- 17.06.2026, 11:06:32
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Bioenergie überholt Erdgas
Studie: Beschleunigter Waldumbau wegen Klimakrise notwendig
Die Bioenergie hat das klimaschädliche Erdgas erstmals überholt, geht aus den Daten der vorläufigen Energiebilanz 2025 hervor. Demnach deckt der regional verfügbare Energieträger rund 21% des Bruttoinlandsverbrauchs. „Auch die Biomassestrategie der Österreichischen Energieagentur zeigt, dass bis 2040 ein Anteil von 30 bis 50% an der Energieversorgung möglich ist. Jetzt gilt es: die Wälder klimafit machen, das anfallende Holz für den raschen Ausstieg aus Öl und Gas nutzen und gleichzeitig fossile Materialien durch Holz ersetzen. Dadurch werden fossile Energien kurzfristig ersetzt. Langfristig werden klimafitte Wälder wieder mehr Kohlenstoff aufnehmen und durch negative Emissionen aus Bioenergie und Kohlenstoffabscheidung samt Pflanzenkohle ergänzt werden“, erklärt Franz Titschenbacher, Präsident des Österreichischen Biomasse-Verbandes. „Es fehlt nicht an erneuerbaren Lösungen, sondern am Willen zum Ausstieg aus fossilen Energien. Die Elektrifizierung auf der einen Seite und der Ausbau der Biomasse auf der anderen ermöglichen gemeinsam ein zu 100% fossilfreies, leistbares und umweltfreundliches Energiesystem. Die Österreichische Energieagentur hat mit der Biomassestrategie einen konsistenten Rahmen aufgezeigt, wie der Ausstieg aus fossilen Energiequellen mithilfe der Bioökonomie umgesetzt werden kann. Erstmals wurden dabei die Systemgrenzen am natürlichen Kohlenstoffkreislauf ausgerichtet – von der Urproduktion, über die Verarbeitung, bis hin zum Konsum der Produkte und dem dafür notwendigen Energiebedarf.“ (siehe Grafik auf Homepage; Bruttoinlandsverbrauch 2025)
Detailanalyse: Wärmesektor zeigt wachsende Bedeutung der Bioenergie
Die Biomassestrategie basiert auf einer Vielzahl von Detailstudien. Darin wurden u.a. die Biomasseflüsse in Österreich, Szenarien der künftigen Nutzung sowie Klimaeffekte und die volkswirtschaftlichen Effekte der Bioenergie analysiert. Die Strategie wurde aktuell um eine Detailanalyse des Wärmesektors erweitert, da dieser einen der wichtigsten und größten „Hebel“ zur Defossilisierung unseres Energiesystems darstellt. Insbesondere der Markt für Niedertemperatur-Wärme, etwa für die Beheizung von Gebäuden, zur Bereitstellung von Warmwasser oder auch für betriebliche Prozesse, ist in Österreich ein zentraler Grundpfeiler des Energiesystems. Bioenergie – vor allem in Form von Pellets, Hackgut oder Brennholz – ist hierbei systemrelevant. Im Detail wurde der Wärmeverbrauch im Zeitverlauf betrachtet und die Lastspitzen im Bereich Wärme und Strom analysiert. „Die Erneuerbaren im Wärmebereich müssen massiv ausgebaut werden, um die Erzeugungslücke – vor allem im Winter – zu schließen“, erklärt Lorenz Strimitzer, Head of Center Renewable Materials & Resources bei der Österreichischen Energieagentur und einer der Studienautoren (siehe Grafik auf Homepage; Wärme- und Strombedarf über erneuerbarer Erzeugung). Folgende zentrale Punkte lassen sich aus der Studie ableiten:
Wir brauchen deutlich mehr Wärme als Strom: Der saisonale Energiebedarf im Bereich Wärme ist fünf Mal größer als im Stromsektor
Die direkte Nutzung von Bioenergie im Wärmebereich ist ein wesentliches Instrument zur Erreichung der Energie- und Klimaziele
Massive Bedarfsspitzen bei Wärme: Der maximale Wärmebedarf beträgt bis zu 63 GW und ist damit sechs Mal größer als im Stromsektor
Rund die Hälfte der Wärme wird bereits jetzt durch Biomasse bereitgestellt
Erzeugungslücken sind eine große Herausforderung aber auch Chance für ein erneuerbares Energiesystem der Zukunft
Bioenergie ist zur Erreichung der EU-Erneuerbaren-Ziele alternativlos
Bei hohem Wärmebedarf wird viel CO2-intensiver Strom importiert
Studie zeigt: Win-Win-Situation mit Wachstumspotenzial
Die Defossilisierung des Wärmesektors ist mit vielfältigen Vorteilen wie heimischer Wertschöpfung und Beschäftigung verbunden. Der Ausbau der Bioenergie ist volkswirtschaftlich sinnvoll und sollte anhand der in der Biomassestrategie aufgezeigten Potenziale erfolgen. Diese ergeben sich vor allem durch den beschleunigten Waldumbau hin zu klimafitten Beständen. Die Szenarien der Biomassestrategie zeigen auf, dass die Biomasse-Nutzung mit ambitionierten Mobilisierungsmaßnahmen bis 2040 von derzeit rund 250 PJ auf zumindest 300 – 350 PJ gesteigert werden kann (siehe Grafik auf Homepage; Anteil der Biomasse am Endenergieverbrauch 2040 in den Szenarien).
Des weiteren wurde in der Studie aufgezeigt, dass der Ersatz aller Ölkessel durch Erneuerbare (insbesondere Bioenergie) bis 2040 machbar ist, wenn der Kesseltausch forciert wird. Der Ausstieg aus fossilen Heizungen macht zudem Rohstoffe für andere (hard-to-abate bzw. kaum defossilisierbaren) Sektoren frei (z.B. nichtenergetische Nutzung, Nutzung als Flugtreibstoff, etc.). Gleichzeitig schafft Bioenergie heimische, regionale Wertschöpfung und Beschäftigung sowie fiskalische Rückflüsse an den Staat. Dies bedeutet, dass Förderungen für Bioenergie volkswirtschaftlich sinnvoll sind. Das erhöht zudem die Versorgungssicherheit und Krisenresilienz in Österreich.
Aktiv den Wald der Zukunft gestalten
Wie dringend der Umbau unserer Energiesysteme und die Abschwächung des Klimawandels ist, zeigt sich im österreichischen Wald: binnen eines Jahrzehntes ist dieser vom Hoffnungsträger zu einem der am stärksten Betroffenen des Klimawandels geworden. Nassschneeereignisse, Stürme und Dürreperioden sowie die darauf unvermeidlich folgende Massenvermehrung von Schadinsekten haben im letzten Jahrzehnt zu einem Rekordaufkommen an Schadholz geführt und die Notwendigkeit eines zügigen Waldumbaus aufgezeigt. „Trotz eines seit mehr als drei Jahrzehnten steigenden Anteils an Laub- und Mischwäldern, stellen die hohen Holzvorräte der Fichte und die unzureichende Verjüngung weiterhin das größte Risiko für den Wald in Österreich und dessen Kohlenstoffspeicher dar“, erklärt Silvio Schüler, Leiter des Instituts für Waldwachstum und Waldbau am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW). Das Bundesforschungszentrum für Wald hat daher im Auftrag des Österreichischen Biomasse-Verbandes, der Landwirtschaftskammer Österreich und der Land- und Forstbetriebe Österreich eine Studie für einen beschleunigten Waldumbau erstellt.
Szenario für beschleunigten Waldumbau
Vitale Wälder mit einer hohen CO2-Aufnahmeleistung sind wichtig für die Zukunft. Neben dem Umbau zu klimaresilienten Mischbeständen, dem Abbau von Wäldern mit höherem Klimarisiko und einer langfristigen Rohstoffversorgung sollte daher bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts eine hohe Substitutionsleistung und anschließend ein verstärkter Vorratsaufbau im Wald sichergestellt werden. Die Studie basiert auf dem aktuellen Zustand des Waldes und berücksichtigt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zur klimatischen Eignung von Baumarten sowie der zunehmenden Mortalität im Zeitalter des Klimawandels. Im unterstellten Nutzungsszenario werden bis 2050 bewusst die Erntemengen erhöht, um den Zuwachs anzukurbeln und das Risiko von Schadereignissen zu verringern. Dabei müssen bevorzugt die relativ ältesten, zuwachsschwachen Bestände verjüngt werden. Ab 2050 – wenn die Substitutionsleistung biogener Rohstoffe aufgrund einer vollständig emissionsneutralen Wirtschaft geringer ausfällt, wird die Nutzung reduziert, um langfristig die Kohlenstoffvorräte im Wald wieder zu steigern. Die am häufigsten beim Waldumbau gezielt bevorzugten Baumarten sind Lärche, Tanne, Eiche und die beiden heimischen Kiefernarten (siehe Grafik Homepage; Bauartenanteile in % bis 2095).
Diversifizierung zeigt Wirkung und sichert Rohstoff bis zum Ende des Jahrhunderts
Die unterstellte Diversifizierung zeigt deutliche Wirkung: bis zum Ende des Jahrhunderts sinkt zwar der Fichtenanteil an der Waldfläche auf unter 30%, während die Häufigkeit der anderen Arten steigt. Der Wald wird also vielfältiger. Die Holzvorräte reagieren langsamer, jedoch sinkt auch hier der Fichtenanteil unter 50%. Die Holzverwendung wird noch bis zum Ende des Jahrhunderts von der Fichte dominiert und trägt wesentlich zu den jährlich rund 15 Mio. Efm Sägerundholz bei. Die Altersklassenverteilung verschiebt sich durch die verstärkte Nutzung bis 2050 hin zu jüngeren wuchskräftigen Beständen und sorgt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts für steigende Zuwächse und Vorräte (siehe Grafik Homepage; Entwicklung des Holzvorrats bis 2100)
Die Grafiken und Abbildungen zum Download finden Sie HIER
Rückfragen & Kontakt
Österreichischer Biomasse-Verband
Antonio Fuljetic-Kristan
Telefon: 06608556804
E-Mail: [email protected]
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