- 01.06.2026, 13:35:02
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ÖGB: Lohntransparenz schafft Fairness statt „Bürokratie-Mythen“ – IV verunsichert Betriebe unnötig
Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) weist die jüngsten Aussagen von IV-Chef Georg Knill zur EU-Lohntransparenzrichtlinie entschieden zurück. Die Darstellung, die Richtlinie sei ein „Bürokratiemonster“ mit „150 Seiten und zwei Kilo Bürokratie“, mag plakativ formuliert sein, hält einer sachlichen Betrachtung jedoch nicht stand.
Tatsächlich umfasst die Richtlinie lediglich 24 Seiten einschließlich der Erwägungsgründe. Ihr Ziel ist es, geschlechtsspezifische Lohnunterschiede sichtbar zu machen und gleiche Bezahlung für gleiche und gleichwertige Arbeit durchzusetzen. Die Darstellung der Industriellenvereinigung wirkt daher eher wie eine gezielte Dramatisierungskampagne als wie eine seriöse Auseinandersetzung mit dem tatsächlichen Inhalt der Richtlinie.
„Hier wird mit großer rhetorischer Kraft ein sehr kleines Regelwerk sehr groß erzählt“, sagt ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth.
Besonders kritisch sieht Schuberth die von der Industrie ins Spiel gebrachte Forderung nach einem „Stop-the-clock“-Ansatz bei der Umsetzung der Richtlinie. Klar festzuhalten ist: Die Europäische Kommission habe erst vor wenigen Tagen bekräftigt, dass es keine Verschiebung („Stop-the-clock“) und keine Aufnahme der Lohntransparenzrichtlinie in ein Omnibus-Paket geben werde. Die Richtlinie sei schließlich bewusst als zentrales Instrument zur Verwirklichung des Rechts auf gleiches Entgelt für Frauen und Männer konzipiert – und soll auch als solches umgesetzt werden.
„Transparenz ist kein Bürokratiemonster, sondern die Voraussetzung für gleiche Bezahlung und echte Gleichstellung. Viele Unternehmen sind derzeit zwar noch unterschiedlich gut vorbereitet, das ist jedoch kein Argument gegen die Umsetzung der Richtlinie, sondern für gezielte Unterstützung bei der Umsetzung“, so Schuberth.
Statt Betriebe konstruktiv auf die neuen Transparenzpflichten vorzubereiten, sorgten Arbeitgebervertreter mit überzogenen Warnungen vor allem für Verunsicherung. Lohntransparenz bringt Fairness. Wer fair bezahlt, hat auch nichts zu befürchten.
Der ÖGB fordert eine rasche und vollständige Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie ohne weitere Verzögerungen.
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