- 03.06.2026, 12:22:02
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WKÖ-Friseur:innen und Stylist:innen fordern Halbierung der Umsatzsteuer
Bundesinnungsmeister Wolfgang Eder: „Schieflage benachteiligt Arbeitgeberbetriebe, die für Beschäftigung und Ausbildung sorgen“ - Reduzierter Steuersatz gilt in vielen EU-Ländern
Ein drastischer Strukturwandel belastet Österreichs Friseur:innen und Stylist:innen: Die Zahl der Betriebe ist seit 2010 um 47 Prozent gestiegen, die Zahl der Beschäftigten im selben Zeitraum jedoch um ein Viertel (25 Prozent) gefallen. Ein Grund: Der Anteil der Ein-Personen-Unternehmen (EPU) ist rasant gestiegen - von 36,5 Prozent (2010) auf 57,8 Prozent (2025).
Der Druck auf die Branche steigt, denn das Geschäftsvolumen wird nicht größer. Allein 2025 ist der reale Umsatz um -3,4 Prozent zurückgegangen. Umso schwerer wiegt eine fiskalische Schieflage, die Arbeitgeberbetriebe systematisch benachteiligt. „Unsere Friseurbetriebe trifft die volle Umsatzsteuer von 20 Prozent, obwohl die Personalkosten 85 Prozent oder mehr ausmachen. Der Wareneinkauf ist bei uns viel geringer als in anderen Branchen, deshalb kommt der Vorsteuerabzug kaum zu tragen. Das belastet unsere Kundinnen und Kunden und ist so nicht mehr leistbar“, betont Wolfgang Eder, Bundesinnungsmeister der Friseur:innen und Stylist:innen in der WKÖ. Die Ungerechtigkeit betreffe genau jene Arbeitgeberbetriebe als Rückgrat der Branche, die für Beschäftigung, Ausbildung und das größte Steueraufkommen sorgen. Viele EPU sind nämlich aufgrund der Kleinunternehmerregelung gänzlich umsatzsteuerbefreit.
Die Branche hat deshalb in einem Schreiben an Bundesfinanzminister Markus Marterbauer die Halbierung des Steuersatzes von 20 auf 10 Prozent urgiert. Sie weist darauf hin, dass EU-rechtlich (EU-Richtlinie 2009/47/EG) explizit eine Ausnahme für Friseurdienstleistungen vorgesehen ist. Länder wie Irland, Portugal, Malta, Kroatien, Polen, Rumänien und Bulgarien machen davon Gebrauch.
Positiv für Ausbildung, Frauen und regionale Jobs
Die Auswirkungen einer halbierten Umsatzsteuer hat Stefan Jenewein von der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) analysiert: „Das wäre ein sehr positives Signal für Betriebe, die die Fachkräfte von morgen ausbilden, überdurchschnittlich viele Frauen beschäftigen und Wertschöpfung in ländlichen Regionen halten. Und es würden die Konsumentinnen und Konsumenten profitieren.“ Erfahrungswerte aus den Niederlanden hätten gezeigt, dass Friseurbesuche durch eine Steuersenkung leistbarer wurden. Zudem könnte die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen verringert werden. Für den Staat würde sich die Maßnahme zu einem großen Teil selbst finanzieren, denn jetzt wird rund jeder fünfte Euro schwarz erwirtschaftet. Laut Schätzungen betrug der Umsatz in der Schattenwirtschaft 2022 mehr als 205 Mio. Euro. Davon könnte ein relevanter Teil in den offiziellen Wirtschaftskreislauf zurückgeholt werden. Die Steuereinbußen für den Staat würden unterm Strich nur rund 25 Mio. Euro ausmachen.
6 von 10 Befragten sind dafür
Auf Beifall der Bevölkerung würde die Maßnahme stoßen: „Das Ergebnis ist eindeutig: Sechs von zehn Befragten sprechen sich für die Umsatzsteuerreduktion aus. Nur ein Viertel ist dagegen“, sagt David Pfarrhofer vom market-Institut, das Ende Mai 1003 Personen dazu befragt hat. Die Österreicher:innen versprechen sich eine Stärkung der Friseurbetriebe (62 Prozent), leistbarere Services (59 Prozent) sowie mehr Ausbildungsbetriebe (55 Prozent). 48 Prozent sehen geringere Anreize für Pfusch. Die Sorge ist, dass der Schritt Begehrlichkeiten bei anderen wecken könnte oder anderswo eingespart werden müsste (74 bzw. 50 Prozent). Ein Drittel der Österreicher:innen (35 Prozent) würde in der Folge auch häufiger zum Friseur gehen – mit deutlichem Übergewicht bei Jüngeren: Unter den 16 bis 29-Jährigen würden sich sogar 54 Prozent häufiger verschönern lassen.
Absicherung für Fachkräftenachwuchs
Sorgen bereitet den Branchenvertretern auch der Nachwuchs an Fachkräften: Die Zahl der Lehrlinge im Beruf Friseur:in/ Stylist:in hat sich seit der Corona-Pandemie nicht mehr erholt. Zusätzlich zur Demographie (weniger junge Menschen) trägt dazu bei, dass EPU und Betriebe mit eingeschränkter Gewerbeberechtigung keine Lehrlinge ausbilden. Eder: „Es gibt immer weniger Betriebe, die für die Ausbildung in Frage kommen. Der personelle und finanzielle Aufwand wird größer, weil häufig schulische Defizite kompensiert werden müssen. Sie leisten einen wertvollen Dienst für die Allgemeinheit, die Unterstützung der öffentlichen Hand wird aber weniger. Das geht sich für viele Betriebe nicht mehr aus.“
Eder fordert deshalb eine nachhaltige und dauerhafte Absicherung der Lehrstellenförderung: „Die Betriebe zahlen höhere Lehrlingseinkommen, damit die Lehre attraktiv bleibt. Jetzt muss auch der Staat seine Zusagen einhalten. Wir können den jungen Menschen zukunftssichere Jobs bieten, denn eines ist fix: Künstliche Intelligenz wird auch künftig keine Haare schneiden oder färben.“ (PWK265/HSP)
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