• 21.05.2026, 10:00:36
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40 Jahre Tschernobyl

70 Jahre Radiojodtherapie zur Behandlung von Schilddrüsenkarzinomen in Österreich

Wien (OTS) - 

Vier Jahrzehnte nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl rücken die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Besonders deutlich zeigt sich der Zusammenhang zwischen radioaktiver Exposition und Schilddrüsenerkrankungen: In den Jahren nach 1986 wurde ein signifikanter Anstieg von Schilddrüsenkarzinomen, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen in den betroffenen Regionen, dokumentiert [1].

Die Schilddrüse reagiert empfindlich auf radioaktives Jod, das nach nuklearen Ereignissen freigesetzt wird und sich selektiv in der Schilddrüse anreichert. Paradoxerweise nutzt die moderne Medizin genau diesen Mechanismus gezielt zur Behandlung differenzierter Schilddrüsenkarzinome. Seit Jahrzehnten stellt die Radiojodtherapie einen zentralen Bestandteil der Therapie dar, insbesondere nach operativer Entfernung des Tumors. Bereits seit 1955 - 1956 wurden in Österreich hochdosierte Radiojodtherapien zur Behandlung von Schilddrüsenkarzinomen eingesetzt [2].

Dabei wird radioaktives Jod in definierter Menge (Aktivität) verabreicht, um verbliebene Tumorzellen gezielt mit adäquaten Herddosen zu zerstören, während umliegendes Gewebe weitgehend geschont wird. Über die Jahrzehnte haben sich Indikationen, Dosierungen und Therapieschemata erheblich verändert. Während früher Standarddosen unabhängig von Risikoprofilen verabreicht wurden, setzen moderne Leitlinien [3,4] auf eine individualisierte Therapie, um Nebenwirkungen zu minimieren und die Effektivität zu maximieren.

Der Vergleich zwischen unkontrollierter Strahlenexposition, wie nach Tschernobyl, und der gezielten medizinischen Anwendung unterstreicht die Bedeutung von Dosis, Kontrolle und medizinischer Expertise im Umgang mit radioaktiven Substanzen. Die Radiojodtherapie ist heute eine sichere, zielgerichtete und evidenzbasierte Therapie des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms – ein entscheidender Fortschritt für Patient:innen weltweit.

  1. Tronko MD, et al. A cohort study of thyroid cancer and other thyroid diseases after the Chornobyl accident: Thyroid cancer in Ukraine detected during first screening. J Natl Cancer Inst. 2006;98:897-903.

  2. Czech P, Die Anfänge der Radiojodtherapie in Österreich. Nuklearmedizin. 2000;39:45–50.

  3. Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom, 2023.
  4. Haugen BR, et al. 2025 American Thyroid Association Guidelines for Management of Differentiated Thyroid Cancer.Thyroid 2025.

Priv.-Doz. Dr. Gundula Rendl PhD MSc, Leiterin der Schilddrüsen-AG der OGNT, Geschäftsführende Oberärztin der Universitätsklinik für Nuklearmedizin und Endokrinologie,Uniklinikum der PMU Salzburg

Rückfragen & Kontakt

OGNT - Österreichische Gesellschaft für Nuklearmedizin und
Theranostik
Petra Wurzinger, MA
Telefon: 018904427
E-Mail: [email protected]
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