• 29.04.2026, 10:38:03
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NÖ Industrie: Erholung gerät wieder unter Druck

IV-NÖ-Konjunkturumfrage: Geopolitische Spannungen, hohe Kosten und schwache Erträge belasten den Jahresauftakt.

Wien (OTS) - 

Die NÖ Industrie kommt nur schwer ins neue Jahr. Während geopolitische Spannungen die ohnehin fragile Erholung zusätzlich belasten, zeigt sich in Niederösterreich ein deutlicher Rückfall: Das IV-NÖ-Konjunkturbarometer liegt im 1. Quartal 2026 bei -19,8 Punkten, nach +6,9 Punkten im Vorquartal. Damit hat sich die leichte Stabilisierung vom Jahresende vorerst nicht fortgesetzt. Die Umfrage zeigt vor allem drei Problemzonen: Die Erträge bleiben schwach, die Unternehmen rechnen mit einer geringeren Auslastung ihrer Kapazitäten, und auch beim Personal wird zurückhaltender geplant.

„Die Ergebnisse sind ein klares Warnsignal. Viele Betriebe stehen weiter massiv unter Druck, und das schlägt sich jetzt wieder deutlich in der Stimmung nieder. Besonders problematisch ist, dass sich hohe Kosten, schwache Erträge und zunehmende Bürokratielasten gegenseitig verstärken. Gerade wenn der administrative Aufwand ständig steigt, fehlt vielen Unternehmen die Luft für Investitionen, Innovation und Beschäftigung“, sagt IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither.

Metalltechnische Industrie belastet Gesamtergebnis

Die Konjunkturumfrage zeigt auch diesmal ein sehr uneinheitliches Bild innerhalb der niederösterreichischen Industrie. Besonders stark schlägt dabei die Schwäche der metalltechnischen Industrie auf das Gesamtergebnis durch. Dort liegt der Saldo bei der aktuellen Geschäftslage bei -79, bei der Produktion in drei Monaten bei -88, bei der Produktionskapazität ebenfalls bei -88 und beim Beschäftigtenstand bei -85. Auch die derzeitige Ertragssituation ist mit -87 massiv negativ.

Besser ist die Lage in einigen kleineren Bereichen. Positive Signale kommen etwa aus der Holzindustrie, die bei Geschäftslage und Auftragsbestand sehr gute Werte ausweist. Auch in Teilen der chemischen Industrie zeigen sich stabilere oder positivere Tendenzen.

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage im Detail

An der IV-NÖ-Konjunkturumfrage für das 1. Quartal 2026 nahmen 30 Industriebetriebe mit 22.651 Beschäftigten teil. Die derzeitige Geschäftslage wird von rund der Hälfte (52 Prozent) der Befragten als schlecht bewertet; nur 19 Prozent sind zufrieden. Noch schwächer fällt die derzeitige Ertragssituation mit -43 Punkten aus. Für viele Betriebe heißt das ganz konkret: Es bleibt immer weniger Spielraum, um zu investieren oder steigende Kosten aufzufangen.

Das zeigt sich auch beim Blick nach vorne. Bei Produktion, Kapazität und Beschäftigung überwiegt die Zurückhaltung deutlich. Die erwartete Produktionstätigkeit in drei Monaten liegt bei -14 Punkten, die Produktionskapazität bei -25 Punkten. Auch beim Personal geht die Tendenz klar nach unten: Der Beschäftigtenstand in drei Monaten liegt ebenfalls bei -25 Punkten.

Ganz abgerissen ist die Nachfrage allerdings nicht. Etwas robuster zeigen sich der Auftragsbestand und die Auslandsaufträge, die jeweils einen Saldo von +12 Punkten erreichen. Sie reichen derzeit aber nicht aus, um die Belastungen auf der Kostenseite auszugleichen. Gleichzeitig zeigt sich bei den Verkaufspreisen nahezu Stagnation: In drei Monaten liegt der Saldo hier bei +1 Punkt.

IV-NÖ: Reformen statt neuer Belastungen

Aus Sicht der IV-NÖ zeigt die Umfrage nicht nur eine schwache Konjunktur, sondern vor allem auch ein strukturelles Problem. IV-NÖ-Geschäftsführerin Michaela Roither unterstreicht daher: „Die angekündigte Senkung der Lohnnebenkosten ist ein wichtiges Signal. Auch wenn sie erst ab 2028 greifen soll, muss sie der Einstieg in eine konsequente Entlastung sein. Gleichzeitig braucht es einen echten Bürokratieabbau und strukturelle Reformen, damit die Budgetsanierung nachhaltig gelingt und nicht zulasten von Wettbewerbsfähigkeit, Investitionen und Beschäftigung geht.“

Roither berichtet aus vielen Gesprächen mit Unternehmen, dass gerade kleinere Betriebe besonders unter zusätzlichen Melde-, Dokumentations- und Berichtspflichten leiden. „Große Betriebe können dafür eigenes Personal einsetzen, kleinere müssen das neben dem laufenden Geschäft mitstemmen. Genau deshalb droht die Umsetzung der EU-Lohntransparenz-Richtlinie in der jetzigen Form für viele Unternehmen zum nächsten Bürokratiemonster zu werden“, warnt sie.

Sehr kritisch sieht die IV-NÖ jene Maßnahmen im Zuge des Doppelbudgets, die Unternehmen zusätzlich belasten oder Entlastungseffekte wieder abschwächen, etwa die teilweise Anhebung der Körperschaftsteuer und die Fortführung der Bankenabgabe. Es braucht jetzt ein Ende der Debatten über neue Steuern, insbesondere über vermögensbezogene Steuern! Derartige Maßnahmen schwächen den Standort genau in einer Phase, in der viele Unternehmen ohnehin schon stark gefordert sind. Wer Wettbewerbsfähigkeit sichern und Arbeitsplätze halten will, muss Kosten senken und Betriebe stärken, statt immer wieder neue Hürden aufzubauen.

Die IV-Konjunkturumfrage Befragungsmethode:

Die Befragung, die die IV-NÖ quartalsweise in Auftrag gibt, fand zwischen dem 9. März 2026 und dem 7. April 2026 statt. Bei den Detailergebnissen der Konjunkturumfrage der IV kommt die folgende Methode zur Anwendung: Den Unternehmen werden drei Antwortmöglichkeiten vorgelegt: positiv, neutral und negativ. Errechnet werden die (beschäftigungsgewichteten) Prozentanteile dieser Antwortkategorien, danach wird der konjunktursensible „Saldo“ aus den Prozentanteilen positiver und negativer Antworten unter Vernachlässigung der neutralen gebildet. Diese Werte werden auch für die grafische Darstellung der Ergebnisse herangezogen.

Rückfragen & Kontakt

Industriellenvereinigung Niederösterreich
Mag. Dorit Ausserer, Bakk.
Telefon: +43 1 71135 2442
E-Mail: [email protected]
Website: https://niederoesterreich.iv.at

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