- 22.04.2026, 12:03:04
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MAK zeigt "THOMAS DEMAND. Räume, die von gestern träumen"

Der in Berlin lebende Konzeptkünstler und Fotograf Thomas Demand verknüpft für die MAK Ausstellung THOMAS DEMAND. Räume, die von gestern träumen (27.5.2026–24.1.2027) die Bildkraft des Theaters und der Oper mit seiner künstlerischen Praxis. Ausgehend von historischen Entwürfen für Kulissen – von illusionistischen Szenerien des Barock bis hin zu den atmosphärisch verdichteten Bildwelten der Jahrhundertwende – entwickelte Demand eigens für das MAK einen Werkzyklus, der die suggestive Bildwelt der darstellenden Kunst in das Medium der Fotografie überträgt.
Die Werke kreisen um die von Demand konsequent verhandelte Frage nach der Konstruktion von Wirklichkeit durch die Mittel der Fotografie. Aus Papier und Karton gefertigte Modelle von Bühnenräumen überführt der Künstler im Verlauf des Fotografierens und der Bildbearbeitung in eine neue Dimension des Bildes und lässt die Besucher*innen in eine Bildwelt eintauchen, die nicht nur Wirklichkeit abbildet, sondern eigene Räume der Wahrnehmung eröffnet.
Thomas Demand ist dafür bekannt, Gegenstände, Alltagsobjekte, Innenräume, Architekturmodelle und ikonische Medienbilder als Modelle aus industriellen Materialien wie Papier und Karton in seinem Studio nachzubauen. Diese Prototypen werden von ihm fotografiert und danach zerstört. Die Fotografie, die aus diesem Reproduktionsprozess hervorgeht, ist das Kunstwerk. Gleichzeitig verleiht Demand seinen Fotografien – den Reproduktionen – eine Aura, die nach Walter Benjamin ursprünglich durch Vervielfältigung verloren gegangen war.
Durch Verschiebungen, Ausschnitte, Schichtungen, Vergrößerungen und eine poetische Farbigkeit verbindet Demand in der MAK Ausstellung Fotografie, Malerei und angewandte Kunst. Ausgewählte Modelle aus dem Theatermuseum Wien, dem Nouveau Musée National de Monaco und dem Deutschen Theatermuseum München überführt er in sein primäres Medium, die Fotografie.
Die für diese Ausstellung entstandenen rund 25 Fotografien, aufgenommen mithilfe eines Periskops, sind das Ergebnis einer intensiven Auseinandersetzung mit Miniaturen der Theatergeschichte. In ihnen verdichten sich Raum, Dramaturgie und Atmosphäre; zugleich führen sie mit einer subtilen, bisweilen beinahe abstrakten Formensprache in die Traumräume der Bühne. Vorder- und Hintergrund treten in ein vielschichtiges Wechselspiel, Modell und Idylle, Kulturgeschichte und Gegenwart verbinden sich zu einer Inszenierung von eigentümlicher Schwebe.
Diese Bildwelt bleibt bewusst offen. Berge, Landschaften, Bäume, Blüten, Architekturen und Schiffe erscheinen als Motive einer Erzählung, die sich nicht schließt, sondern fortwährend weiterträgt. Das Modell als ideelle und materielle Form steht im Zentrum von Demands künstlerischer Praxis: Es ist Vorstufe, Abbild, Abstraktion und Kulturtechnik zugleich – ein Träger von Erinnerung, ein Wissensspeicher und ein Werkzeug der Imagination.
Ein raumgreifendes Panorama ruft in der Ausstellung die monumentale Gestalt einer Felswand auf. Es erinnert an den theatralischen Topos der Grotte und zugleich an jene unterirdischen Salzstöcke, in denen kostbare Fotoarchive lagern. Eigens vom Künstler entworfene Lichtquellen, die wiederum nach einem handgefertigten Modell aus Pappe produziert wurden, pointieren den Raum und verstärken den Eindruck einer Inszenierung, die sich atmosphärisch um die neuen Bilder legt.
Die romantische Oper Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg von Richard Wagner fängt Demand in einer Silhouette ein, die an eine Landschaft von Caspar David Friedrich erinnert und die Natur als Spiegel charakterisiert. Das sich auftürmende Bühnenbild der letzten Oper von Gioachino Rossini, Guillaume Tell, zeigt eine fiktive Gebirgskette. Die Reggia d’Apollo von Lorenzo Sacchetti bespielt eine facettenreiche Bühnenarchitektur, während das Komische Zauber-Ballett von Peter Ludwig Hertel einen Einblick in die artifizielle Mystik eines Königreichs gibt.
Szenografien, die einst für den flüchtigen Augenblick einer Aufführung entworfen wurden, erscheinen hier in bewegter, beinahe entrückter Form. Die Bühnenräume von Peter Ludwig Hertel, Gioachino Rossini, Lorenzo Sacchetti oder Richard Wagner lösen sich aus ihrem historischen Zusammenhang und öffnen sich als fragile Palimpseste, als schwebende Architekturen zwischen Realität und Fiktion.
Thomas Demand zählt zu den bedeutendsten internationalen Künstler*innen; seine Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten: u. a. Centre Pompidou, Paris; Museum of Modern Art, New York; Los Angeles County Museum of Art; Guggenheim Museum, New York; Tate Modern, London. Er hatte Einzelausstellungen u. a. im Kunsthaus Bregenz (2004); Museum of Modern Art, New York (2005); Serpentine Galleries, London (2006); Fondazione Prada, Venedig (2007); Hamburger Kunsthalle (2008); Neue Nationalgalerie, Berlin (2009); mumok, Wien (2009); Fondazione Prada, Venedig (2017); Jeu de Paume, Paris (2023); Museum of Fine Arts, Houston (2024). 2013 co-kuratierte er die Ausstellung When Attitudes Become Form, Fondazione Prada, Venedig, in Auseinandersetzung mit der gleichnamigen Ausstellung von Harald Szeemann. Er vertrat Deutschland auf der 26th Bienal de São Paulo und nahm mehrmals an der Biennale di Venezia teil (2003, 2007, 2010, 2011, 2012, 2017). Seit 2011 ist Demand Professor an der HFBK Hamburg.
Zeitgleich zu seiner MAK Ausstellung THOMAS DEMAND. Räume, die von gestern träumen entwickelte der Künstler als Kurator die Gruppenausstellung Passants parmi les pierres im fjk3–Raum für zeitgenössische Kunst (29.5.2026–13.9.2026). fjk3.com
Pressefotos stehen unter MAK.at/presse zum Download bereit.
Pressekonferenz
Dienstag, 26.5.2026, 10 Uhr
Eröffnung
Dienstag, 26.5.2026, 19 Uhr
Eintritt frei zur Ausstellungseröffnung
Künstlergespräch
Künstler Thomas Demand im Gespräch mit Kuratorin Bärbel Vischer
Dienstag, 26.5.2026, 18 Uhr
MAK Säulenhalle
Ausstellungsort
MAK Contemporary
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien
Ausstellungsdauer
27.5.2026–24.1.2027
Öffnungszeiten
Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–18 Uhr
Kuratorin
Bärbel Vischer, Kustodin MAK Sammlung Gegenwartskunst
Rahmenprogramm zur Ausstellung
laufend aktualisiert unter MAK.at/thomasdemand
MAK Eintritt
Ꞓ 19/18*
ermäßigt Ꞓ 15,50/14,50*
jeden Dienstag 18–21 Uhr: Eintritt Ꞓ 9,50/8,50*
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19
* Ticketpreis im Online-Vorverkauf
Rückfragen & Kontakt
MAK Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung)
T +43 1 71136-213, [email protected]
Sandra Hell-Ghignone
T +43 1 71136-212, [email protected]
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