- 17.04.2026, 06:00:44
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Katastrophenübung in Asbest-Steinbruch: Greenpeace reicht Strafanzeige ein
447 Übungsteilnehmer:innen im Steinbruch Pilgersdorf in Gefahr gebracht
Am 18. Oktober 2025 fand mitten im asbestbelasteten Steinbruch Pilgersdorf eine Katastrophenübung statt, bei der 447 Menschen für den Ernstfall trainierten. Teilnehmende Organisationen waren unter anderen das Rote Kreuz, Feuerwehren aus dem Burgenland und Niederösterreich, der Arbeiter-Samariterbund, die Rettungshundebrigade sowie 27 Schüler:innen aus Niederösterreich. Die Asbestbelastung im Steinbruch war spätestens seit 2011 amtsbekannt. Nach der behördlichen Schließung des Steinbruchs Anfang 2026 meldeten sich mehrere besorgte Teilnehmer:innen bei Greenpeace. Greenpeace hat nun auf Basis dessen von der Kanzlei Eunomia eine Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachts strafrechtlich relevanter Tatbestände einbringen lassen. Es wurden Ermittlungen unter anderem gegen die potentiell Verantwortlichen auf Landes- und Bezirksebene sowie der Betreiberfirma des Steinbruches beantragt.
Stefan Stadler, Sprecher des Investigativ-Teams bei Greenpeace Österreich sagt: “Im vergangenen Herbst, nur wenige Monate vor der behördlichen Schließung, wurde eine Katastrophenübung im Steinbruch Pilgersdorf durchgeführt. Um Bergungen zu proben, wurden Schülerinnen und Schüler in hochgradig asbesthaltigem Gestein vergraben oder gar auf staubige Förderbänder gelegt, wo zuvor Unmengen an asbestbelasteten Gestein zerkleinert wurden. Die Übung in einem asbestbelasteten Steinbruch abzuhalten, entbehrt jeglicher Verantwortung. Die Gesundheit der vielen Einsatzkräfte und Freiwilligen wurde aufs Spiel gesetzt.”
Bei der Einfahrt zum Steinbruch steht ein Hinweisschild, das eine Maskenpflicht in gekennzeichneten Bereichen vorgibt. Während der Übung trug niemand eine Atemschutzmaske. Fotos der Katastrophenübungen zeigen die Einsatzkräfte und die zu bergenden Opfer unmittelbar am Förderband unter dem Steinbrecher, wo normalerweise das Gestein zermahlen wird. Daher sind dort besonders hohe Asbestfaserkonzentrationen in der Luft zu erwarten. Auch die Kleidung der Einsatzkräfte ist auf den Fotos stark kontaminiert. So kann Asbeststaub in Innenräume und Fahrzeuge verschleppt werden.
Als Staub können Asbestfasern besonders leicht eingeatmet werden. Gelangen Asbestfasern in die Lungen, bleiben sie dort ein Leben lang und können nach Jahren schwerwiegende Krebserkrankungen wie Kehlkopfkrebs, Lungenkrebs, Rippen- und Bauchfellkrebs auslösen.
Die Belastung mit Asbest war seit spätestens 2011 amtsbekannt. Luftmessungen, die im Zuge eines Behördenverfahrens in Auftrag gegeben wurden, zeigen eine Luftbelastung von teilweise mehr als 100.000 Fasern pro Kubikmeter. Im burgenländischen Amtsblatt wurde bereits 2014 der Abbau von “(Chrysotil-Lizardit-) Serpentinits” offiziell verlautbart und genehmigt. Chrysotil ist hoch krebserregender Weißasbest.
Bildmaterial: https://bit.ly/48CUmNg
Unter Angabe der Credits (im Dateinamen) stehen die Fotos kostenfrei zur redaktionellen Nutzung zur Verfügung.
Übersichtskarte mit Greenpeace-Asbestfunden und Laborergebnissen: https://act.gp/Asbestbelastung-Karte
Als finanziell und politisch unabhängige, ausschließlich am Gemeinwohl orientierte Organisation richtet Greenpeace den Fokus konsequent auf den Schutz von Mensch und Umwelt. Diese Freiheit ermöglicht es uns, Gesundheitsrisiken wie den Asbest-Skandal aufzudecken. Wir dokumentieren Missstände dort, wo andere wegschauen.
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Stefan Stadler
Sprecher Investigativ-Team
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E-Mail: [email protected]
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Leitung Pressearbeit
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