• 11.06.2026, 10:50:02
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  • OTS0066

Flexible Netze gegen Engpässe im Stromsystem

Der Ausbau der Stromnetze muss mit stärkerer Flexibilisierung Hand in Hand gehen, fordern die Netzbetreiber.

Eisenstadt (OTS) - 

Beim Ausbau der Stromnetze geht es nicht nur darum, die Kapazität zu steigern. Die Netze brauchen überdies mehr an Flexibilität, um mit den steigenden Leistungsanforderungen Schritt halten zu können. Im Stromsystem der nahen Zukunft drohen immer öfter Leistungsspitzen aufzutreten, zum einen durch die natürlichen Schwankungen bei Wind- und Sonnenenergie, zum anderen durch Nutzungen mit hoher Leistung wie etwa das Schnell-Laden von E-Mobilen.

Auf diese Gefahr wies der Geschäftsführer von Netz Burgenland, Florian Pilz, beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch des Forums Versorgungssicherheit am 11. Juni 2026 hin. Die Sprecherin des Forums Versorgungssicherheit, Brigitte Ederer, verglich die Lastspitzen mit einem Stau auf der Autobahn: „Schon eine relativ kleine Anzahl an Autos kann die Straßen verstopfen, wenn alle gleichzeitig losfahren. Wenn es gelingt, die Verkehrsströme zu entzerren, kann dagegen die Leistungsfähigkeit insgesamt erhöht werden.“

Neue Möglichkeiten umsetzen

Das neue E-Wirtschaftsgesetz hat die Grundlagen für eine Reihe von Flexibilisierungen geschaffen, betont Pilz, allerdings müssten sie erst noch konkret umgesetzt und in Teilen nachgeschärft werden. So wird es künftig möglich sein, dass Netzbetreiber eine Produktionsanlage nur mit einem Teil ihrer Erzeugerkapazität ans Netz nehmen, wenn dieses andernfalls überlastet wäre. Pilz: „Das ist ein großer Vorteil gegenüber der alten Alles-oder-nichts-Regelung. Aber bisher fehlen noch die Detailregelungen.“ Überdies, so Pilz, setzt das Gesetz die Frist, in der die Netzbetreiber den Vollausbau bewältigen müssen, zu knapp an: „Das kann in der Praxis dazu führen, dass der Anschluss dann doch verweigert werden muss, weil es sich nicht anders ausgeht.“

Ein wichtiges und lange Zeit umstrittenes Instrument ist die Spitzenkappung. Bei neuen oder erweiterten PV-Anlagen haben Netzbetreiber das Recht, die Einspeisung auf bis zu 70 Prozent der Modulspitzenleistung zu begrenzen. Langzeit-Messungen zeigen, dass PV-Anlagen die theoretische Maximalleistung ohnehin nur an wenigen Tagen im Jahr für kurze Zeit erreichen, erläutert Pilz: „Die Mengenverluste liegen im niedrigen einstelligen Prozentbereich, doch das Netz kann insgesamt deutlich mehr Strom aufnehmen. Es ist ein kleiner Verlust für die Einspeiser, aber ein großer Gewinn für das Stromnetz.“ Allerdings beurteilt Pilz die neue Regelung als noch nicht ausreichend: „Sie gilt nur für neue Anlagen, nicht für bestehende. Außerdem wäre es besser, nicht auf die installierte Modulleistung abzustellen, sondern auf die tatsächliche Einspeiseleistung.“

Staugefahr durch Gleichzeitigkeit

Flexibilität ist allerdings nicht nur bei der Produktion und Einspeisung von Strom nötig, sondern auch auf Seiten der Verbraucher. Hier können Lastspitzen entstehen, indem sehr viele Anwendungen mit hoher Leistung gleichzeitig gestartet werden. Pilz beschreibt eine hypothetische Extremsituation: „Wenn an einem kalten, windstillen und stark bewölkten Winterabend die Menschen aus dem Büro nach Hause kommen, alle gleichzeitig die Heizungen aufdrehen und die E-Mobile zum Laden anhängen, dann kann das die Netze an die Kapazitätsgrenze bringen“.

Um das Problem der Gleichzeitigkeit zu mildern, sieht das E-Wirtschaftsgesetz die Einführung von Leistungstarifen vor. Der Strompreis richtet sich dann nicht nur nach der verbrauchten Menge, sondern auch nach der maximal beanspruchten Leistung. Wer seinen Stromverbrauch klug plant und Leistungsspitzen vermeidet, soll damit auch seine Kosten optimieren. Pilz: „Wer beispielsweise sein E-Mobil unbedingt mit 22 Kilowatt in kurzer Zeit aufladen will, soll eine höhere Gebühr zahlen als jemand, der sich für langsames Laden mit 3 oder 4 Kilowatt entscheidet.“ Der Leistungstarif war eine langjährige Forderung der Netzbetreiber, allerdings muss er noch konkret umgesetzt werden: „Das ElWG hat nur den gesetzlichen Rahmen geschaffen. Wie das in der Praxis aussehen wird, muss erst noch von der E-Control in Verordnungen festgelegt werden.“

Speicher entlasten Netze

Zur Entlastung der Netze in Spitzenzeiten können auch Speicher eine wichtige Rolle spielen. Im E-Wirtschaftsgesetz werden erstmals Speicher auch als Systemkomponenten für die Netzstabilität anerkannt. Unter sehr strengen Bedingungen dürfen auch Netzbetreiber Speicher betreiben, wichtiger wird allerdings die Möglichkeit sein, dass Speicher von Marktteilnehmern systemdienlich betrieben werden können und dann von den Netzgebühren befreit werden. Pilz: „Leider gibt es gibt keine klare Definition von Systemdienlichkeit, hier muss ebenfalls erst der Regulator Klarheit schaffen.“

Die offenen Fragen sollen im Interesse der Versorgungssicherheit möglichst rasch geklärt werden, wünscht sich Pilz: „Wir werden den nötigen Netzausbau weiterhin zügig vorantreiben, aber wir müssen uns im Klaren sein, dass es dabei nicht nur um mehr Leitungen und mehr Umspannwerke geht. Wir müssen die Netze auch flexibler und damit effizienter machen, und dafür brauchen wir die richtigen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen.“

Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.

Rückfragen & Kontakt

Netz Burgenland
Gerhard Altmann
Telefon: +43 664 5125062
E-Mail: [email protected]

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