• 07.05.2026, 10:16:02
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Netzausbau braucht Tempo und klare Vorrang-Regeln

Die Netzbetreiber begrüßen das geplante Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz. Doch die Maßnahmen zur Erleichterung des Netzausbaus gehen nicht weit genug.

Linz (OTS) - 

Der aktuell stattfindende Umbau des Energiesystems ist eine Generationen-Aufgabe. Der Ausbau der Netze, der dafür notwendig ist, entscheidet über Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz am Standort Österreich. Und dafür braucht es klare, praxistaugliche Regeln. Diese Regeln finden sich aktuell nur teilweise in der Regierungsvorlage des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes (EABG).

„Netze sind das Rückgrat unserer Energieversorgung. Ohne sie kann die Energiezukunft, die verstärkt von Strom angetrieben wird, nicht funktionieren“, betont Brigitte Ederer, Sprecherin des Forum Versorgungssicherheit beim Energiepolitischen Hintergrundgespräch am 7. Mai 2026. „Wir stehen vor der Herausforderung, bestehende Infrastruktur zu erneuern und gleichzeitig massiv auszubauen. Der Netzausbau ist der gelebte rot-weiß-rote Generationenvertrag: Was wir heute investieren, wird wieder für Jahrzehnte wirken – wir selbst, aber vor allem unsere Kinder und Kindeskinder werden davon profitieren.“

Der derzeitige Rechtsrahmen bremst diesen Ausbau jedoch oft aus: Genehmigungsverfahren dauern viele Jahre. Einzelne Projekte benötigen länger als ein Jahrzehnt, bevor sie von der Planung und Genehmigung tatsächlich in die Umsetzung kommen. Das steht im klaren Widerspruch zu den immer kürzer werdenden Umsetzungszeiten von Wasser- und Windkraftwerken bzw. Photovoltaikanlagen, kritisiert der Geschäftsführer der Netz Oberösterreich GmbH, Michael Haselauer: „Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien schneller werden! Erneuerbare Energie nützt gar nichts, wenn sie nicht über die Netze dorthin transportiert werden kann, wo sie gebraucht wird. Diese Schieflage gefährdet unsere Energiezukunft und macht uns abhängig vom Ausland und mit Preisen erpressbar, die uns andere diktieren!“

Aus Sicht der Netzbetreiber braucht es daher gezielte Verbesserungen im EABG, dem zentralen Energieinfrastruktur-Zukunftsgesetz. Haselauer verweist auf zentrale Forderungen aus dem Strategiepapier der Verteilernetzbetreiber zu diesem Vorhaben: „Wir begrüßen ausdrücklich jede Initiative zur Beschleunigung. Aber das Gesetz muss zu Ende gedacht sein und in der Praxis funktionieren.“ Aktuell sind in der Regierungsvorlage des EABG noch zu viele Schlagworte, die in letzter Konsequenz vor allem im Netzbereich nicht die dringend benötigte und herbeigesehnte Beschleunigung bringen werden.

Haselauer fokussiert die Forderungen der Netzbetreiber auf einige zentrale Punkte:

  • Rechtssicherheit: Die Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern müssen klar geregelt sein. Projekte sollen von Beginn an bei der richtigen Behörde eingereicht werden können. Doppelprüfungen und nachträgliche Verzögerungen müssen unbedingt vermieden werden.
  • abgestimmte Verfahrenserleichterungen: Bei den Verfahren selbst und vor allem bei den Erleichterungen, die letztlich für die Beschleunigung sorgen sollen, braucht es Nachschärfungen, z.B. müssen Bewilligungsfreistellungen der verschiedenen Maßnahmen zusammenpassen. „Wenn ein Seiltausch bewilligungsfrei gestellt ist, die dafür notwendige Masterhöhung aber nicht und diese ein eigenes Verfahren auslöst, hat das Gesetz für den Netzausbau keinen Mehrwert“, erklärt Haselauer. Kombinierte Maßnahmen sollten einheitlich behandelt werden, immer das beschleunigende Verfahren zur Anwendung kommen.
  • vorausschauende Netzplanung: Netze müssen auf künftige Bedarfe ausgelegt sein. Eine zu enge Auslegung der Kosten- und Kapazitätsvorgaben kann den Aufbau notwendiger Reserven verhindern. Das gefährdet langfristig die Versorgungssicherheit und sorgt für Mehrkosten beim Netzausbau, den alle Netznutzenden zu bezahlen haben. Die Netzbetreiber sind mit öffentlich einsehbaren und vollkommen transparenten Verteilernetzentwicklungsplänen seit zwei Jahren in Vorleistung. Das gemeinsame Verständnis, Infrastruktur vorausschauend für Generationen zu errichten, fehlt aber vielerorts.
  • Einbindung der Wasserstoff-Infrastruktur: Wasserstoff kann eine zentrale Rolle am Weg in die Energiezukunft darstellen. Dafür ist aber ein Bekenntnis erforderlich, dass für den Aufbau der notwendigen Leitungsinfrastruktur erste Schritte ermöglicht werden müssen. Die Kosten sollten zum Wohle der Allgemeinheit in der Aufbauphase sozialisiert werden können. Das bedeutet, dass bereits bestehende Gasleitungen rasch und rechtssicher weiterhin für Wasserstofftransport genutzt werden können. Technisch sind das kleine und kostengünstige Umsetzungsmaßnahmen, die häufig mit bestehender Infrastruktur bewerkstelligt werden können. Rechtlich ist das aktuell aber Neuland. Genau deshalb braucht es dafür dringend vereinfachte Verfahren und klare Regeln.
  • Personalausstattung in den Behörden: Kürzere Fristen allein reichen nicht aus, wenn die personellen Ressourcen für die Bearbeitung in den Behörden und in den Sachverständigendiensten fehlen. Beschleunigung muss auch im Vollzug möglich sein. Eine Überlastung der durch die Bank engagierten Beamtenschaft in den Behörden konterkariert die Intention des Gesetzes, Vorhaben zu beschleunigen.

„Unsere Energiezukunft entscheidet sich im Netz“, fasst Haselauer zusammen. „Wenn wir Versorgungssicherheit, Klimaziele und leistbare Energie ernst nehmen, müssen wir jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Man darf nicht dem Trugschluss erliegen, dass nur der beschleunigte Bau von Erzeugungsanlagen unsere Probleme lösen wird. Um die neuen Erzeugungsanlagen tatsächlich nutzen zu können und die Vorteile bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommen zu lassen, müssen auch die Kapazitäten in den Netzen geschaffen werden. Österreich braucht deshalb Tempo und klare Vorrang-Regeln für den Netzausbau!“.

Das Forum Versorgungssicherheit ist die gemeinsame Plattform von fünf Verteilernetzbetreibern: Wiener Netze, Netz Niederösterreich, Netz Burgenland, Linz Netz und Netz Oberösterreich.

Rückfragen & Kontakt

Forum Versorgungssicherheit
Wolfgang Denk
Telefon: +43 664 60165 3569
E-Mail: [email protected]

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