• 05.05.2026, 11:34:32
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Menschenhandel in Tiroler Hotel: vida-Eberhart entrüstet, aber nicht überrascht

Hemmschwelle für Ausbeutung in der Tourismusbranche auf Tiefststand

Wien (OTS) - 

Nachdem die Gewerkschaft vida wiederholt auf Missstände in der Hotellerie und Gastronomie hingewiesen hat, ist nun ein weiterer angeblicher „Einzelfall“ bekannt geworden. Wie am Sonntag berichtet wurde, deckte die Finanzpolizei einen Fall von Menschenhandel an zehn Brasilianer:innen in einem Hotel im Tiroler Bezirk Landeck auf. Die Betroffenen wurden gezielt in ihrer Heimat angeworben und in Österreich für Vollzeitarbeit deutlich unter Kollektivvertrag entlohnt.

Nach dem Auffliegen der illegalen Beschäftigung mussten alle betroffenen Arbeitnehmer:innen wieder nach Brasilien zurückkehren. Ihr Zugang zum Arbeitsmarkt war – ähnlich wie bei regulär Beschäftigten über die Rot-Weiß-Rot-Card – an den jeweiligen Arbeitgeber gebunden. „Eine solche Konstruktion schafft Abhängigkeiten und begünstigt Ausbeutung“, verweist vida-Tourismussprecherin Eva Eberhart auf einen Kritikpunkt gegen das Anwerben von Arbeitskräften aus Drittstaaten, den die Gewerkschaft immer wieder in die Diskussion um die Rot-Weiß-Rot-Karte eingebracht hat.

„Menschen zweiter Klasse“: Scharfe Kritik von vida

Die vida-Gewerkschafterin zeigt sich entrüstet über die Vorgehensweise der Hotelbetreiber: „Offenbar ist in der Tourismusbranche die Hemmschwelle für derart menschenverachtende Straftaten auf einen neuen Tiefstand gesunken. Beschäftigte werden nicht auf Augenhöhe behandelt, sondern wie Menschen zweiter Klasse, die man für einen Hungerlohn ausnützen kann.“ Deutliche Worte findet Eberhart auch zur Einordnung des Falls: „Was in Tirol passiert ist, ist furchtbar. Aber ich muss auch sagen: Es überrascht mich nicht mehr.“

Schaden für Beschäftigte und Allgemeinheit

Neben den massiven persönlichen Folgen für die Betroffenen entstand auch ein erheblicher Schaden für die Allgemeinheit. Durch vorenthaltene Steuern und Sozialabgaben entgingen dem Staat wichtige Einnahmen. „Wenn immer wieder Fälle von Steuer- und Abgabenbetrug bekannt werden und uns gleichzeitig regelmäßig von unterirdischen Arbeitsbedingungen berichtet wird, stellt sich die Frage, wie es im Hotel- und Gastgewerbe insgesamt um die Moral steht“, so Eberhart. „Wie hält man es als Touristiker mit einem Sozialstaat, der auf Solidarität basiert? Und wie viel ist ein Mensch wert – abzüglich seiner Arbeitskraft?“

Trotz ihrer scharfen Kritik bleibt Eberhart optimistisch: „Ich möchte gern glauben, dass die guten Arbeitgeber auch im Tourismus in der Überzahl sind. Umso wichtiger ist es, dass ihre Vertreter:innen in der Wirtschaftskammer die aktuellen Vorkommnisse endlich zum Anlass nehmen, die Branche konsequent zu durchleuchten und gegen ausbeuterische Betriebe vorzugehen.“

Rückfragen & Kontakt

Gewerkschaft vida
Cornelia Groiss
Tel.: +43 664 6145 756
E-Mail: [email protected]
www.vida.at

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