scharfe Kritik übt die vida in diesem Zusammenhang auch an der Bundesregierung. Anstatt die strukturellen Probleme der Branche an der Wurzel zu packen und für faire, existenzsichernde Löhne im Inland zu sorgen, werde das System durch den massiven Import von Arbeitskräften künstlich gestützt. Es mögen die Gastronomen und Touristiker:innen eine wichtige Wähler:innengruppe der ÖVP sein, aber dafür muss man nicht ein Viertel der Menschen in Österreich am Altar der Gier opfern.
„Die Bundesregierung muss endlich aufhören, die Mangelberufsliste als Dauerlösung zu missbrauchen und im großen Stil neue Leute über die Rot-Weiß-Rot-Karte in die Branche zu schleusen. Das ist reines Systemerhaltungs-Lohndumping auf dem Rücken aller Beschäftigten. Wir brauchen keine kosmetischen Pflaster aus dem Ausland, sondern faire Löhne, von denen man in Österreich leben kann. Die Arbeitgeber sind aufgefordert, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen, das die Kaufkraft der Menschen sichert“, schließt die vida. Wir müssen reden! Was fehlt, ist ein Termin.
Rückfragen & Kontakt
Gewerkschaft vida
Cornelia Groiss
Telefon: +43 664 6145 756
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