• 15.06.2026, 11:20:02
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Schiene stärken, Regionen beleben – Sommertagung des Fachverbandes setzt klare Signale für mehr Bahn

FV-Obmann Neumann: „Regionale Bahnen, integrierte Mobilitätsangebote und verlässliche Rahmenbedingungen sind zentrale Hebel für eine zukunftsfitte, klimafreundliche Mobilität.“

Wien (OTS) - 

Auf Einladung der NÖVOG und der Niederösterreich Bahnen GmbH fand am 11. und 12. Juni die diesjährige Sommertagung des Fachverbandes der Schienenbahnen der Wirtschaftskammer Österreich in St. Pölten statt. Zahlreiche Entscheidungsträger:innen, Expert:innen, Manager:innen und Geschäftsführer:innen aus dem gesamten Eisenbahnsektor nutzten die Gelegenheit, um über aktuelle Herausforderungen und Zukunftsfragen des Schienenverkehrs zu diskutieren.

„Die Sommertagung ist für uns ein Fixpunkt, um uns als Branche abzustimmen“, betont Fachverbands-Obmann Günter Neumann. „Wir haben es mit einer komplexen Gemengelage zu tun – Finanzierung, Regulierung, Fachkräfte, Technik, Europa. Aber das ist für uns nichts Neues. Wir sind es gewohnt, mehrere harte Bretter gleichzeitig zu bohren.“ Zu Beginn der Tagung präsentierte die NÖVOG / Niederösterreich Bahnen GmbH ihre vielfältigen Aktivitäten im Regional- und Ausflugsverkehr. Deutlich wurde, welche Bedeutung leistungsfähige regionale Bahninfrastrukturen für Lebensqualität, Tourismus und Wirtschaft in den Regionen haben.

Budget, Investitionsprogramm und Planungssicherheit im Fokus
Ein inhaltlicher Schwerpunkt der Tagung lag auf Budgetfragen und der künftigen Finanzierung der Schieneninfrastruktur. Neumann verwies dabei auf das aktuell präsentierte Budget und das 10. Mittelfristige Investitionsprogramm (MIP) 2026–2031, das für Investitionen im Bereich Privatbahnen dient: „Wir evaluieren derzeit die Details, insbesondere was das für die Privatbahninfrastruktur, für Planungssicherheit und die Projektpipeline bedeutet. Wir schauen da sehr genau hin, ob das unseren Anforderungen an dringend notwendigen Investitionen auch wirklich gerecht wird.“ Zugleich erinnerte Neumann an die zentralen Linien des Fachverbandes: langfristige Finanzierung und Planungssicherheit, faire Rahmenbedingungen und ein echtes „Level Playing Field“ zwischen den Verkehrsträgern sowie Investitionen in Digitalisierung und Fachkräfte.

Innovative Mobilitätslösungen und Wettbewerb im Personenverkehr
Mit dem Vortrag „Der Obus als Zukunftsoption der E-Mobilität im ÖV“ wurde eine konkrete, bereits erprobte Technologie für klimafreundliche Mobilität in Städten und Regionen beleuchtet. Der Obus verbindet die Vorteile elektrischer Antriebe mit hoher Leistungsfähigkeit und kann bestehende Schienenangebote sinnvoll ergänzen. Deutlich wurde, dass gerade in wachstumsstarken und urbanen Regionen integrierte Konzepte aus Bahn, Obus und weiteren öffentlichen Verkehrsmitteln entscheidend sind, um attraktive Alternativen zum motorisierten Individualverkehr zu schaffen.

Im Themenblock „Trends & Erfahrungen zum Wettbewerb im europäischen Schienenpersonenverkehr“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie fairer Wettbewerb, langfristige Investitionen und hohe Servicequalität zusammengeführt werden können. Diskutiert wurden dabei insbesondere die unterschiedlichen Modelle von Ausschreibung und Direktvergabe sowie die Rolle öffentlicher Bestellerorganisationen. Neumann bekräftigte in diesem Zusammenhang die Position des Fachverbandes: „Wir haben uns immer für die Wahlfreiheit ausgesprochen, und damit für die jeweils beste Lösung für jede einzelne Strecke. Entscheiden sollen jene, die die Verantwortung tragen und die Gegebenheiten vor Ort am besten kennen – Bund, Länder, Städte und Gemeinden. Sie müssen die Wahlfreiheit haben, ob sie ausschreiben oder direkt vergeben.“

Die bestehende Gesetzeslage sieht diese Wahlfreiheit bereits vor, und auch die Regierungs-vereinbarung hält fest, dass öffentliche Auftraggeber zwischen Direktvergabe und internationalen Ausschreibungsverfahren wählen können. Genau das muss gesichert und konsequent umgesetzt werden. Eine gesetzliche Verpflichtung – in welche Richtung auch immer – macht den Schienenverkehr in Österreich nicht automatisch besser. Österreich ist nicht zufällig Bahnland Nummer 1 in der EU: „Die Menschen in Österreich legen im EU-Vergleich die meisten Bahnkilometer pro Kopf zurück, und die Fahrgastzahlen steigen seit Jahren. Dieses Erfolgsmodell dürfen wir nicht durch unnötige Zwänge gefährden, sondern müssen es mit klugen, praxisnahen Vergabelösungen weiter stärken“, betont Neumann.

Privatbahnen als wirtschaftlicher Motor der Regionen
Mit großem Interesse wurden die neuen Erkenntnisse zum volkswirtschaftlichen Beitrag der regionalen Privatbahnen aufgenommen. Die präsentierten Ergebnisse zeigen deutlich, dass die regionalen Bahnen weit mehr sind als ein Verkehrsmittel: Sie schaffen Wertschöpfung, sichern Arbeitsplätze, stärken den Tourismus und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Gerade in strukturschwächeren Regionen übernehmen Privatbahnen oft eine zentrale Rolle als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs. Investitionen in Infrastruktur, Fahrzeuge und Digitalisierung zahlen sich daher nicht nur ökologisch, sondern auch volkswirtschaftlich aus.

Die Verkehrsleistung auf der Schiene steigt seit vielen Jahren kontinuierlich. Von 2010 bis 2025 sind die Fahrgastzahlen auf der Eisenbahn von rund 242 Millionen auf etwa 350 Millionen Fahrgäste pro Jahr angewachsen – ein Plus von rund 44 Prozent. Der Marktanteil der Privatbahnen liegt dabei stabil bei rund 15 Prozent. Während die Menschen die Bahn also immer stärker nutzen, ist die Finanzierung nicht im selben Ausmaß mitgewachsen – insbesondere, wenn man die massiven Preis- und Kostensteigerungen der vergangenen Jahre berücksichtigt. Genau hier braucht es verlässliche, langfristige Finanzierungszusagen.

„Österreich und Europa brauchen eine starke Schiene – im Personen- wie im Güterverkehr“, fasst Neumann zusammen. „Damit wir unsere Klimaziele erreichen, die Regionen stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft sichern, braucht es jetzt klare politische Signale: Priorität für Investitionen in die Schiene, verlässliche Rahmenbedingungen und die Bereitschaft, die Bahn aufgrund ihrer Vorteile gegenüber anderen Verkehrsträgern gezielt zu bevorzugen.“ (PWK293/DFS)

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