• 18.06.2026, 11:00:32
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30 Jahre nach der Restaurierung: Neue Untersuchungen sichern den Erhalt des Riesentors

Wichtige Erkenntnisse und erste Maßnahmen zum langfristigen Schutz eines der bedeutendsten romanischen Portale Österreichs

Wien (OTS) - 

Drei Jahrzehnte nach der umfassenden Restaurierung des Riesentors am Wiener Stephansdom werden die damals gesetzten Maßnahmen nun wissenschaftlich überprüft und weiterentwickelt. Die aktuellen Untersuchungen liefern wichtige Erkenntnisse zum Zustand des romanischen Steinbestands und bilden die Grundlage für künftige Erhaltungsmaßnahmen.

Restaurierung 1995-1997

30 Jahre liegen seit der letzten umfassenden Restaurierung des Haupteingangs des Wiener Stephansdoms, des sogenannten Riesentors, zurück. Während der mehrjährigen Restaurierungsarbeiten wurden die Flächen des dekorativen Trichterportals sowie die Fassadenflächen des Portalvorbaus konservatorisch und restauratorisch bearbeitet. Dabei wurden die schädigenden schwarzen Gipskrusten entfernt und die beeinträchtigten Steinoberflächen gefestigt. Unter den Schmutz- und Krustenauflagen konnten zahlreiche Reste der ursprünglichen Farbfassung nachgewiesen werden. Diese wurden eingehend untersucht, dokumentiert und ausgewertet. Die Befunde verdeutlichen exemplarisch, dass romanische Bauwerke ursprünglich vielfach farbenprächtig gestaltet waren. Im Laufe der Jahrhunderte gingen diese Fassungen durch Verwitterung und veränderte Gestaltungsauffassungen jedoch häufig verloren. Neben Reinigung und Gesteinsfestigung wurden die erhaltenen Farbreste gesichert, Fehlstellen ergänzt und eine wesentliche bauliche Schutzmaßnahme umgesetzt: Durch die Errichtung einer Dachkonstruktion über zuvor ungeschützten Bereichen konnte der darunterliegende Steinbestand dauerhaft vor direktem Wassereintrag geschützt werden. Da Feuchtigkeit zu den wichtigsten Schadensursachen historischer Bausubstanz zählt, stellt dieser Schutz einen zentralen Bestandteil der langfristigen Erhaltungsstrategie dar. Die Ergebnisse der Rekonstruktionsversuche zu den ehemaligen Gestaltungsphasen wurden von Univ.-Doz. Dr. Friedrich Dahm in der Publikation „Das Riesentor“ veröffentlicht.

Forschungsschwerpunkt 2024-2026

Zehn Jahre nach Abschluss der Arbeiten wurde eine Wartung durchgeführt, bei der sämtliche Oberflächen trockengereinigt und hinsichtlich ihres Zustands evaluiert wurden. Dabei zeigte sich erstmals Nachbesserungsbedarf bei einzelnen Schutzmaßnahmen.
2024 begann unter der Leitung von Mag.a Andrea Hackel (Bundesdenkmalamt, Abteilung für Konservierung und Restaurierung) die Planung einer neuerlichen Zustandsbewertung des Riesentors. Diese erfolgte in Zusammenarbeit mit der Dombauhütte sowie in enger Abstimmung mit dem Landeskonservatorat für Wien und den Verantwortlichen der Restaurierung der 1990er-Jahre. 2025 führte die Abteilung für Konservierung und Restaurierung gemeinsam mit den Restauratorinnen Mag. a Anna-Maria Tupy und Susanne Leiner eine umfassende Evaluierung der vor rund 30 Jahren am Riesentor gesetzten Restaurierungsmaßnahmen durch. 2026 wurden bereits erste Maßnahmen zum Schutz des Riesentors umgesetzt. Im Fokus stehen die Reduktion von Feuchtigkeits- und Salzschäden im Sockelbereich sowie zusätzliche Schutzmaßnahmen für ein besonders witterungsanfälliges ornamentales Gesims, um die romanische Originalsubstanz langfristig zu erhalten.

Ziel der Untersuchungen ist die Entwicklung eines fundierten Maßnahmenkonzepts für den langfristigen Erhalt des romanischen Portals. Die gewonnenen Erkenntnisse leisten zugleich einen wichtigen Beitrag für den Forschungsschwerpunkt des Bundesdenkmalamtes zur Weiterentwicklung von Methoden und Grundlagen für die langfristige Evaluierung von Konservierungs-, Erhaltungs- und Restaurierungsmaßnahmen.

FACHGESPRÄCH am 25. Juni 2026: „Das Riesentor von St. Stephan. Evaluierung und Nachsorge 30 Jahre nach der Restaurierung“ (Curhaus, Stephansplatz 3, 1010 Wien)

Die Geschichte der Restaurierungen, aktuelle Untersuchungsergebnisse und geplante Maßnahmen werden bei einem Fachgespräch vorgestellt. Internationale Expert:innen präsentieren dabei vergleichbare Projekte und diskutieren aktuelle Fragen der Konservierung und Denkmalpflege im Umgang mit mittelalterlichem Kulturerbe.

Ing.in Mag.a Petra Weiss, Fachdirektorin des Bundesdenkmalamtes: „Die Untersuchungen am Riesentor zeigen, wie wichtig langfristige Forschung und regelmäßige Evaluierungen für die Erhaltung historischer Originalsubstanz sind. Das Projekt hat Vorbildcharakter für die Denkmalpflege und trägt dazu bei, unser mittelalterliches Kulturerbe nachhaltig für kommende Generationen zu bewahren.“

Arch. Dipl.-Ing. Wolfgang Zehetner, Dombaumeister, Dombauhütte St. Stephan: „Das Riesentor ist weit mehr als ein historisches Bauwerk – es bildet seit Jahrhunderten den spirituellen und architektonischen Eingang des Stephansdoms. Umso größer ist unsere Verantwortung, die wertvolle romanische Originalsubstanz zu bewahren. Die aktuellen Untersuchungen zeigen, wie wichtig eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung ist, um ihren langfristigen Erhalt zu sichern.“

Rückfragen & Kontakt

Bundesdenkmalamt
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Mag.a Andrea Böhm, BA
Telefon: +4367688325220
E-Mail: [email protected]
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.bda.gv.at

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