• 04.05.2026, 11:00:33
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Erstes Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt: Unternehmen und NGOs vereinen ihre Kräfte

Wien (OTS) - 

Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai setzen führende Sozialorganisationen und Unternehmen ein starkes Signal für mehr gesellschaftliche Teilhabe. Sie gründen das erste, österreichweite „Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt – Chancenreich". Ihr gemeinsames Ziel: Inklusion am Arbeitsmarkt zur österreichweiten Selbstverständlichkeit zu machen.

Unter dem Dach des neuen Bündnisses vereinen sich Organisationen und Dachverbände wie Caritas Österreich, Dachverband Berufliche Inklusion-Austria (dabei-austria), Diakonie Österreich, KOBV Österreich, Lebenshilfe Österreich, ÖZIV und Zero Project mit Unternehmen – Großkonzerne, KMUs und kleine Betriebe – wie Betonwerk Jungwirth, IKEA Österreich, Interspar, Kapsch TrafficCom, Post AG, Primark, Sedlak Bau, Stimpfl Textil Care, tristar Hotels, MyAbility, Responsible Annotation, REWE Group, UNIQA, Wesenufer Hotel, Würth Hochenburger. Allesamt stellen Menschen mit Behinderungen an. Deren konkrete Lebensgeschichten und Fallbeispiele zeigen: Berufliche Inklusion – auch von Menschen mit höherem Assistenzbedarf – ist möglich, doch es braucht entsprechende Unterstützung und Begleitung, denn aktuell sind nur 15 % der Menschen mit Behinderungen in Österreich erwerbstätig. Kürzungen in diesem Bereich sind der falsche Weg.

Inklusion am Arbeitsmarkt – ein Mehrwert für alle

Menschen mit Behinderungen wollen selbstständig leben und arbeiten. Philippe Narval, Generalsekretär der Lebenshilfe Österreich und Mitinitiator des Bündnisses, bringt es auf den Punkt: „Jeder in berufliche Teilhabe und inklusive Berufsbildung investierte Euro schafft Chancen, fördert Selbstbestimmung und stärkt nachhaltig Wirtschaft, Gesellschaft und Menschen mit Behinderungen. Lohn statt Taschengeld muss Realität werden!"

Zahlreiche Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen schätzen Menschen mit Behinderungen als wertvolle Teammitglieder. So wie Lina Kasapoglu, Inhaberin des Café Insieme in der Stadtgalerie in Schwaz in Tirol. Sie hat sich dazu entschieden, Verena Köll, eine Frau mit intellektueller Behinderung, in ihrem Betrieb anzustellen, und betont: „Jeder Mensch hat eine Probezeit verdient. Wenn ich jetzt die Verena sehe, sehe ich einen anderen Menschen. Sie ist hineingewachsen in den Job, aber sie hat die Zeit und vor allem die Begleitung am Anfang gebraucht. Menschen mit Behinderungen wollen ihr eigenes Geld verdienen und sind stolz darauf."

Für Verena Köll, die vom inklusiven Restaurant Pippilotta – einem Ausbildungsbetrieb – auf den regulären Arbeitsmarkt in das Café gewechselt ist, sind vor allem der Lohn und die damit einhergehende Selbstständigkeit zentrale Faktoren: „Mein Leben hat sich total verändert. Das Wichtigste ist, ich kann mit der Bankomatkarte zum Bankomaten gehen. Für mich ist das die größte Veränderung. Aber auch die Ausbildung in der Pippilotta in Innsbruck war wichtig für mich; dort habe ich Selbstvertrauen gewonnen."

Erfolgreiche Inklusion braucht professionelle Begleitung

Der Übergang aus einer Tagesstruktur oder aus der Schule in den regulären Arbeitsmarkt gelingt vielen Menschen mit Behinderungen in der Regel nicht ohne gezielte Unterstützung. Entscheidend ist eine professionelle Begleitung, sowohl für die Arbeitnehmer:innen als auch für die Arbeitgeber:innen. Sozialorganisationen in ganz Österreich unterstützen bei der Einarbeitung, begleiten bei Herausforderungen im Arbeitsalltag und stehen langfristig mit kompetenten Ansprechpersonen zur Verfügung.

„Ein inklusiver Arbeitsmarkt ist volkswirtschaftliche Notwendigkeit. Statt Sonderstrukturen braucht es reguläre Beschäftigung. NEBA-Angebote und andere arbeitsmarktpolitische Projekte, finanziert durch Bund und Länder, zeigen: Mit gezielter Unterstützung gelingt Teilhabe am ersten Arbeitsmarkt – im Interesse von Menschen, Wirtschaft und Gesellschaft." Andreas Jesse, Vorstand Dachverband Berufliche Inklusion-Austria (dabei-austria)

Was jetzt zu tun ist

Trotz positiver Beispiele – Lebensgeschichten und Videos finden sich auf www.chancenreich.at – sind Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt nach wie vor strukturell benachteiligt. Ihre Arbeitslosenquote liegt deutlich über dem Durchschnitt, ihre Beschäftigungschancen sind erheblich geringer.

„Dass Menschen mit Behinderungen deutlich stärker von Armut bedroht sind als die Durchschnittsbevölkerung, ist ein klares Alarmsignal: In unserer Gesellschaft haben nicht alle die gleichen Chancen. Die Zahlen und die Erfahrungen Betroffener zeigen deutlich, dass Österreich im Sinne der Menschenrechte noch erhebliche Anstrengungen unternehmen muss, um einen wirklich inklusiven Arbeitsmarkt zu schaffen", betont Anna Parr, Generalsekretärin der Caritas Österreich.

Die folgenden Forderungen des Bündnisses für Inklusion am Arbeitsmarkt werden am 5. Mai 2026 an die Bundesregierung und die Landesregierungen gestellt:

  1. Stabil finanzieren statt kürzen
    Berufliche Inklusion braucht eine verlässliche, von Konjunkturschwankungen unabhängige Finanzierung. Kürzungen bei Programmen zur Qualifizierung, Vermittlung und Begleitung von Menschen mit Behinderung sind teuer, weil sie Arbeitslosigkeit, Armutsrisiken und Folgekosten erhöhen.
  2. Ausgleichstaxfonds sichern
    Der Ausgleichstaxfonds (ATF) ist ein zentrales Instrument zur Finanzierung beruflicher Inklusion und beruflicher Assistenz am Arbeitsplatz. Er muss langfristig abgesichert und ausreichend dotiert sein.
  3. Gleiche Chancen für alle
    Viele Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf arbeiten heute nur für ein Taschengeld und haben kaum Zugang zu regulärer Beschäftigung. Nur in vier Bundesländern gibt es Angebote zur beruflichen Inklusion für diese Gruppe. Diese Angebote müssen überall im Land zur Verfügung stehen. Auch brauchen diese Menschen ein Rückkehrrecht in Tagesstrukturen, damit Arbeitsversuche und Übergänge in bezahlte Beschäftigung ohne Existenzangst möglich sind.
  4. Inklusive Bildung und Ausbildung als Fundament
    Eine inklusive Schule und Berufsausbildung ist die Grundlage für spätere Teilhabe am Arbeitsleben. Fehlende Ressourcen, unzureichender Zugang zu Schulassistenz und Ausgrenzung erschweren den späteren Einstieg in die Erwerbsarbeit. Es braucht eine politische Schwerpunktsetzung auf inklusive Bildung und Berufsausbildung.

Links:

Chancenreich Website
Fotos (Pressekonferenz)

Rückfragen & Kontakt

Lebenshilfe Österreich
Hannah Dobler, MSc (WU)
Telefon: +43 660 98 01 359
E-Mail: [email protected]

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