- 29.04.2026, 10:53:02
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- OTS0089
Armutszahlen sind Weckruf für Doppelbudget. Caritas fordert Kurswechsel.
EU-SILC-Daten zeigen, Armut in Österreich ist nach wie vor Realität. Zahl der armuts- und ausgrenzungsgefährdeten Menschen ist stark gestiegen.
„Die heute veröffentlichten Zahlen sind ein Weckruf, der uns zutiefst besorgt: Die Schere zwischen Arm und Reich geht dramatisch auf und das unterste Einkommensdrittel läuft Gefahr, den Anschluss jetzt komplett zu verlieren. 1,7 Mio Menschen sind armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Das sind um 170.000 Menschen mehr als im Vorjahr. Die heute veröffentlichten Zahlen bestätigen, was wir täglich in unserer Arbeit erleben und worauf wir die letzten Monate immer wieder hingewiesen haben. Dabei berücksichtigen sie weder die zahlreichen Kürzungen der letzten Monate noch die nun geplanten weiteren Einschnitte des nächsten Doppelbudgets ab 2027“, kommentiert Caritas Österreich Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler.
„Die Bundesregierung muss ihren Kurs korrigieren. Es kann nicht sein, dass bei den Menschen gekürzt wird, die bereits heute von Armut betroffen sind oder drohen in diese hineinzurutschen. Es sind Kinder, Frauen und Menschen mit niedrigem Einkommen. Das Sparen auf dem Rücken der Ärmsten muss endlich aufhören. Die aktuellen Zahlen belegen eindeutig, wer unseren Schutz am dringendsten braucht. Bei diesen Gruppen weiter zu sparen, ist sozialpolitisch unverantwortlich. Das Doppelbudget 2027/28 braucht eine Kurskorrektur, die soziale Sicherheit garantiert, statt sie weiter zu schwächen", die Präsidentin weiter.
Kinder, Alleinerziehende und Mehrkindfamilien sind besonders betroffen:
- Nach wie vor leben 261.000 Menschen in Österreich leben in absoluter Armut. Das heißt, sie können sich das Nötigste nicht leisten: Essen, Heizen und Miete. Vor der Krise waren es rund 60.000 Menschen weniger.
- Insgesamt ist die Zahl der armutsgefährdeten Kinder und Jugendlichen von 295.000 auf 376.000 angestiegen (+5%).
- 41% aller Alleinerziehenden leben unter der Armutsgefährdungsschwelle. Die Zahl ist von 96.000 auf 113.000 gestiegen.
- 35% der Familien mit drei oder mehr Kindern sind armutsgefährdet. In dieser Gruppe ist ein deutlicher Anstieg in den letzten Jahren zu beobachten.
- Menschen ohne Arbeit sind besonders von Armut betroffen. Arbeitslose gehören zur Gruppe mit dem höchsten Armutsrisiko. Mehr als die Hälfte der Langzeitarbeitslosen ist armutsgefährdet.
- Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung sind niedrige Einkommen nur halb so stark gestiegen. Diese Haushalte verlieren den Anschluss.
Kein weiteres Sparen auf dem Rücken der Ärmsten. Höchste Zeit für echte Reformen.
„Wir alle verstehen und unterstützen, dass Österreich sein Budget konsolidieren muss. Aber eine Budgetsanierung darf niemals auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen werden. Wir erkennen auch die Bemühungen der Regierung an, die Teuerung abzufedern. Doch wie uns die neuesten Armutszahlen zeigen, reichen diese bei weitem nicht aus. Wir müssen Armut verhindern, bevor sie entsteht, und sie nachhaltig zurückdrängen. Sie ist kein Schicksal, sondern die Folge von ungerechten Strukturen“, fordert Tödtling-Musenbichler.
Um die Abwärtsspirale für von Armut betroffene und gefährdete Menschen zu stoppen, fordert die Caritas drei zentrale Reformschritte:
- Schluss mit Sparen bei den Ärmsten und verpflichtender Armutscheck bei allen weiteren Maßnahmen: Es braucht einen verpflichtenden Armutscheck bei allen weiteren Maßnahmen insbesondere im Doppelbudget 27/28. Wir fordern, dass jede Budgetmaßnahme auf ihre Auswirkungen auf armutsgefährdete und armutsbetroffene Gruppen geprüft und die Belastung für diese Menschen reduziert wird.
- Wir fordern eine Anpassung der Ausgleichszulage in Höhe der Inflation: Die Gruppen, die ohnehin am wenigsten haben, müssen jetzt geschützt werden – v.a. bei jetzt wieder steigender Inflation.
- Wir brauchen eine Anpassung zentraler Sozial- und Familienleistungen an die Inflation. Eine echte, armutsfeste Valorisierung ermöglicht den Menschen in Not ein existenzsicherndes Leben als letztes Sicherheitsnetz.
- Kinder wirksam vor Armut schützen: Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, Kinderarmut zu halbieren. Stattdessen ist die Armutsgefährdung von Kindern drastisch gestiegen. Besonders zentral ist dabei das Versprechen einer Kindergrundsicherung. Dieses Versprechen darf nicht gebrochen werden. In Österreich darf kein Kind in Armut aufwachsen. Der geplante Unterhaltsfonds muss ausgeweitet, rasch umgesetzt und zu einer Unterhaltsgarantie werden.
„Angesichts der neuesten EU-SILC-Armutszahlen und des Doppelbudgets 2027/28 brauchen wir endlich echte Reformen. Wir brauchen einen armutsfesten Sozialstaat! Dabei geht es nicht um Almosen, sondern um kluge Investitionen in unsere Zukunft“, appelliert Tödtling-Musenbichler abschließend.
Rückfragen & Kontakt
Caritas Österreich
Mag. Ursula Grabher, MAS
Telefon: +43 676 5472309
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