• 15.06.2026, 09:27:32
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Sommerferien auf dem Prüfstand: 9 Wochen Ferien, 9 Wochen Stress?

Jede zweite Person hält Sommerferien für zu lang, 84 Prozent sehen großen organisatorischen Druck für Familien und Eltern.

Baden (OTS) - 

Die Sommerferien gelten als die schönste Zeit des Jahres – zumindest für Schülerinnen und Schüler. Viele Familien stellen die neun schulfreien Wochen allerdings vor organisatorische und finanzielle Herausforderung. Eine repräsentative Studie des Digital Research Instituts Marketagent unter 1.000 Österreicherinnen und Österreichern zeigt: Die Mehrheit sieht Reformbedarf bei der bestehenden Ferienregelung.

Fact Box:

  • Jede*r Zweite hält Sommerferien für zu lang: 49% empfinden die 9-wöchigen Sommerferien als zu lang, 43% finden sie genau richtig. Jene, die die aktuelle Dauer kritisch sehen, würden sie im Schnitt auf 6,6 Wochen verkürzen. Österreichweit liegt die ideale Länge durchschnittlich bei 7,6 Wochen.
  • Hoher organisatorischer Druck, Beruf und Betreuung schwer vereinbar: 4 von 5 Österreicher*innen sind der Ansicht, dass die langen Sommerferien für viele Familien großen organisatorischen Druck verursachen (84%). 9 von 10, dass diese Zeit für berufstätige Eltern schwer organisierbar ist. Die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung ist für 60% die größte Herausforderung der langen Sommerferien und für 55% auch der größte blinde Fleck in der öffentlichen Debatte.
  • Mütter tragen Hauptlast: 46% der Österreicher*innen glauben, dass vor allem Mütter die Verantwortung für Organisation und Betreuung während der Sommerferien tragen. 33% sehen beide Elternteile gleichermaßen in der Pflicht.
  • Kinderbetreuung wird zum Kostenfaktor: 72% der Eltern mit Kindern in Kindergarten, Volks- oder Mittelschule berichten von einer zusätzlichen finanziellen Belastung durch Sommerferien und Ferienbetreuung. Eltern, die für organisierte Sommerbetreuung bezahlen (46%), geben dafür im Schnitt 454 Euro pro Kind aus.
  • 6 von 10 Eltern kämpfen mit Ferienorganisation, Großeltern als Sicherheitsnetz: 61% der Eltern empfinden die Organisation der Sommerferien als herausfordernd. 42% lösen die Betreuung in den Ferien mithilfe von Großeltern oder Verwandten.
  • Wunsch nach mehr Unterstützung: Die meistgenannten Lösungsansätze sind mehr Unterstützung für berufstätige Eltern (45%), mehr leistbare Ferienbetreuung (40%) und mehr kostenlose Sommerprogramme (39%). Lediglich 16% sprechen sich dafür aus, die aktuelle Ferienregelung unverändert beizubehalten.

7 statt 9 Wochen? Viele wünschen sich Verkürzung der längsten Pause des Jahres

Fast jede*r zweite Befragte der Marketagent-Umfrage hält die neunwöchigen Sommerferien für zu lang (49%). 43 Prozent finden die aktuelle Dauer genau richtig, lediglich 8 Prozent würden sich noch längere Ferien wünschen. Auch beim Blick auf die ideale Ferienlänge zeigt sich ein klarer Trend: Wer die Sommerferien verkürzen möchte, hält rund 7 Wochen für optimal (Durchschnitt: 6,6 Wochen). Selbst wenn man die Antworten jener berücksichtigt, die mit der aktuellen Regelung zufrieden sind, liegt die gewünschte Ferienlänge im Schnitt bei nur 7,6 Wochen und damit deutlich unter den derzeitigen 9 Wochen.

Beruf und Betreuung: Familien zwischen Ferienfreude und Alltagsstress

Besonders herausfordernd werden die langen Ferien dort, wo Kinderbetreuung und Berufsalltag aufeinandertreffen. 84 Prozent der Österreicher*innen sind überzeugt, dass die neunwöchige Ferienzeit für viele Familien großen organisatorischen Druck verursacht. Fast 9 von 10 Befragten (89%) sagen, dass die Sommerferien für berufstätige Eltern oft nur schwer zu bewältigen sind.

Als größte Herausforderung gilt dabei die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung: 60 Prozent nennen diesen Punkt als zentrales Problem der langen Sommerpause. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Bevölkerung den „großen Ferien“ durchaus positiv gegenübersteht. 86 Prozent empfinden sie als wichtige Erholungsphase für die Kinder. 71 Prozent sehen in ihnen eine schöne und bewährte Tradition und viele verbinden diese Zeit mit Freude, Entspannung und sogar Nostalgie. Dennoch sind 62 Prozent der Meinung, dass die 9 Wochen Ferien nicht mehr zur heutigen Arbeits- und Lebensrealität passen. Die Sommerferien werden damit zwar geschätzt, ihre aktuelle Ausgestaltung stößt jedoch zunehmend an praktische Grenzen.

Auch in der öffentlichen Diskussion nimmt die Bevölkerung einen blinden Fleck in Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Ferienbetreuung wahr. Mehr als die Hälfte der Befragten ist der Meinung, dass die Belastung berufstätiger Eltern in der Debatte rund um die Sommerferien zu wenig berücksichtigt wird (55%).

Die Sommerferien werden nach wie vor als wichtige Erholungsphase für Kinder gesehen und genießen einen hohen Traditionswert. Gleichzeitig erleben viele Familien die lange Ferienzeit als finanziell und organisatorisch belastend. Unsere Studie zeigt, dass die Bevölkerung die Debatte nicht als reine Bildungsfrage betrachtet, sondern als gesellschaftliche Herausforderung, die Familien, Arbeitgeber und öffentliche Institutionen gleichermaßen betrifft“, analysiert Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.

Mama wird’s schon richten: Mütter tragen weiterhin Hauptlast der Ferien

Besonders bemerkenswert ist die Wahrnehmung der Rollenverteilung innerhalb der Familien. 46 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind überzeugt, dass vor allem Mütter die Hauptverantwortung für Organisation und Betreuung während der Sommerferien tragen. Lediglich ein Drittel sieht beide Elternteile gleichermaßen in der Pflicht.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Ferienbetreuung nach wie vor stark entlang klassischer Rollenbilder organisiert wird. Obwohl sich Familienmodelle und Erwerbsbiografien in den letzten Jahren deutlich verändert haben, wird die Verantwortung für die Sommerferien in der öffentlichen Wahrnehmung noch immer stark bei den Müttern verortet“, so Andrea Berger, Research & Communications Manager bei Marketagent

Sommerferien belasten auch das Haushaltsbudget

Neben Zeit und Organisation kosten die Ferien viele Familien auch bares Geld. 72 Prozent der Eltern mit Kindern in Kindergarten, Volks- oder Mittelschule bzw. Unterstufe berichten von einer zusätzlichen finanziellen Belastung durch Sommerferien und Ferienbetreuung. Nutzt eine Familie organisierte Ferienbetreuung wie Camps und Co. gibt sie dafür durchschnittlich 454 Euro pro Kind aus.

Die Kosten für Feriencamps, Betreuungsangebote oder Sommerprogramme entwickeln sich damit zunehmend zu einem relevanten Budgetposten. Gleichzeitig sehen 59 Prozent der Bevölkerung die Gefahr, dass die langen Sommerferien soziale Unterschiede zwischen Familien verstärken. Denn nicht alle Eltern können sich Urlaube, Feriencamps oder kostenpflichtige Freizeitangebote leisten.

Ohne Großeltern geht es oft nicht

Ohne Oma und Opa würde es für viele Familien eng werden: 42 Prozent der Eltern greifen in den Sommerferien auf die Unterstützung von Großeltern oder Verwandten zurück. Damit stellen sie das wichtigste externe Betreuungsnetzwerk des Landes dar. Gleichzeitig versuchen viele Familien, die Betreuung durch eigene Urlaubstage abzudecken. Auch flexible Arbeitszeiten bzw. Homeoffice helfen (22%). Die Sommerferien werden damit für viele Familien zu einem organisatorischen Puzzle, das durch die Kombination verschiedener Betreuungslösungen bewältigt wird.

Wunsch nach mehr Unterstützung statt bloßer Kürzung

Die Ergebnisse zeigen jedoch auch, dass die Bevölkerung nicht ausschließlich auf eine Verkürzung der Ferien setzt. Gefragt nach möglichen Lösungen steht ein Ausbau der Unterstützungsmaßnahmen klar im Vordergrund: 45 Prozent wünschen sich mehr Beistand für berufstätige Eltern, 40 Prozent fordern leistbare Ferienbetreuungsangebote und 39 Prozent mehr kostenlose Sommerprogramme für Kinder. Der Status quo genießt hingegen wenig Rückhalt: Lediglich 16 Prozent sprechen sich dafür aus, die aktuelle Regelung unverändert beizubehalten.

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Mag. Andrea Berger
Telefon: 02252 909 009 - 25
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