• 30.04.2026, 19:31:02
  • /
  • OTS0220

Concordia-Preise 2026 im Parlament überreicht

Auszeichnung für fünf Journalisten und eine Journalistin, Astrid Zimmermann für Lebenswerk geehrt

Wien (PK) - 

Fritz Espenlaub, Jasmin Körber, Christian Schiffer und Klaus Uhrig in der Kategorie Pressefreiheit sowie Jürgen Klatzer und Matthias Winterer in der Kategorie Menschenrechte - das sind die Preisträger und die Preisträgerin der Concordia-Preise 2026. Die Auszeichnungen wurden heute Abend auf Einladung des Nationalratspräsidiums und Bundesratspräsident Markus Stotter im Parlament überreicht. Den Ehrenpreis in der Kategorie Lebenswerk erhielt die langjährige Generalsekretärin des Presseclub Concordia Astrid Zimmermann.

Ausgezeichnet wurden Fritz Espenlaub, Jasmin Körber, Christian Schiffer und Klaus Uhrig für die Podcast-Serie "Die Peter Thiel Story", die sie für den Deutschlandfunk produziert haben und die auch auf Ö1 zu hören war. Am Beispiel des US-Investors Peter Thiel zeige die Story, "wie mit einem machtvollen, finanzstarken Netzwerk Grund- und Freiheitsrechte einschließlich der freien Berichterstattung eingeschränkt, ausgehöhlt und letztlich zunichtegemacht werden können", heißt es unter anderem in der Begründung der Jury.

Kopf-an-Kopf-Rennen

Wie Jury-Präsidentin Heide Schmidt bei der Preisverleihung berichtete, gab es in der Kategorie Pressefreiheit ein "Kopf-an-Kopf-Rennen" zwischen der sechsteiligen Podcast-Serie und einer umfassenden Berichterstattung über den Gaza-Krieg, an der sich insgesamt zwölf Medien beteiligt hatten. Letztlich habe sich aber die Podcast-Serie durchgesetzt, schilderte sie. Auch in der Kategorie Menschenrechte hat es ihr zufolge zahlreiche preiswürdige Einreichungen gegeben. Etwa einen Bericht über die Begutachtungspraxis bei der PVA, den Text eines "Standard"-Journalisten mit vietnamesischen Wurzeln über die Fluchterfahrungen seiner Eltern und eine Recherchearbeit von "Dossier" über Missstände im Erwachsenenschutz.

Zuerkannt wurde der Preis schließlich den Falter-Journalisten Jürgen Klatzer und Matthias Winterer für ihre Reportage "Körperliche Gewalt war gang und gäbe". Mit dieser Reportage hat das seit 2025 für den Falter tätige Duo den Missbrauchsskandal bei SOS-Kinderdorf öffentlich gemacht und damit nicht zuletzt eine öffentliche Debatte über die Kinder- und Jugendwohlfahrt ausgelöst, wie Schmidt skizzierte.

Schmidt: Journalismus ist unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie

Ohne die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten würde vieles im Dunkeln bleiben, betonte Schmidt. Die Inhalte vieler Einreichungen für die Concordia-Preise würden einen fassungslos machen und schockieren, die Gesellschaft brauche diese Informationen aber, um auf sie reagieren zu können. Journalismus ist für Schmidt in diesem Sinn ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie.

Gewürdigt wurde die Reportage über das SOS Kinderdorf auch von Andrea Holz-Dahrenstaedt, ehemalige Kinder- und Jugendanwältin des Landes Salzburg. Klatzer und Winterer hätten mit ihren Recherchen etwas ins Rollen gebracht, sagte sie. Viel zu lange sei ein Deckel auf die Missstände bei SOS-Kinderdorf, für Holz-Dahrenstaedt "ein Supergau", draufgehalten worden.

Die Laudatio für die drei Autoren und die Autorin der "Peter Thiel Story" hielt die Journalistin und Filmemacherin Barbara Kaufmann. Journalismus habe die Aufgabe, hinter die Kulissen zu blicken, hob sie hervor. Uhrig, Mitautor und Produzent des Podcasts, warnte in seinen Dankesworten vor einer Entwicklung, in der "Superreiche" immer mehr Medien aufkauften.

Ehrenpreis für Astrid Zimmermann

Astrid Zimmermann, die den Ehrenpreis in der Kategorie Lebenswerk erhielt, war nicht nur für einige Jahre Generalsekretärin des Presseclub Concordia, sondern unter anderem auch Journalistin beim "Standard" und anderen Printmedien, drei Jahre lang Vorsitzende der Journalistengewerkschaft, Gründungsmitglied des Frauennetzwerks Medien und Aufsichtsrätin der Wiener Zeitung. Zudem war sie jahrelang beim Österreichischen Presserat aktiv, unterstützte verschiedene Projekte zur qualitativen Journalismusentwicklung, auch außerhalb Österreichs, und war Mitbegründerin des "Medienhaus Wien". Zimmermann setze sich seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen mit großem Engagement für Journalistinnen und Journalisten und für journalistische Qualität ein, würdigten der Presseclub Concordia und Susanne Glass, Redaktionsleiterin Ausland des Bayerischen Rundfunks, die vielfältigen Aktivitäten der Preisträgerin.

Eingeladen zur Preisverleihung hatte der Presseclub gemeinsam mit dem Nationalratspräsidium, Bundesratspräsident Markus Stotter und Parlamentsdirektor Harald Dossi. Das Parlament sei genau der richtige Ort, um die Concordia-Preise zu überreichen, betonte Dossi in seinen Eröffnungsworten. Schließlich sei das Parlament nicht nur ein wichtiger Ort der Begegnung zwischen Medienvertreterinnen und Medienvertretern und der Politik, sondern auch ein Ort, in der die strukturellen Rahmenbedingungen für Medien verhandelt werden.

Schell: KI könnte Essenz des Journalismus kaputt machen

Katharina Schell, Vizepräsidentin des Presseclub Concordia, wies darauf hin, dass der Presseclub Concordia schon seit 1997 außerordentliche journalistische Leistungen auszeichne. Was aber mache ausgezeichneten Journalismus aus, fragte sie und gab darauf eine vielschichtige Antwort. Ein klar definiertes Ziel sei es jedenfalls, zu einer informierten Gesellschaft beizutragen. Auch das Erzählen von faktenbasierten, nicht erfundenen Geschichten sowie Wahrhaftigkeit gehören aus ihrer Sicht zu gutem Journalismus. Ebenso das Wissen darüber, für wen man erzähle. Man müsse das Publikum kennen.

Zur generellen Situation der Medien merkte Schell an, 2025 sei aus Mediensicht "kein tolles Jahr" gewesen. Viele Journalistinnen und Journalisten hätten ihren Job verloren, andere hätten von sich aus "das Weite gesucht". "Wir arbeiten in einer Branche, die mit dem Transformieren nicht nachkommt", meinte Schell. Das tue weh, nicht nur ökonomisch, sondern auf Sicht auch journalistisch. Schell warnte in diesem Zusammenhang auch vor einem Siegeszug der KI: KI könnte ihrer Meinung nach die erste Technologie sein, der es gelinge, die Essenz des Journalismus zu verändern und diesen damit "kaputt zu machen".

Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom Akkordeonisten Jakob Steinkellner. (Schluss) gs

HINWEIS: Fotos von dieser Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden Sie im Webportal des Parlaments.


Rückfragen & Kontakt

Pressedienst der Parlamentsdirektion
Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272
[email protected]
www.parlament.gv.at/Parlamentskorrespondenz

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA

Bei Facebook teilen
Bei X teilen
Bei LinkedIn teilen
Bei Xing teilen
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel