• 15.06.2026, 10:08:34
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EWO-Branchentalk: Flüssige Energieträger bleiben unverzichtbar

Experten aus Wirtschaft, Forschung und Recht sehen erneuerbare flüssige Energieträger als wichtigen Baustein für Versorgungssicherheit und das Gelingen der Energiewende

Speaker und EWO-Management
Österreich (OTS) - 

Beim EWO-Branchentalk am 9.6.2026 im Kelsen im Parlament Wien diskutierten führende Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Recht über die Chancen und Herausforderungen erneuerbarer flüssiger Energieträger. Die zentrale Botschaft der Veranstaltung: Für eine sichere, leistbare und klimafreundliche Energieversorgung werden flüssige Brenn- und Kraftstoffe auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

"Flüssige Energieträger sind aufgrund ihrer hohen Energiedichte der beste Langzeit-Energiespeicher und bestens transportier- und lagerfähig“, betonte EWO-Vorstandsvorsitzende Kommerzialrätin Bettina Mayer-Toifl in ihren Eröffnungsworten. „Ohne flüssige Brenn- und Kraftstoffe wird es daher nicht gehen – sei es in der Raumwärme, der Landwirtschaft, im Schwerverkehr, bei Feuerwehr, Rettung, Polizei, Bundesheer oder zum Betrieb von Notstromaggregaten im Krisenfall; und sowieso im Flug- und Schiffsverkehr!"

EWO tritt nachdrücklich für flüssige Energie ein – in allen Anwendungsbereichen und im Sinne der gesamten Wertschöpfungskette vom Produzenten über den Energiehändler bis hin zum Verbraucher. Von der Politik forderte Mayer-Toifl Rechts- und Planungssicherheit, damit sich die freien Marktkräfte entfalten und klimafreundliche flüssige Brenn- und Kraftstoffe aus erneuerbaren Quellen auf breiter Ebene etablieren können.

Mobilität braucht mehrere Lösungen

Prof. Karl Rose, Aufsichtsratsvorsitzender der Energie Steiermark AG und Lehrender an der Karl-Franzens-Universität, sprach sich für einen technologieoffenen Zugang zur Dekarbonisierung des Verkehrs aus. „Neben Elektromobilität sind nachhaltige Flüssigkraftstoffe und grüner Wasserstoff unverzichtbar“, erläutert er und begründete dies unter anderem mit der erneuerbaren Stromproduktion und dem notwendigen Ausbau der Stromnetze, die der Verbreitung elektrisch betriebener Fahrzeuge hinterherhinken. Als vielversprechende Optionen nannte er Kraftstoffe aus Abfall- und Reststoffen oder aus Algen, die nahezu CO₂-neutral hergestellt werden können.

Erneuerbare Flüssigenergie für Verkehr und Wärme

Wie ein globaler Energiekonzern den Weg zum Netto-Null-Unternehmen bei den Treibhausgas-Emissionen bis 2050 beschreitet, skizzierte Shell-Austria-Geschäftsführer Rainer Klöpfer. „Dabei sehen wir es als unsere Verantwortung, Energie für Mobilität, Industrie und Wärmeversorgung zuverlässig und bezahlbar bereitzustellen und zugleich konsequent an einer emissionsarmen Zukunft zu arbeiten.“

Bereits heute produziert Shell Biokraftstoffe für Fahrzeuge, Sustainable Aviation Fuels (SAF) für die Luftfahrt sowie erneuerbares Heizöl für den deutschen Markt (Shell Renewable Heating Oil). Letzteres kann über den Lebenszyklus hinweg eine signifikante Reduktion der CO₂-Emissionen gegenüber fossilem Heizöl ermöglichen - abhängig von eingesetzten Rohstoffen und Produktionsprozessen.

Handlungsbedarf bei gesetzlichen Rahmenbedingungen

Als ausgewiesener Experte für regulatorische Fragen im Bereich erneuerbarer Energien ordnete Dr. Anian Gruber, Counsel bei BINDER GRÖSSWANG Rechtsanwälte GmbH, die Rechtslage rund um flüssige erneuerbare Energieträger (Biokraftstoffe, E-Fuels, RFNBOs) ein und erläuterte die Bestimmungen der RED III, die auf EU-Ebene bis 2030 einen verbindlichen Anteil erneuerbarer Energien von 42,5 % vorsieht.

Für Österreich identifizierte er klaren Anpassungsbedarf: Zur Umsetzung der RED III im Bereich flüssiger erneuerbarer Energien sind Novellierungen einschlägiger Vorschriften erforderlich, etwa der Kraftstoffverordnung (KVO). Für die vollständige Implementierung plädiert Dr. Gruber für eine praktikable Ausgestaltung ohne Gold Plating, um Unternehmen verlässliche Rechtssicherheit zu geben.

Energiebedarf wird weiter steigen

Dass sich der Energieverbrauch in Zukunft deutlich reduzieren könnte, hält Prof. Uwe Grebe für eine Illusion. „Szenarien der Internationalen Energieagentur sehen sogar einen Anstieg um rund 20 Prozent bis zum Jahr 2050, unter anderem weil ärmere Staaten bei Wohlstand und Bildung aufholen. Die Energieträger zu de-fossilisieren ist die wichtigste Aufgabe“, erläuterte der Vorstand des Instituts für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik an der Technischen Universität Wien.

Sonnen- und Windenergie sei im Überfluss vorhanden. „Das Problem ist nicht die Verfügbarkeit, sondern die Ernte, Speicherung und Verteilung.“ Dafür wiederum würde sich die Umwandlung in flüssige und gasförmige Energieträger anbieten. Gerade flüssige Kraftstoffe brauche es dort, wo dezentral hoher Energiebedarf anfällt, etwa im Fall von Baumaschinen. Während die EU über weite Strecken einen All-Electric-Ansatz verfolgt, gehe China technologieoffener mit den Herausforderungen der Energiewende um: „Dort wurde von Experten und der Industrie gemeinsam eine industrieweite Roadmap erstellt, die Zielsetzungen für jede Technologie und jeden Energieträger formuliert.“

Österreichische Kreislaufwirtschaft als Erfolgsmodell

Ewald-Marco Münzer, Geschäftsführer der Münzer Bioindustrie GmbH, ist Experte für die Verarbeitung gebrauchter Speisefette und Altspeiseöle zu Biodiesel und Biomethan. Sein Unternehmen habe dadurch bereits zur Einsparung von rund 30 Millionen Tonnen CO₂ im österreichischen Verkehrssektor in den letzten 2 Jahrzehnten beigetragen.

Sein Credo: „Ergänzen statt ersetzen.“ Durch steigende Beimengung erneuerbarer Anteile werden flüssige Kraftstoffe fossilen Ursprungs klimafreundlicher. Für Münzer ist daher die Anhebung der Biodieselbeimischung von B7 (Kraftstoff mit sieben Prozent Biodiesel) auf B10 der nächste logische Schritt, um die Versorgungssicherheit zu stärken und den Verkehrssektor schneller zu dekarbonisieren. Dafür braucht es jetzt laut Münzer eine rasche und mutige politische Entscheidung. „Ich könnte mir auch Dreier-Blends aus B10, HVO und fossilem Anteil vorstellen.“

Dass die Nutzung abfallbasierter Rohstoffe derzeit gedeckelt ist, ist für ihn nicht nachvollziehbar: „Wir könnten wesentlich mehr erneuerbare Flüssigenergie produzieren, wenn diese Regelung fallen würde.“ Auch brauche es eine harmonisierte Prüfpraxis für Zertifizierungen von erneuerbaren Brenn- und Kraftstoffen auf europäischer Ebene.

Flüssige Energieträger als Teil der Lösung

In seinem Fazit resümierte EWO-Geschäftsführer Martin Reichard: „Die Energiewende wird nur mit einem technologieoffenen Ansatz gelingen. Erneuerbare flüssige Energieträger leisten dabei einen wichtigen Beitrag zu Versorgungssicherheit, Ressourcenschonung und einer leistbaren Energieversorgung.“

Rückfragen & Kontakt

Sabrina Beck, MA
Telefon: +73 720 72 10 33
Website: https://www.ewo-austria.at

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