- 02.06.2026, 09:30:38
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Netzausbau und Biodiversität gemeinsam denken: APG-Naturschutztagung 2026 setzt auf Dialog und neue Lösungsansätze
Rund 100 Expert:innen nutzten in Lienz die Gelegenheit für gegenseitigen Erfahrungsaustausch

Wie lassen sich Energiewende, Versorgungssicherheit und Biodiversität wirksam miteinander verbinden? Mit dieser zentralen Frage beschäftigten sich rund 100 Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Wissenschaft, NGOs und Wirtschaft bei der Naturschutztagung der Austrian Power Grid (APG), die am 19./20. Mai in Lienz stattfand. Im Fokus standen innovative Ansätze, wie Infrastrukturflächen sicher und effizient betrieben und gleichzeitig ökologisch aufgewertet werden können.
„Im Rahmen unserer Naturschutztagung laden wir seit 2016 dazu ein, miteinander zu diskutieren, einander zuzuhören und gemeinsam über neue Lösungsansätze zur Förderung von Biodiversität und Artenschutz nachzudenken. Als Übertragungsnetzbetreiber sind wir für die sichere Stromversorgung in Österreich verantwortlich. Im Zentrum unseres Handelns steht daher immer die Betriebssicherheit. Wenn wir im Rahmen unserer Aus- und Umbauprojekte in die Natur eingreifen, ist es für uns selbstverständlich, dass wir auch wieder etwas zurückgeben. Dafür gibt es bei uns das Habitatmanagement, das sich u.a. um Renaturierungsmaßnahmen kümmert,“ betont Gerhard Christiner, Vorstandssprecher der APG, deren Netzinfrastruktur sich österreichweit über rund 3.500 Kilometer Stromtrassen erstreckt.
9 Milliarden Euro für Versorgungssicherheit und leistbare Energiewende
Christiner konstatiert: „In den kommenden zehn Jahren werden wir insgesamt neun Milliarden Euro in den Ausbau und die Verstärkung unseres überregionalen Stromnetzes investieren. Denn Österreich braucht die Energiewende und die braucht den Netzausbau: Für mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung genauso wie für eine nachhaltige Stromversorgung aus Erneuerbaren und die Verfügbarkeit von preisgünstigem Strom. Gleichzeitig brauchen wir mehr Biodiversität, mehr ökologische Qualität und mehr Schutz für Arten und Lebensräume. Allein 2026 investieren wir österreichweit 680 Millionen Euro in Leitungen und Umspannwerke. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Gelingen der versorgungssicheren, leistbaren Energiewende. Und wir verfolgen konsequent das Ziel, Eingriffe in die Natur so gering wie möglich zu halten und unvermeidbare Auswirkungen durch umfassende Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen zu kompensieren.“
„Natur auf Zeit“: Freiwilliges Engagement ermöglichen
Zum Auftakt der Tagung wurde deutlich: Energieinfrastruktur und Natur können einander ergänzen, ungenutzte Unternehmensflächen weit mehr sein als rein funktionale Räume – sie bieten die Chance, Rückzugsräume zu schaffen, Trittsteinbiotope zu entwickeln und ökologische Korridore zu stärken.
Ein zentrales Thema der Tagung war der noch wenig etablierte Ansatz „Natur auf Zeit“. Darunter versteht man die zeitlich befristete ökologische Aufwertung von Flächen, ohne dass dadurch die spätere rechtmäßige Nutzung dauerhaft eingeschränkt wird. Gerade ungenutzte oder nur eingeschränkt genutzte Unternehmensflächen können auf diese Weise vorübergehend wertvolle Lebensräume schaffen – etwa für Blühpflanzen, Pionierarten, Insekten, Amphibien oder spezialisierte Vogelarten. Unternehmen müssen darauf vertrauen können, dass sie Flächen später wieder entsprechend ihrer betrieblichen Erfordernisse nutzen können, ohne durch zwischenzeitlich entstandene naturschutzfachliche Aufwertungen eingeschränkt zu werden. In Bayern und Niederlande bestehen bereits entsprechende rechtliche Lösungen, in Österreich gewinnt das Thema erst seit Kurzem an Aufmerksamkeit.
Praxis, Regulierung und innovative Pflegekonzepte
Weitere Programmpunkte widmeten sich der Umsetzung der EU-Renaturierungsverordnung sowie konkreten Praxisbeispielen. Vorgestellt wurden unter anderem Pflegekonzepte, mit denen Infrastrukturflächen ökologisch aufgewertet und gleichzeitig betrieblich effizient bewirtschaftet werden können.
Etwa in Form der Trassenpflege mithilfe von Schafen und Ziegen: Durch den Einsatz von Weidetieren können Lebensraumstrukturen gezielt erhalten oder geschaffen und die Vielfalt von Flora und Fauna gestärkt werden. Ein weiteres Beispiel für gezieltes Habitatmanagement ist die Errichtung von Fischwanderhilfen. Naturnahe Umgehungsgewässer ermöglichen Fischen eine sichere Wanderung und schaffen zugleich neue Laich- und Rückzugsräume.
Spürhunde & Flussaufweitung
Ebenfalls am Programm standen zwei spannende Exkursionen, die erste stellte die Arbeit des Vereins Naturschutzhunde vor. Speziell trainierte Hunde sind nicht nur aus der Polizeiarbeit bekannt. Auch im Naturschutz können sie wertvolle Dienste leisten – etwa bei der Suche nach Tierarten, Nestern oder Spuren. Diese Methode ermöglicht besonders präzise und effiziente Erhebungen und kann dazu beitragen, Lebensräume möglichst störungsarm zu untersuchen. Großes Potenzial bieten Monitoring- und Schutzmaßnahmen. Ausgebildete Hunde können etwa eingesetzt werden, um bei der Kartierung von Trassen Fledermäuse aufzuspüren.
Die zweite Exkursion führte in das Europaschutzgebiet Obere Drau 2 in Obergottesfeld (Kärnten), das zu den bedeutendsten naturnahen Flusslandschaften Österreichs zählt. Die Obere Drau gilt als Vorzeigebeispiel für gelungene Renaturierung und nachhaltige Flussraumbewirtschaftung.
Dialog als Schlüssel
Ein wesentliches Ziel der APG-Naturschutztagung ist der Austausch zwischen unterschiedlichen Perspektiven. Vertreterinnen und Vertreter aus Ministerien, Behörden, internationalen Netzbetreibern, Umweltorganisationen und Universitäten nutzen die Plattform für Dialog und Vernetzung.
Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen am Beispiel Salzburgleitung
Die APG-Salzburgleitung wurde im Juni 2025 in Betrieb genommen. Bei deren Planung wurden höchste Ansprüche an den Schutz der Natur gestellt. Auf etwa 1.100 Hektar, einer Fläche, die doppelt so groß ist wie der Attersee, wurden in Salzburg fast 200 Ausgleichsmaßnahmen für Flora und Fauna umgesetzt. Dazu zählen Schutzwaldprojekte sowie Renaturierungsmaßnahmen im Ursprunger Moor, im Bereich Tauglboden und in der Taugl Au sowie in der Weitwörther Au. Im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen wurde auch ein in dieser Form einzigartiges Artenschutzprojekt für das geschützte Auerhuhn auf einer Fläche von rund 600 Hektar – vornehmlich im Pongau und im Pinzgau – realisiert. Wichtigster Aspekt dabei ist die Verbesserung des Naturraums für Auerhühner, etwa durch die Auflichtung von Baumbeständen. Zudem wurden im gesamten Trassenbereich Lebensräume für Amphibien und Reptilien geschaffen. APG investierte im Zuge des Baus der Salzburgleitung mehr als 47 Millionen Euro in Naturschutzmaßnahmen und den Erhalt der Biodiversität im Bundesland Salzburg.
Auf einen Blick:
- 601 ha CEF-Maßnahmen für das Auerhuhn
- 361 ha Ersatzleistungen nach SNSchG
- 103 ha Altholzzellen
- 22 ha Waldverbesserungsmaßnahmen
- 1 ha Schmetterlingswiese Gschwandtnerberg
- 127 km Leitung mit Vogelschutzmarkierungen
- 203 neue Lebensräume für Amphibien und Reptilien (Teiche und Strukturmaßnahmen)
Über Austrian Power Grid (APG)
Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit, sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt, instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst. Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67 Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben. Auch 2025 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 680 Millionen Euro 2026 (2025:595 Mio., 2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind Wirtschaftsmotor und wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2035 rund 9 Milliarden Euro in den Netzaus- und Umbau investieren.
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Mag. (FH) Mara Schwarz-Mitrovic
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