• 15.05.2026, 09:53:35
  • /
  • OTS0039

Die TKG fordert von den Verantwortlichen der Güngör-Studie "wissenschaftliche Verantwortung und Haltung!"

„Es handelt sich ausdrücklich um keine repräsentative Studie.“ (Studie, S. 14) – Dennoch wurden alarmierende Aussagen über muslimische Kinder Jugendliche öffentlich verbreitet.

Der eigene Forschungsbericht hält auf Seite 14 ausdrücklich fest,
dass „diese Studie nicht repräsentativ ist“. Dennoch präsentiert
Kenan Dogan Güngör nach Ansicht der TKG in Interviews weitreichende
Aussagen über „Arabisierung“, Schulkonversionen und konservative
Muslime, ohne diese zentrale methodische Einschränkung mit jener
Deutlichkeit hervorzuheben, die bei einem mit öffentlichen Mitteln
finanzierten wissenschaftlichen Forschungsprojekt zu erwarten wäre.
Wien (OTS) - 

Eine ausdrücklich nicht repräsentative Studie

Nach Einschätzung der TKG hält der Forschungsbericht ausdrücklich fest, dass es sich um „keine repräsentative Studie“ handelt. Die Datenerhebung fand zwischen dem 17. September und dem 19. Dezember 2024 statt und wurde vom externen Meinungsforschungsinstitut Demox Research durchgeführt. Die mediale Zuspitzung erfolgte erst im Mai 2026, also rund 17 Monate später.

Das vielfach zitierte Ergebnis von 41 Prozent ist kein ungewichteter Rohwert, sondern ein rechnerisch gewichteter Ergebniswert. Laut Forschungsbericht antwortete die Online-Gruppe deutlich polarisierter als die Vor-Ort-Gruppe. Die Ursachen dafür konnten demografisch nicht ausreichend erklärt werden. Dennoch wurden beide Gruppen statistisch im Verhältnis 50:50 zusammengeführt.

„Arabisierung“: Kein ausgewiesener empirischer Befund

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Aussage von Kenan Doğan Güngör in Die Presse vom 7. Mai 2026 – also noch vor der öffentlichen Präsentation der Studie: „Dadurch wird das Islamverständnis zunehmend arabisiert.“ Nach Einschätzung der TKG ist dieser Begriff im Forschungsbericht weder definiert noch als eigenständiger empirischer Befund ausgewiesen.

Die TKG weist darauf hin, dass der Begriff „Arabisierung“ seit Jahren Teil politischer Debatten im deutschsprachigen Raum ist und keine neutrale wissenschaftliche Fachkategorie darstellt.
Was die TKG seit Jahren in Deutschland beobachtet, findet nach ihrer Einschätzung nun auch Eingang in die österreichische Debatte. Der Begriff „Arabisierung“ ist keine neutrale wissenschaftliche Fachkategorie, sondern ein politisch stark aufgeladener Begriff.

Beispielhaft erklärte die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry im Juni 2024 im Nachrichten-Talk „Stimmt!“: „Wir haben eine Arabisierung der Türken.“

Quellen: „Wir haben eine Arabisierung der Türken!" Nachrichten-Talk „Stimmt!", Juni 2024 YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=lNIzUMwY64o



Wer als Studienleiter eines öffentlich finanzierten Forschungsprojekts auftritt, sollte daher mit besonderer methodischer Zurückhaltung zwischen empirischen Befunden und persönlichen Interpretationen unterscheiden.

Die eigentliche Datenerhebung erfolgte durch Demox Research

Die Datenerhebung wurde nicht von der Studienleitung selbst durchgeführt, sondern vom Meinungsforschungsinstitut Demox Research. Das Unternehmen ist Mitglied des Verbandes der Marktforschung Österreich (VMÖ) und damit dem ICC/ESOMAR International Code on Market, Opinion and Social Research and Data Analytics 2025 verpflichtet.

Eltern müssen wissen, womit ihre Kinder konfrontiert wurden

Besonders kritisch sieht die TKG, dass 304 Minderjährige im Alter von 14 bis 17 Jahren unter anderem mit der Aussage „Man muss bereit sein, für die Verteidigung seines Glaubens zu kämpfen und zu sterben“ konfrontiert wurden. Die Befragung erfolgte laut Forschungsbericht in Einkaufsstraßen, Shoppingcentern sowie online.

Viele Eltern in Österreich würden sich mit Recht fragen, ob sie es akzeptieren würden, dass ihre minderjährigen Kinder ohne ihr ausdrückliches Wissen und ohne nachvollziehbar dokumentierte Zustimmung der Erziehungsberechtigten mit hochsensiblen Aussagen zu Religion, Gewalt und persönlicher Opferbereitschaft konfrontiert werden.

Zentrale Befunde über Diskriminierung blieben im Hintergrund

Der Forschungsbericht hält in Kapitel 6 ausdrücklich fest, dass muslimische Jugendliche signifikant häufiger Diskriminierung erfahren als christliche Jugendliche. Kapitel 7.3 dokumentiert muslimfeindliche Ressentiments innerhalb der Gesamtstichprobe. Nach Einschätzung der TKG gehören diese Ergebnisse zum Kern der Untersuchung und hätten mit derselben Deutlichkeit kommuniziert werden müssen wie alarmierende Einzelwerte.

Wo steht das alles in der Studie?

In einem Interview mit Die Presse erklärte Güngör unter anderem, dass nicht-muslimische Kinder zum Islam konvertierten, dass es ein „Wettrennen“ beim Ramadan-Fasten gebe und dass „vielen moderaten Muslimen die Argumente gegen die Eiferer“ fehlten. Nach eingehender Analyse des Forschungsberichts findet die TKG für diese Aussagen keine unmittelbar ausgewiesene empirische Grundlage.

Demokratie- und Ethikunterricht ja – Ressentiments nein

Die TKG unterstützt ausdrücklich die freiheitliche, pluralistische und säkulare demokratische Rechtsstaatlichkeit der Republik Österreich sowie einen verbindlichen Demokratie- und Ethikunterricht für alle Schülerinnen und Schüler. Dafür bedarf es jedoch keiner ausdrücklich nicht repräsentativen Studie, die nach Einschätzung der TKG geeignet ist, zusätzliche Ressentiments gegenüber muslimischen Kindern und Jugendlichen zu erzeugen.

Wissenschaft und Meinungsforschung müssen Vertrauen schaffen

Gerade in einer pluralistischen und rechtsstaatlichen Demokratie müssen seriöse Forschung und Meinungsforschung, insbesondere wenn sie mit öffentlichen Geldern finanziert werden, Vertrauen stärken, differenzieren und zur Versachlichung beitragen – nicht gesellschaftliche Polarisierung vertiefen.

Die TKG verlangt, dass kritische Stimmen nicht durch einschüchternde Anwaltsschreiben, unverhältnismäßige rechtliche Schritte oder sonstige Druckversuche daran gehindert werden, ihre legitimen demokratischen Rechte wahrzunehmen. Sachliche Kritik, öffentliche Kontrolle und kritische Fragen sind ein unverzichtbarer Bestandteil jeder funktionierenden demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung.

Unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung darf Meinungs- und Sozialforschung nicht mit öffentlichen Geldern finanziert werden, um als Machtinstrument für politische Deutungen zu dienen. Meinungsforschung unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Forschung darf nicht als Machtinstrument mit politischen Deutungen eingesetzt werden.

Die TKG erwartet verantwortungsvolles Handeln im Sinne der res publica, des Gemeinwohls und der Republik Österreich.

“Vielgeprüftes Land” -Republik Österreich

Die in Deutschland und Österreich lebenden Menschen türkischer Herkunft stammen überwiegend aus der Republik Türkei, einem laizistischen Staat, der 1923 gegründet wurde und zu dessen Aufbau auch zahlreiche Österreicherinnen und Österreicher sowie Deutsche beigetragen haben. Dafür besteht aufrichtige Dankbarkeit.

Diese säkulare Staatsordnung in der Türkei ist in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck geraten; aus Sicht vieler Beobachter bestehen Bestrebungen, ihre grundlegenden Prinzipien schrittweise zu verwässern, nachhaltig zu schwächen und letztlich zu beseitigen. Historische geopolitische Entwicklungen, die im Kontext des Kalten Krieges von westlichen Staaten mitgetragen wurden, haben dazu beigetragen, dass sich langfristige Fehlentwicklungen verstärken konnten. Seit 2015 sind zudem neue Herausforderungen hinzugekommen, von denen insbesondere Menschen mit Wurzeln in der Türkei betroffen sind. In einem pluralistischen Land wie Österreich müssen solche Probleme gemeinsam, mit gutem Willen und auf der Grundlage der freiheitlich-demokratischen, rechtsstaatlichen und säkularen Ordnung zum Wohl des Landes und des Gemeinwohls (res publica) gelöst werden.

Die Republik Österreich – "dieses vielgeprüfte und vielgeliebte Österreich, Heimat großer Töchter und Söhne "– verfügt über die demokratische Reife, die hohe und tiefe geschichtliche Erfahrung sowie die rechtsstaatliche Stärke, um auch diese Herausforderungen zu bewältigen.

Die TKG wird dabei als verfassungstreue und wehrhafte Stimme der Zivilgesellschaft, als Zusammenschluss von Verfassungspatriotinnen und Verfassungspatrioten sowie als kritische Unterstützerin des Gemeinwohls stets mit einer unabhängigen und wachsamen Stimme präsent sein.

Weiterlesen:

TKG-Analyse : Die TKG fordert von den Verantwortlichen der Güngör-Studie wissenschaftliche Verantwortung

Rückfragen & Kontakt

Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG-Think Tank)
Dr Melissa Günes
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.turkischegemeinde.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | VNW

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel