• 03.06.2026, 10:21:32
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WKÖ-Fachverband UBIT begrüßt Schwerpunkt der Bundesregierung zu digitaler Souveränität

Aber: Digitale Unabhängigkeit braucht Investitionen

Wien (OTS) - 

Der Fachverband Unternehmensberatung, Buchhaltung und IT in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) begrüßt die Ankündigungen von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll, digitale Souveränität stärker als Standort- und Sicherheitsfrage zu verankern. Aus Sicht der UBIT ist damit ein zentrales Zukunftsthema der österreichischen Wirtschaft am richtigen politischen Ort angekommen. Entscheidend sei nun aber, dass aus strategischen Bekenntnissen konkrete Maßnahmen werden.

„Digitale Souveränität darf kein Schlagwort bleiben. Wenn Österreich und Europa bei Cloud, Daten, KI, Cybersecurity und digitaler Infrastruktur handlungsfähig bleiben wollen, dann muss die Politik jetzt die Rahmenbedingungen schaffen, damit heimische Anbieter, Forschungseinrichtungen und Talente auch tatsächlich gestärkt werden“, sagt Wilfried Drexler, Obmann des Fachverbands UBIT. „Wer digitale Souveränität fordert, muss sie auch ermöglichen. Das beginnt bei der öffentlichen Beschaffung, geht über Förderungen für KMU bis hin zu Investitionen in Infrastruktur, Rechenzentren, IT-Sicherheit, Forschung und Ausbildung.“

Digitale Souveränität braucht Universitäten und Fachkräfte

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über mögliche massive Kürzungen der Universitätsbudgets warnt die UBIT davor, digitale Souveränität nicht nur industriepolitisch, sondern auch bildungs- und forschungspolitisch zu denken. Österreich könne nicht gleichzeitig mehr technologische Unabhängigkeit, mehr KI-Kompetenz und mehr Cybersecurity verlangen und dort sparen, wo die Grundlagen dafür entstehen: bei Universitäten, Forschungseinrichtungen und der Ausbildung künftiger IT-Fachkräfte. Insbesondere die Limitierung von IT-Studienplätzen steht dem entgegen.

„Wenn wir digital souverän auftreten wollen, muss die Politik verstehen, dass sie digitale Kompetenz nicht nur fordern, sondern auch finanzieren muss“, so Drexler. „In der Agrarwirtschaft ist das gelebte Praxis: Wenn wir lokale Bauern stärken wollen, braucht es Unterstützung. Wenn wir Forschung in Europa wollen, müssen wir Universitäten und Einrichtungen stärken. Und wenn wir digitale Souveränität wollen, müssen wir in IT-Infrastruktur, Ausbildung, Forschung und qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren.“

Gerade Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, Cloud-Infrastruktur und Datenkompetenz seien keine abstrakten Zukunftsthemen, sondern konkrete Standortfaktoren. Ohne ausreichend ausgebildete Fachkräfte, starke Hochschulen und angewandte Forschung drohe Österreich in entscheidenden Technologiefeldern weiter von außereuropäischen Anbietern abhängig zu werden.

Öffentliche Hand muss mit gutem Beispiel vorangehen

Aus Sicht der UBIT muss der Staat bei digitaler Souveränität selbst stärker Verantwortung übernehmen. Öffentliche Stellen sollten bei sensiblen Daten und kritischen digitalen Anwendungen konsequent auf Lösungen setzen, die Daten sicher auf Servern innerhalb der Europäischen Union speichern und damit dem europäischen Rechtsrahmen unterliegen. Ziel müsse sein, zentrale Informationen dem Zugriff fremder Staaten zu entziehen und zugleich europäische Technologiekompetenz zu stärken.

„Es geht nicht um digitale Autarkie, sondern um digitale Selbstbestimmung“, betont Drexler. „Österreich braucht eine Bewusstseins-Offensive für digitale Souveränität. Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und öffentliche Stellen müssen besser verstehen, was es bedeutet, Kontrolle über eigene Daten, Infrastruktur und digitale Wertschöpfung zu behalten.“

Heimische IT-Wirtschaft als Schlüssel zur Souveränität

Der IT-Bereich innerhalb der UBIT verweist darauf, dass digitale Souveränität nicht allein durch neue Strategiepapiere entsteht, sondern durch konkrete Nachfrage, faire Vergabepraxis und Investitionen in heimische Anbieter. Österreich verfüge über leistungsfähige IT-Dienstleister, Rechenzentren, Cloud-Anbieter, Beratungsunternehmen und Cybersecurity-Expertise. Diese müssten jedoch in der Praxis stärker einbezogen werden.

„Wenn die öffentliche Hand über digitale Souveränität spricht, muss sie heimische und europäische IT-Lösungen auch aktiv nutzen“, sagt Martin Puaschitz, IT-Sprecher des Fachverbands UBIT. „Es reicht nicht, mehr Unabhängigkeit zu verlangen, während Beschaffung und Investitionslogik weiterhin internationale Großanbieter bevorzugen. Digitale Souveränität entsteht dort, wo österreichische Unternehmen faire Chancen bekommen, kritische digitale Leistungen zu erbringen.“

Puaschitz warnt zugleich davor, digitale Souveränität falsch zu verstehen: „Der Staat soll nicht selbst in Konkurrenz zum freien Markt Rechenzentren betreiben. Das wäre nicht wirtschaftlich und würde bestehende heimische Anbieter schwächen. Die bessere Antwort ist: öffentliche Stellen müssen österreichische und europäische IT-Dienstleister gezielt nutzen, ihre Leistungen beschaffen und damit Wertschöpfung, Know-how und Sicherheit im Land halten.“

„Souveränität kostet Geld, Abhängigkeit kostet mehr“

Drexler verweist darauf, dass digitale Souveränität nicht zum Nulltarif zu haben sei. „Rechenzentren kosten Geld, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kosten Geld, Ausbildung kostet Geld und Forschung kostet Geld. Aber strategische Abhängigkeit kostet langfristig mehr. Wer heute bei digitalen Kompetenzen spart, zahlt morgen mit weniger Wettbewerbsfähigkeit, weniger Sicherheit und weniger Innovationskraft.“

Der Fachverband sieht in der stärkeren Fokussierung auf digitale Souveränität auch eine industriepolitische Chance für Österreich. Mehr heimische IT-Wertschöpfung bedeute mehr Sicherheit, mehr Wissen, mehr Innovationskraft und mehr Wettbewerbsfähigkeit.

„Am Ende geht es um mehr IT-Security, mehr KI-Kompetenz und mehr digitale Wertschöpfung in Österreich“, so Puaschitz. „Die Studie zeigt, dass das Bewusstsein in den Unternehmen vorhanden ist. Jetzt braucht es politische Umsetzungskraft, damit aus Bewusstsein konkrete Veränderung wird. Digitale Souveränität entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch Aufträge, Investitionen und Ausbildung.“ (PWK264/JHR)

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