• 18.05.2026, 09:30:33
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Tag der Notfallmedizin

Kritisch kranke Notfallpatient:innen außerhalb der Intensivstation: Österreichweite Umfrage soll Optimierungsmöglichkeiten sichtbar machen

Wien/Linz (OTS) - 

Wenn kritisch kranke Notfallpatient:innen in ein Krankenhaus eingeliefert werden, entscheidet oft die erste Phase der Behandlung über den weiteren Krankheitsverlauf. Die Versorgung solcher Patienten außerhalb der klassischen Intensivstation, etwa in Notaufnahmen, ist in Österreich bislang jedoch nicht einheitlich strukturiert.

Mit der Einführung der Spezialisierung Akut- und Notfallmedizin wurde ein zentraler Schritt gesetzt, um die personellen Voraussetzungen für eine moderne innerklinische Notfallversorgung in Österreich zu schaffen. Nun gilt es, auch die entsprechenden strukturellen Rahmenbedingungen zu etablieren – denn eine qualitativ hochwertige Versorgung kritisch kranker Notfallpatient:innen darf nicht vom jeweiligen Standort abhängen.

Neue Daten für bessere Notfallversorgung

Eine neue österreichweite Umfrage soll nun erstmals systematisch erfassen, wie diese Versorgungsbereiche organisiert sind und wo strukturelles Optimierungspotential besteht. Die Erhebung startet am 27. Mai 2026, dem Tag der Notfallmedizin und wird von der ÖGARI gemeinsam mit der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU), der Austrian Association of Emergency Medicine (AAEM), der Österreichischen Gesellschaft für Internistische und Allgemeine Intensivmedizin und Notfallmedizin (ÖGIAIN) sowie dem Verband der intensivmedizinischen Gesellschaften Österreichs (FASIM) durchgeführt.

Frühversorgung als entscheidender Faktor

Daten aus Österreich, unter anderem aus dem AKH Wien und dem Kepler Universitätsklinikum Linz, zeigen, dass eine frühe intensivmedizinische Versorgung von kritisch kranken Notfallpatienten bereits in der Notaufnahme entscheidend sein kann. Sie trägt zur raschen Stabilisierung bei, kann die Aufnahme auf eine Intensivstation vermeiden und die Überlebenschancen verbessern.

»Wir wissen aus der klinischen Praxis und wissenschaftlichen Daten, dass die ersten Stunden einer lebensbedrohlichen Erkrankung entscheidend sind. Wenn es gelingt, kritisch kranke Patientinnen und Patienten frühzeitig strukturiert intensivmedizinisch zu betreuen, können wir viele Krankheitsverläufe positiv beeinflussen.«, betont Univ.-Doz. Dr. Martin Dünser (ÖGARI).

Unklare Struktur für nicht-traumatologische Notfälle

Während für Schwerverletzte in Österreich vielfach etablierte Versorgungsstrukturen existieren, die auch im österreichischen Strukturplan Gesundheit verankert sind, fehlt eine vergleichbare Regelung für nicht-traumatologische Notfallpatient:innen mit lebensbedrohlichen Erkrankungen.

»Für internistische, infektiologische oder kardiovaskuläre Notfälle gibt es derzeit keine österreichweit einheitlich definierten Versorgungsstrukturen außerhalb der Intensivstation. Das führt zu einem regional sehr unterschiedlichen Versorgungsbild.«, erklärt Univ.-Prof. Dr. Harald Herkner (AAEM).

Sichtbarkeit und Grundlage für Standards sind das Ziel

Genau hier setzt die Umfrage an: Sie soll den Status quo erstmals flächendeckend abbilden und Unterschiede zwischen einzelnen Standorten sichtbar machen. »Wir brauchen eine valide Datengrundlage, um die Versorgungssituation realistisch beurteilen zu können. Erst dann können wir evidenzbasierte Empfehlungen für strukturelle Mindeststandards entwickeln.«, bestätigt Univ.-Prof. Dr. Thomas Staudinger (ÖGIAIN).

Auch aus intensivmedizinischer Sicht ist die Phase vor einer möglichen Aufnahme auf einer Intensivstation entscheidend: »Viele kritisch kranke Patientinnen und Patienten werden initial außerhalb der Intensivstation betreut. Die Qualität dieser frühen Versorgung beeinflusst maßgeblich den weiteren Verlauf – umso wichtiger ist es, hier strukturierte Rahmenbedingungen zu schaffen.«, so Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis (FASIM).

Fokus liegt auf präklinisch eingelieferte Patient:innen

Ein besonderer Schwerpunkt der Erhebung liegt auf Patient:innen, die über einen Rettungsdienst oder begleitet von Notärzt:innen in die Krankenhäuser eingeliefert werden. »Gerade diese Patientengruppe stellt hohe Anforderungen an die unmittelbare Versorgungsstruktur im Krankenhaus. Hier entscheidet sich oft innerhalb kürzester Zeit, ob eine Stabilisierung gelingt oder nicht.«, ergänzt Univ.-Prof. Dr. Dietmar Fries (ÖGARI).

Vom österreichischen Fleckerlteppich zur strukturierten Versorgung

Ein wesentlicher Hintergrund für die Initiative ist die Einführung der Spezialisierung Akut- und Notfallmedizin in Österreich im Jahr 2025. Diese wurde maßgeblich von der AAEM und ÖGARI vorangetrieben und schafft erstmals eine klare Qualifikationsbasis für die Versorgung von Notfallpatient:innen in Österreich.

Ziel der Initiative ist es, bestehende Unterschiede in der Versorgung sichtbar zu machen und mittelfristig in konkrete Empfehlungen zu überführen. »Unser Ziel ist klar: Die Versorgung kritisch kranker Notfallpatientinnen und -patienten darf nicht vom Standort abhängen. Wir brauchen transparente Strukturen und nachvollziehbare Standards in ganz Österreich.«, bestätigen unisono alle beteiligten Fachgesellschaften.

Über die Studie: Die österreichweite Umfrage wird unter Beteiligung von Krankenhäusern aller Versorgungsstufen durchgeführt und analysiert personelle, organisatorische und infrastrukturelle Voraussetzungen der Versorgung kritisch kranker Notfallpatient:innen außerhalb der Intensivstationen. Erste Ergebnisse sollen als Grundlage für weitere fachliche und gesundheitspolitische Diskussionen dienen.

Die Verantwortlichen der Notfallgesellschaften (in alphabetischer Reihenfolge):

Univ.-Doz. Dr. Martin Dünser, Leiter der Sektion Notfallmedizin der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin, ÖGARI

Univ.-Prof. Dr. Dietmar Fries, Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin, ÖGARI

Univ.-Prof. Dr. Harald Herkner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Notfallmedizin, AAEM

Univ.-Prof. Dr. Michael Joannidis, Präsident des Verbandes der intensivmedizinischen Gesellschaften Österreichs, FASIM

Univ.-Prof. Dr. Thomas Staudinger, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für internistische und allgemeine Intensivmedizin und Notfallmedizin, ÖGIAIN

Rückfragen & Kontakt

Fischill PR
Dr. Britta Fischill
Telefon: +43 676 3039699
E-Mail: [email protected]

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