• 16.04.2026, 09:07:32
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Neue EU-Studie zu Vermögenssteuern: Spielraum für mehr Gerechtigkeit und Effizienz

Attac sieht Forderung nach progressiven Vermögens- und Erbschaftsteuern bestätigt

Wien (OTS) - 

Eine neue EU-Studie im Auftrag der EU-Kommission sieht „Spielraum für mehr vermögensbezogene Instrumente für mehr Gerechtigkeit und Effizienz in der EU“. Angesichts des Umfangs und der Konzentration von Privatvermögen und Erbschaften bestehen gute Gründe, den Beitrag vermögensbezogener Steuern zur Finanzierung europäischer Sozialstaaten zu prüfen und gegebenenfalls zu erhöhen. (1)

So könnten gut ausgestaltete Vermögenssteuern die Ungleichheit reduzieren und staatliche Einnahmen erhöhen. Empirische Belege deuten auf begrenzte Auswirkungen auf Sparanreize, Investitionsbereitschaft oder unternehmerische Initiative hin. Gut konzipierte Steuern können sogar eine produktivere Vermögensnutzung fördern und das Arbeitskräfteangebot erhöhen. Negative Effekte auf Investitionen oder Abwanderung würden hingegen oft überschätzt. Die Debatte sei von unzureichenden Informationen und falschen Vorstellungen geprägt.

Entscheidend für eine effektive Besteuerung großer Vermögen und Erbschaften sind laut Studie unter anderem hohe Freibeträge, eine möglichste breite Bemessungsgrundlage mit klaren Bewertungsregeln und wenigen Ausnahmen, hochwertige Vermögensregister und ein effektiver internationaler Informationsaustausch.

Attac: Ein Budget ohne Beitrag der Reichsten ist sozial ungerecht und wirtschaftlich ineffizient

Attac Österreich sieht mit der Studie die Forderung nach einer progressiven Vermögensteuer bestätigt. Das Attac-Modell beginnt mit einem Steuersatz von 1 Prozent bei einem Vermögen ab 5 Millionen Euro und steigt progressiv auf 10 Prozent ab über 1 Milliarde Euro an. Auch die Wiedereinführung einer Erbschaft- und Schenkungssteuer ist für Attac ein Gebot der Stunde. „Ein Budget ohne Beitrag der Reichsten ist in Zeiten von Kürzungen und steigender Vermögenskonzentration sozial ungerecht und wirtschaftlich ineffizient“, erklärt David Walch von Attac Österreich.

Erbschaften hoch konzentriert, Erbschaftsteuer gerechtfertigt

Erbschaften spielen laut Studie aufgrund ihres steigenden Anteils am Nationaleinkommen eine zunehmende Rolle für die Vermögenskonzentration. Dies rechtfertige ihre Besteuerung. Erbschaftsteuern könnten dabei progressiv und ertragreich gestaltet werden, ohne große reale Verzerrungen hervorzurufen. Voraussetzung dafür sind geringe Vergünstigungen für Betriebsvermögen sowie steuerliche Gleichbehandlung von Erbschaften und Schenkungen.

Aktuell heben 17 EU-Staaten Erbschaftsteuern ein. Allerdings führen umfangreiche Ausnahmen, (un)vorteilhafte Bewertungsregeln und Vergünstigungen insbesondere für Familienunternehmen dazu, dass ein großer Teil vererbten Vermögens bei den Reichsten gering oder gar nicht besteuert wird.

Vermögenskonzentration wächst in Europa schneller als im globalen Durchschnitt

Laut Studie konzentriert sich der Reichtum in Europa immer stärker bei einer kleinen Gruppe. Die reichsten 10 Prozent besitzen rund 60 Prozent des gesamten Vermögens in der EU, während die untere Hälfte der Bevölkerung mit lediglich 3 bis 4 Prozent auskommen muss. Besonders alarmierend: Der Anteil des reichsten 1 Prozent wächst in Europa schneller als im globalen Durchschnitt.

Österreich: 71 Prozent für Vermögenssteuern - doch Steuerpolitik orientiert sich an wohlhabenden Gruppen

In Österreich liegt die Zustimmung zu Vermögenssteuern laut Studie konstant bei rund 71 Prozent. In der österreichischen Medienberichterstattung herrsche jedoch zumeist eine negative Haltung gegenüber der Vermögensbesteuerung vor. Die Studie hebt hervor, dass sich die Steuerpolitik in vielen Ländern stärker an den Präferenzen wohlhabender und gut organisierter Gruppen orientiere.


(1) Europäische Kommission, CASE, Robaszewski, A., Skowronek, A., Pl̸onka, H. et al., Vermögensbesteuerung, inkl. Nettovermögens-, Kapital- und Wegzugssteuern. Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, Luxemburg, 2026.

Rückfragen & Kontakt

Attac Österreich
David Walch
Telefon: 0650 544 00 10
E-Mail: [email protected]
Website: https://www.attac.at/presse

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