- 03.06.2026, 12:15:05
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Wind und Sonne können starke Rückgänge bei Wasserkraft noch nicht kompensieren
Die im April stark reduzierte Wasserkrafterzeugung führte zu einer größeren Abhängigkeit von Stromimporten.

Dies unterstrich die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Systemverständnisses.
Wasserkraft bildet das Rückgrat der erneuerbaren Stromerzeugung in Österreich, aber sie unterliegt wetterbedingten Schwankungen. In Monaten mit geringerer Wasserkraftproduktion steigt das Erfordernis, alternative Quellen nutzen zu können. In Österreich führt der Rückgang meist zu einer Steigerung der Stromimporte. Gerade in solchen Phasen gewinnt ein leistungsfähiges Stromnetz an Bedeutung für die Versorgungssicherheit. Um die Energiewende langfristig nachhaltig und leistbar zu gestalten, braucht es daher ein ganzheitliches Systemverständnis, das über die reine Betrachtung von Erzeugungskapazitäten hinausgeht.
Massiver Rückgang bei Wasserkraft
Wasserkraft verzeichnete im überwiegend trockenen, niederschlagsarmen April (KW 14-18) einen deutlichen Rückgang von 12,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Windkraftproduktion war im Monatsverlauf volatil und um 1,3 Prozent niedriger als im Vorjahres-April; mit Spitzen vor allem zu Monatsanfang und in Kalenderwoche 17. Dagegen konnte die Photovoltaikproduktion im sonnigen April um 18,1 Prozent deutlich zulegen und steigerte sich Woche für Woche. Aufgrund ihrer Produktionscharakteristik im Tagesverlauf ist sie jedoch allein kein echter Ersatz, um die Ausfälle der Wasserkraft auszugleichen. Insgesamt ging die erneuerbare Produktion (4.634 GWh) um 5,1 Prozent im Jahresvergleich zurück.
„Die österreichische Stromerzeugung stützt sich zu mehr als 60 Prozent auf Wasserkraft – doch zunehmende Wetterextreme setzen diesem Fundament spürbar zu. 2025 zählte bereits zu den niederschlagsärmsten Jahren, und 2026 entwickelt sich noch schlechter. Im April lag die Produktion um 12,4 Prozent unter dem Vorjahr. Sinkt die Wasserkrafterzeugung, steigt Österreichs Abhängigkeit von Stromimporten – wie im April. Damit Sonne und Wind die Trockenheit kompensieren könnten, müssten sie abgestimmt mit Netzen und Speichern massiv ausgebaut werden. Ergänzend braucht es eine intelligente Steuerung des Stromsystems, um mit Flexibilitäten – auch von Kundenseite – die Volatilitäten von Wind und Sonne auszugleichen“, sagt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher von Austrian Power Grid (APG).
Redispatch auf hohem Vorjahresniveau
Im Zuge des Engpassmanagements fielen kumuliert Kosten in der Höhe von 17,6 Millionen Euro bis Ende April 2026 an (Vergleich: ebenso 17,6 Mil. Euro kumuliert bis Ende April 2025). Eingriffe waren im April an 19 Tagen (Vergleich: 16 Tage im April 2025) notwendig. Durch das Abregeln von erneuerbarer Erzeugung gingen im April 1.448 MWh „verloren“, wobei hauptsächlich Laufwasser abgeregelt werden musste (1.000 MWh) und es sich bei der Restmenge um Wind handelte.
Dieses Redispatch-Erfordernis unterstreicht einmal mehr die dringende Notwendigkeit einer kapazitätsstarken Netzinfrastruktur und einer gesamthaften Systembetrachtung.
„Wie der jüngste Rechnungshofbericht bestätigt, ist es dringend erforderlich, der Energiewende eine gesamtsystemische Planung zu Grunde zu legen. Der fundamentale Umbau des Energiesystems, in dem der Ausstieg aus fossilen Erzeugungstechnologien und der weitere Bedarf durch Wind- und Sonnenstrom gedeckt werden sollen, erfordert einen massiven Ausbau der Stromnetze. Mit der Aussage, Wind und Sonne schicken keine Rechnung, hat man nicht die gesamte Dimension der Energiewende kommuniziert. Man hat vergessen dazuzusagen, welche großen Summen für den Ausbau der Stromnetze, der Speicherkapazitäten sowie der Digitalisierung notwendig sind, um den Strom aus Erneuerbaren auch voll nutzen zu können. Es geht nicht mehr nur um Megawatt und Megawattstunden, sondern um ein ganzheitliches Systemverständnis, um die Transformation nachhaltig und leistbar zu gestalten“, betont Gerhard Christiner.
Über Austrian Power Grid (APG)
Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit, sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt, instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst. Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67 Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben. Auch 2025 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro 2026 (2025:595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren.
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