- 10.06.2026, 07:18:32
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EU vor Entscheidungswoche: Drei Beschlüsse prägen die Zukunft der europäischen Landwirtschaft
ARCHE NOAH fordert klares Bekenntnis der EU-Abgeordneten und von Minister Totschnig
Nächste Woche fallen in Straßburg drei wesentliche Entscheidungen über die Zukunft der Landwirtschaft in Österreich und Europa. Am Montagabend (15. Juni 2026) werden die Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht abgeschlossen. Gleichzeitig stimmt der Umweltausschuss des EU-Parlaments über einen weitreichenden Freibrief für die Neue Gentechnik (NGT) ab, zwei Tage später, am 17. Juni 2026, folgt die endgültige Abstimmung dazu im Parlaments-Plenum. „Wir stehen vor einer Richtungsentscheidung: Wollen wir eine starke, vielfältige Landwirtschaft oder wollen wir globalen Konzernen noch mehr Kontrolle über unsere Ernährung geben?“
, fragt Katherine Dolan, Expertin für Saatgutpolitik bei ARCHE NOAH, der österreichischen Gesellschaft für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt.
Ein weitgehender Freibrief für Pflanzen aus Neuer Gentechnik hätte unabsehbare Folgen für die biologische und gentechnikfreie Landwirtschaft. Sämtliche Regeln zum Schutz vor Gentech-Kontamination würden in der neuen „EU-NGT-Verordnung“ gestrichen, NGT-Pflanzen könnten zudem ohne Kennzeichnung und Risikoprüfung auf unseren Tellern landen. Gleichzeitig würde die Verordnung die Marktmacht großer Agrochemie-Konzerne stärken. „Die Neue Gentechnik ist ein Werkzeug, um mit Patenten die Kontrolle über wichtige Eigenschaften von Pflanzen zu erwerben. Konzerne könnten mittelständische Züchtungsbetriebe zunehmend aus dem Markt drängen und noch mehr Kontrolle über unsere Ernährung ausüben“, warnt Dolan.
Jüngste Recherchen des internationalen Bündnisses „No Patents on Seeds!“ zeigen einen alarmierenden Trend zur Monopolisierung natürlich vorkommender Genvarianten, die eine Resistenz gegen Pilz- oder Viruserkrankungen verleihen. Durch derartige Patente wird kleinen und mittelständischen Betrieben die Nutzung von wichtigen Resistenzen in ihrer Züchtung de facto versperrt. „Mit der neuen NGT-Verordnung würde patentiertes Saatgut in Europa von der Ausnahme zur Regel – mit gravierenden Folgen für den Wettbewerb, die Innovation und die Vielfalt“, warnt Katherine Dolan. „Mit der neuen NGT-Verordnung würde patentiertes Saatgut in Europa von der Ausnahme zur Regel – mit gravierenden Folgen für den Wettbewerb, die Innovation und die Vielfalt“
Neues EU-Saatgutrecht: Bürokratie gegen Biodiversität
Bei der letzten Verhandlungsrunde zum EU-Saatgutrecht werden kommende Woche die letzten Eckpunkte der „Verordnung über die Produktion und das Inverkehrbringen von Pflanzenvermehrungsmaterial“ festgelegt, insbesondere ob der bäuerliche Saatguttausch drastisch eingeschränkt wird, oder ob lokale Saatgutbetriebe mit unsinniger Bürokratie überlastet werden. „Während die EU-Landwirtschaftsminister:innen Konzernen einen Freibrief für Pflanzen-Patente und zur Freisetzung gentechnisch manipulierten Saatguts erteilen wollen, setzen sie auf möglichst strenge Auflagen für Bäuer:innen und andere Produzent:innen von vielfältigem Saatgut“, so ARCHE NOAH. „Unsere Landwirtschaft braucht sinnvolle Rahmenbedingungen statt unfairer Doppelstandards.
Angesichts der Klimakrise müssen wir die lokale Saatgutproduktion stärken.“
Der Ball liegt nun beim EU-Parlament. „Wir rufen alle österreichischen EU-Abgeordneten dringend auf, an den Abstimmungen zur Neuen Gentechnik teilzunehmen – für Wahlfreiheit und gegen Patente auf Saatgut“, fordert ARCHE NOAH. Beim neuen EU-Saatgutrecht muss der Chefverhandler des EU-Parlaments, der Südtiroler Herbert Dorfmann (Europäische Volkspartei, EVP), bei der letzten Verhandlung auf die Rechte der Bäuer:innen sowie auf eine vernünftige Begrenzung bürokratischer Auflagen bestehen. Auch Österreichs Norbert Totschnig darf im Rat der Landwirtschaftsminister:innen keine Verordnung akzeptieren, die beispielsweise den Tausch von Saatkartoffeln und Weinreben zwischen Landwirt:innen verbietet oder die lokale, kleinstrukturierte Saatgutproduktion erschwert. „Der Einfluss der Agrochemie-Lobby ist enorm. Unsere Politiker:innen müssen diesem Druck standhalten und klar für bäuerliche Rechte, Unabhängigkeit und Vielfalt eintreten“, so Katherine Dolan von ARCHE NOAH.
Rückfragen & Kontakt
ARCHE NOAH, Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der
Kulturpflanzenvielfalt
Axel Grunt
Leitung Kommunikation
Telefon: +43-680-2379245
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.arche-noah.at
Katherine Dolan
Leiterin des Bereichs Saatgutpolitik
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