- 02.06.2026, 09:16:32
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Welttag der Essstörungen: ÖBVP fordert mehr Sichtbarkeit und frühen Zugang zu Psychotherapie
Von Anorexie bis Orthorexie – viele Störungsbilder bleiben unerkannt und unbehandelt
Anlässlich des Internationalen Tages der Essstörungen am 2. Juni macht der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) auf eine besorgniserregende Realität aufmerksam: Essstörungen – insbesondere Anorexia nervosa – zählen laut dem National Institute of Mental Health zu den psychischen Erkrankungen mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Dennoch werden sie zu oft zu spät erkannt. Neben bekannten Krankheitsbildern wie Anorexie und Bulimie rücken Binge-Eating sowie Adipositas zunehmend in den Fokus, ebenso neuere Entwicklungen wie ARFID oder Orthorexie. Viele dieser Formen bleiben unterdiagnostiziert oder werden nicht als behandlungsbedürftig wahrgenommen, obwohl sie häufig mit erheblichem Leidensdruck verbunden sind.
Die World Health Organization betont, dass insbesondere Mädchen und junge Frauen betroffen sind. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Essstörungen bei Männern häufig später erkannt werden. Weniger sichtbare Formen werden oft diagnostiziert, wenn bereits erheblicher Leidensdruck besteht. Dabei verbessert eine frühe Behandlung die Heilungschancen nachweislich.
Zunehmend relevant ist auch der Einfluss digitaler Medien. Soziale Netzwerke vermitteln oft idealisierte Körper-, Ernährungs- und Lebensbilder, die soziale Vergleichsprozesse fördern und insbesondere bei vulnerablen Menschen Druck erzeugen. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen dem Konsum körperbildorientiert Inhalte, Körperunzufriedenheit, restriktivem Essverhalten und psychischen Belastungen.
„Essstörungen sind komplexe psychische Erkrankungen, die weit über das klassische Bild hinausgehen und oft lange unerkannt bleiben", sagt Barbara Haid, Präsidentin des ÖBVP. „Solange das Versorgungssystem nur die sichtbarsten Formen im Blick hat, werden viele Betroffene schlicht nicht erreicht. Das müssen wir ändern."
Aus psychotherapeutischer Perspektive stehen bei Essstörungen zentrale psychische Mechanismen im Vordergrund, insbesondere Emotionsregulation, Selbstwert sowie Angst- und Kontrollprozesse. Diese werden durch individuelle Belastungen ebenso beeinflusst wie durch gesellschaftliche Normen und digitale Vergleichsdynamiken. Psychotherapie ermöglicht es, diese komplexen Zusammenhänge zu verstehen und gezielt zu bearbeiten. Ohne sie besteht ein hohes Risiko der Chronifizierung oder einer Verschiebung der Symptomatik.
Besonders bei der Binge-Eating-Störung und Adipositas spielen psychische Belastungen häufig eine zentrale Rolle, welche durch gesellschaftliche Stigmatisierung und idealisierte Körpernormen verstärkt werden.
„Scham, Schuldgefühle und ständiger sozialer Vergleich erschweren es vielen Betroffenen, Unterstützung zu suchen", sagt Ines Gstrein, Vizepräsidentin des ÖBVP. „In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Symptome nicht erkannt oder falsch eingeordnet werden und dass dieser verzögerte Behandlungsbeginn langfristige Folgen hat. Frühzeitiger Zugang zu Psychotherapie ist medizinische Notwendigkeit."
Der ÖBVP möchte am Welttag der Essstörungen auf bestehende Versorgungslücken aufmerksam machen. Es braucht konkrete Maßnahmen, damit Menschen mit Essstörungen rechtzeitig die richtige Behandlung bekommen:
einen niederschwelligen und kassenfinanzierten Zugang zu Psychotherapie
bessere Früherkennung durch entsprechend geschulte Berufsgruppen
eine konsequente Entstigmatisierung aller Formen von Essstörungen
die breitere fachliche und öffentliche Anerkennung bislang wenig beachteter Störungsbilder wie beispielsweise Orthorexie
Essstörungen sind gut behandelbar, vorausgesetzt, sie werden rechtzeitig erkannt und psychotherapeutisch begleitet. Der ÖBVP sieht es als gesellschaftliche Verantwortung, diese Versorgung für alle Betroffenen sicherzustellen.
Rückfragen & Kontakt
Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie
Fabienne Patek, MSc
Telefon: +43 676 306 59 41
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.psychotherapie.at
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