• 16.06.2026, 11:41:02
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vida-Eberhart zu Vision T: Statt Lohndumping mit Rot-Weiß-Rot-Karte Arbeitskräftepotenzial im Inland abholen

Gewerkschaft vida: Gute Arbeitsbedingungen und entsprechende Einkommen würden nicht nur Beschäftigten, sondern auch gesamten Branche großen Dienst erweisen

Wien. (OTS) - 

Eva Eberhart, Vorsitzende des Fachbereichs Tourismus in der Gewerkschaft vida, ist grundsätzlich erfreut, dass die Bundesregierung eine Vision zur Weiterentwicklung des österreichischen Tourismus in Richtung Ganzjahrestourismus und somit mehr Ganzjahresbeschäftigung hat. Allerdings hätte sich Eberhart von der vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) präsentierten Vision T eine stärkere Fokussierung auf die Situation der in der Branche Beschäftigten und ihre tatsächlichen Arbeits- und Lebensbedingungen, die von niedrigen Löhnen und zahlreichen Überstunden an Wochenenden und in der Nacht geprägt sind, gewünscht. Man dürfe sich daher auch nicht wundern, wenn es ein mangelndes Interesse der Menschen an einer Arbeit im Tourismus gebe, fügt die vida-Gewerkschafterin hinzu.

Es sei in der Vision T zwar die Rede von sinnstiftenden Tätigkeitsfeldern, lebensphasengerechten Arbeitsplatzmodellen und moderner Berufsausbildung zur Gewinnung von Mitarbeiter:innen. Eberhart vermisst von Tourismusstaatssekretärin Zehetner aber einen Fahrplan, wie dies konkret in welchem Zeitraum erreicht werden können. „Schöne Worte allein werden die Branche für die Beschäftigten nicht attraktiver machen“, sagt die vida-Gewerkschafterin. Hohle Phrasen wie „Authentizität, Flexibilität und Herzlichkeit seien Ausdruck höchster Servicequalität“ bzw. „Mitarbeiter:innen erleben ihre Tätigkeiten als sinnstiftend“, habe man in der Vergangenheit schon zu genüge von verantwortlicher Politiker:innen und der Wirtschaftskammer (WKÖ) gehört. „Man darf daher gespannt sein, wie Zehetner etwa Service- oder Küchenkräfte mit Automatisierung und Digitalisierung von Routinetätigkeiten entlasten will.“

Wenn die Tourismusstaatssekretärin den Anspruch erhebt, dass die Branche mehr denn je als attraktive Arbeitgeberin überzeugen müsse, dann sei dies selbstverständlich zu begrüßen. Dabei von lebensphasengerechten Arbeitsplatzmodellen mit verlässlich planbarer Freizeit und flexiblen Arbeitszeiten zu sprechen und einen wertschätzenden Umgang mit Beschäftigten zu fordern, das sei wahrlich nichts Visionäres, wundert sich Eberhart: „Die Gewerkschaft vida fordert dies seit Jahren bei den Kollektivvertragsverhandlungen.“

„Von Wertschätzung allein, kann allerdings niemand seine Rechnungen bezahlen. Die Arbeitgeber bieten aktuell nur 3 Prozent Lohnerhöhung. Angesichts einer steigenden Inflation, die aktuell bei 3,7 Prozent liegt und Einstiegslöhnen in der Branche, die brutto knapp über 2.000 Euro liegen, mutet es wie eine Verhöhnung an, wenn hier von Wertschätzung gesprochen wird“, ist die vida-Gewerkschafterin empört und fügt hinzu: „Wenn Zehetner meint, der Tourismus ist der Pulsschlag der Regionen, dann muss man ergänzen, dass die Beschäftigten im Tourismus das Blut in seinen Adern sind und die Wirtschaftskammer derzeit an ihrem Aderlass arbeitet.“

„Nur durch den großen Einsatz und Fleiß der Beschäftigten ist der Tourismus nach der Pandemie wieder als ein österreichischer Wirtschaftsmotor erstarkt“, so Eberhart weiter. Tatsächlich konnten in den letzten Jahren auch einige Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen und längst überfällig gewesen Anpassungen u.a. bei den nicht gerade üppigen Einstiegslöhnen von den Sozialpartnern erreicht werden.

„Was sollen sich die Beschäftigten aber denken, wenn die Bundesregierung als Dank für deren großen Einsatz schon seit Jahren zum kurzsichtigen Mittel greife, Arbeitskräftemangel mit billigen und leicht erpressbaren Arbeitskräften zu kompensieren?“, kritisiert Eberhart etwa zusätzliche Saisonnier-Kontingente aus dem Westbalkan oder über die Rot-Weiß-Rot-Karte ins Land geholte Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Es sei jedenfalls entlarvend, wenn in diesem Zusammenhang in der Vision T von Beschleunigen und Entbürokratisieren im Zusammenhang mit Arbeitskräften aus Drittstaaten die Rede sei.

Die verheerenden Folgen der Rot-Weiß-Rot-Karte seien Lohndruck, prekäre Bedingungen und ein dauerhafter Personalverschleiß in der Branche. Die Not von Menschen aus Billiglohnländern auszunutzen und sie für die Saisonarbeit anzuwerben, mache die Tourismusbranche für interessierte heimische Arbeitsuchende nur noch unattraktiver. Ebenso würden auch Lehrstellensuchende dann keine guten Angebote und Bedingungen vorfinden. Trotz steigender Jugendarbeitslosigkeit gebe es im Tourismus heutzutage weniger Lehrlinge als vor der Pandemie, so die vida-Gewerkschafterin.

Dabei könnte die Gastronomie und Hotellerie auf ein größeres heimisches Arbeitskräftepotenzial zurückgreifen als viele andere Branchen: Im Jahr 2025 waren im Jahresdurchschnitt österreichweit rund 34.900 Personen (nach AMS-Definition) im Beherbergungsgewerbe und der Gastronomie arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zu 2024 ist dies ein erneuter Anstieg von 12,7 auf 13,2 Prozent. Laut Eberhart ist das ein alarmierendes Signal, denn es seien bereits genug interessierte Arbeitskräfte am heimischen Arbeitsmarkt verfügbar. Diese müssten nur in Österreich und in der EU mit den richtigen Angeboten abgeholt werden. „Das kann gelingen, wenn der Tourismus als interessanter Berufszweig auch langfristige Perspektiven bietet. Gute Arbeitsbedingungen und entsprechendes finanzielles Auskommen würden nicht nur den Beschäftigten, sondern der Branche und ihrer Attraktivität insgesamt einen großen Dienst erweisen“, bekräftigt Eberhart abschließend.

Rückfragen & Kontakt

Gewerkschaft vida / Öffentlichkeitsarbeit
Hansjörg Miethling
Telefon: +43 664 6145 733
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.vida.at

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