• 15.05.2026, 08:43:02
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Caritas zum Unterstützungsfondsgesetz für Alleinerziehende: Wichtiger erster Schritt – aber Kinder dürfen nicht durch Schutzlücken fallen

Caritas begrüßt neuen Unterstützungsfonds, fordert aber Nachbesserungen und echte Unterhaltsgarantie

Wien (OTS) - 

Die Caritas Österreich begrüßt den geplanten Unterstützungsfonds für Alleinerziehende als wichtigen Schritt zur Entlastung von Familien, die keinen Unterhalt erhalten. Gleichzeitig warnt die Caritas vor Schutzlücken im Gesetzesentwurf und fordert Verbesserungen, damit Kinder verlässlich abgesichert werden.

„Alleinerziehende und ihre Kinder gehören in Österreich zu den am stärksten armutsgefährdeten Gruppen. Jede Maßnahme, die sie finanziell unterstützt, ist wichtig. Der neue Fonds kann für viele Familien eine spürbare Entlastung bringen. Gleichzeitig sehen wir deutlichen Verbesserungsbedarf, damit Kinder nicht durch das Raster fallen“, sagt Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich.

Alleinerziehende besonders stark von Armut betroffen

Die Caritas kennt die schwierigen Lebensrealitäten Alleinerziehender aus der täglichen Arbeit in Mutter-Kind-Häusern, Familienberatungsstellen und Sozialberatungen. Der Anteil Alleinerziehender ist dort drei Mal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung. 18.000 Alleinerziehenden-Haushalte in Österreich leben in absoluter Armut. Viele können sich grundlegende Dinge wie regelmäßige Mahlzeiten, Heizen oder die Miete kaum leisten. Besonders alarmierend: Das Armutsrisiko von Kindern in Alleinerziehenden-Haushalten ist doppelt so hoch wie im Durchschnitt.

„Diese Armut ist kein individuelles Versagen, sondern hat System. Viele Alleinerziehende tragen enorme Sorgearbeit alleine, können deshalb oft nur eingeschränkt arbeiten und haben gleichzeitig hohe laufende Kosten. Wenn dann Unterhaltszahlungen ganz ausbleiben oder nur unregelmäßig kommen, geraten Familien schnell in existenzielle Not“, so Parr. Besonders problematisch ist, dass rund ein Drittel der Kinder von Alleinerziehenden überhaupt keine Unterhaltszahlungen erhält.

Schutzlücke bei geringem oder unregelmäßigem Unterhalt

Positiv bewertet die Caritas die laufenden Leistungen des neuen für Kinder, die bisher überhaupt keine Unterhaltszahlungen erhalten haben sowie die vorgesehene Starthilfe für Betroffene von Gewalt. Kritisch sind jedoch der bürokratische Mehraufwand sowie die sehr engen Zugangsvoraussetzungen. Anspruch auf Leistungen haben nur Alleinerziehende, die gar keinen Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss erhalten.

„Genau hier entsteht eine massive Schutzlücke“, warnt Parr. „Wer nur sehr geringe oder unregelmäßige Zahlungen erhält – etwa 50 Euro im Monat oder alle paar Monate einen kleinen Betrag –, bekommt keinerlei Unterstützung aus dem Fonds. Dabei reicht dieser Unterhalt bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf eines Kindes zu decken.“ Auch Familien mit unzuverlässigen Unterhaltszahlungen sind im Alltag enorm belastet – werden vom Gesetz jedoch gar nicht berücksichtigt.

Caritas fordert Ausweitung des Fonds und echte Unterhaltsgarantie

Die Caritas fordert daher eine Ausweitung des Fonds. Konkret schlägt sie einen Ergänzungsbeitrag vor: Kinder sollen dann unterstützt werden, wenn der tatsächlich erhaltene Unterhalt oder Unterhaltsvorschuss unter der vorgesehenen Fondsleistung liegt. Darüber hinaus brauche es rasche und niederschwellige Hilfe für akute Härtefälle. Langfristig spricht sich die Caritas weiterhin für eine echte gesetzliche Unterhaltsgarantie mit Rechtsanspruch aus.

„Kinder dürfen nicht die Leidtragenden finanzieller Unsicherheit sein. Es braucht eine verlässliche Unterhaltsgarantie, damit Alleinerziehende nicht alleine das Risiko tragen, wenn Unterhalt ausbleibt oder zu niedrig ist“, betont Parr. Sorge bereiten der Caritas zudem aktuelle angekündigte Budgetmaßnahmen wie die Nicht-Valorisierung von Familienleistungen oder höhere Arbeitslosenversicherungsbeiträge für Niedrigverdiener*innen. Diese würden gerade Alleinerziehende zusätzlich belasten. „Wer Familienarmut wirksam bekämpfen will, muss Alleinerziehende gezielt stärken – mit verlässlicher Absicherung statt zusätzlichem Druck“, so Parr abschließend.

Rückfragen & Kontakt

Caritas Österreich
Melanie Wenger-Rami, MA, Leitung Öffentlichkeitsarbeit &
Pressesprecherin
+43676 7804589
[email protected]
www.caritas.at

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