• 08.06.2026, 06:52:02
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„Zukunft des Geschmacks in Gefahr“ – Europas Küchenchef:innen kritisieren EU-Saatgutgesetz

Verhandlungen über neues Saatgutrecht enden am 15. Juni 2026

Straßburg, Wien, Schiltern (OTS) - 

122 Küchenchef:innen und Gastronom:innen aus 19 europäischen Ländern warnen heute in einem offenen Brief an das EU-Parlament und die Landwirtschaftsminister:innen, dass Europa in eine Zukunft mit weniger Vielfalt, weniger Geschmack und mit einem weniger widerstandsfähigen Ernährungssystemen zu schlittern droht. „Unsere Küchen sind auf vielfältige, hochwertige und geschmackvolle Zutaten angewiesen. Diese entstehen aus einer reichen Vielfalt an Saatgut. Diese Vielfalt ist nicht nur für unsere Küche essenziell, sondern auch für kulturelles Erbe, Nachhaltigkeit und die Zukunft unserer Ernährung“, schreiben die Köch:innen. In einer Woche, am 15. Juni 2026, gehen die Trilog-Verhandlungen zum neuen EU-Saatgutrecht zwischen EU-Parlament, Kommission und den Landwirtschaftsminister:innen der Europäischen Union zu Ende.

„Moderne Kulturpflanzen werden häufig auf hohe Erträge und lange Haltbarkeit gezüchtet – meist auf Kosten von Geschmack und Nährwert“, beklagen die Köch:innen aus ganz Europa, darunter Sternekoch Paul Ivić vom Wiener „TIAN“, die Schweizer Naturköchin und Bio-Bäuerin Rebecca Clopath, Sternekoch Thomas Imbusch vom Hamburger Restaurant „100/200”, Haubenkoch Peter Fankhauser vom Tiroler „Guat'z Essen“, Jacob Holmström von „Restaurang Fyr” aus Schweden oder Paul Kolarik von der Wiener „Luftburg”, dem größten Bio-Restaurant der Welt.

„Mit dem neuen EU-Saatgutrecht droht wertvoller Geschmack von unseren Speisekarten zu verschwinden. Unser Ernährungssystem könnte zu einer Ein-Rezept-Küche werden“, warnt Paul Grabenberger, Saatgutrechts-Experte von ARCHE NOAH, der österreichischen Gesellschaft zur Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt.

Die Köch:innen fordern

  • das Recht der Landwirt:innen, ihr eigenes Saatgut anzubauen, auszutauschen und zu verkaufen;
  • Unterstützung für kleine und lokale Saatguterzeuger:innen;
  • Weitgehende Freiheiten statt bürokratischer Schikanen für Organisationen und Netzwerke, die traditionelle und regionale Sorten erhalten und weiterentwickeln.

Das Rezept für den Erhalt der Artenvielfalt: ein modernes EU-Saatgutrecht

Aus Sicht der unterzeichnenden Top-Köch:innen und -Gastronom:innen entscheiden die aktuellen Verhandlungen in Brüssel, welche Sorten überleben werden, was Landwirt:innen anbauen dürfen und was in Zukunft auf unseren Tellern landet. „Jede verlorene Sorte bedeutet einen verlorenen Geschmack, eine verlorene Tradition und ein verlorenes Stück unserer Zukunft“, erklären die Köch:innen in ihrem gemeinsamen Appell.

Paul Ivić, CEO und Küchenchef des vegetarischen Sternerestaurants TIAN in Wien sagt: „Ein starkes Europa lebt von Unabhängigkeit. Wir schützen Saatgut nicht, weil es um Samen geht. Wir schützen es, weil Vielfalt Freiheit schafft und unabhängige Bäuerinnen und Bauern Ernährungssicherheit für uns alle sichern. Wo Macht und Vielfalt in den Händen weniger konzentriert werden, geraten Demokratie und Ernährungssicherheit gleichermaßen in Gefahr.“ Und Paul Kolarik von der Wiener Luftburg ergänzt: „Die Zukunft der Wiener Küche entscheidet sich nicht nur in Restaurants, sondern bereits auf den Feldern und vor allem in der Verfügbarkeit von vielfältigem Saatgut.”

„Der offene Brief zeigt, dass das neue Saatgutrecht alle europäischen Bürger:innen betrifft“, sagt Paul Grabenberger von ARCHE NOAH. „Die Botschaft von Europas Küchenchef:innen ist ein klarer Aufruf an die EU-Politik, Saatgutvielfalt zu schützen und damit Ernährungssicherheit und kulinarische Vielfalt für kommende Generationen zu sichern.“

Zum offenen Brief: www.arche-noah.at/media/chefsletter.pdf

Die Liste der Unterzeichner:innen: www.arche-noah.at/media/2026_signs_chefs_letter.pdf

Rückfragen & Kontakt

ARCHE NOAH, Gesellschaft zur Erhaltung und Verbreitung der
Kulturpflanzenvielfalt

Axel Grunt
Leitung Kommunikation
+43 680 2379245
[email protected]

Paul Grabenberger
Experte für europäische Saatgutpolitik (in Brüssel)
+32 476 701527
[email protected]

Bildservice:
Download unter www.arche-noah.at/presse-medien/pressefotos
Anfragen an [email protected]

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