- 15.04.2026, 12:22:33
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MAK zeigt "VALLY WIESELTHIER. Bild und Ton"

„Tell these people who I am“ – kaum ein Satz bringt den künstlerischen Anspruch der berühmten Gestalterin Vally Wieselthier (1895-1945) prägnanter auf den Punkt. Radikal expressiv, selbstbewusst und ihrer Zeit weit voraus, sprengte sie die Grenzen der Gebrauchskeramik. Sie verstand sich als Bildhauerin, schuf Öfen, Brunnen, Wandfriese und beeindruckende Skulpturen, war aber auch als Textilkünstlerin und Gebrauchsgrafikerin erfolgreich. Mit VALLY WIESELTHIER: Bild und Ton (29.4.2026–10.1.2027) rückt das MAK erstmals umfassend ihre Karriere in Europa und den Vereinigten Staaten ins Zentrum und zeigt anhand einer Auswahl von 160 Objekten ihre nachhaltige Wirkung auf die österreichische Kunstkeramik bis heute. Anlass der Schau ist die teilweise Übernahme ihres Nachlasses aus dem Besitz ihrer US-amerikanischen Familie.
Wieselthier war Schülerin von Josef Hoffmann und Michael Powolny an der Wiener Kunstgewerbeschule und gilt als prominenteste Vertreterin der ganz von Künstlerinnen geprägten Wiener-Werkstätte-Keramik. Ab 1927 leitete sie die Produktionsstätte und entwickelte eine neue Form der Keramikskulptur von bis dahin unbekannter Expressivität.
Die Ausstellung präsentiert bedeutende, teils noch nie gezeigte Objekte aus europäischen Sammlungen und aus Wieselthiers Nachlass in den USA. Mit dem Archiv der Wiener Werkstätte verfügt das MAK bereits über einzigartige Quellen und Objekte zu ihrem Leben und Werk, die nun durch die Schenkung des gesamten Papier-Nachlasses substanziell bereichert werden. So lässt sich die künstlerische Entwicklung Wieselthiers in Europa und ihre bisher kaum bekannte Karriere in den USA nachvollziehen.
Der Untertitel Bild und Ton verweist auf einen zentralen Aspekt ihres Schaffens: Zeichnungen, Illustrationen und Entwürfe spielten eine ebenso wesentliche Rolle wie die Keramik. Besonders deutlich wird dies in ihrer Wiener-Werkstätte-Zeit, aber auch schon in den frühen Illustrationen für die Mappenwerke Mode Wien 1914/5 und Das Leben einer Dame. Von hier aus entfaltet die Ausstellung in thematischen Abschnitten Wieselthiers außergewöhnliche künstlerische Entwicklung, Karriere und Biografie.
Schon als Kind zeigte Wieselthier vielseitige Begabungen und eine besondere Zielstrebigkeit. Geboren 1895 in Wien, gewann sie zahlreiche Wettkämpfe in Schwimmen, Turmspringen, Tennis und Skilaufen. Gleichzeitig interessierte sie sich für Mode und zeichnete gerne elegant gekleidete Damen. 1914 machte sie heimlich die Aufnahmeprüfung an der Kunstgewerbeschule, der heutigen Universität für angewandte Kunst Wien, und studierte dort bei Koloman Moser, Josef Hoffmann, Michael Powolny und der Textilkünstlerin Rosalia Rothansl. 1917 holte Hoffmann seine Studentin in die Wiener Werkstätte, wo sie in der Künstlerwerkstätte alle Freiheiten hatte, mit diversen Materialien zu experimentieren. Die ersten Jahre bezeichnete Wieselthier später als die glücklichsten ihres Lebens.
Die Wiener Werkstätte (WW), 1903 von Hoffmann, Moser und dem Unternehmer Fritz Waerndorfer gegründet, schuf hochwertige Alltagsgegenstände und Wohnungseinrichtungen im Sinne des Gesamtkunstwerks. Wieselthier entwarf hier neben Keramiken auch Glasdekore, Stoffmuster, Stickereien, Schmuck und Silberobjekte sowie Plakate und Werbeanzeigen. Sie beteiligte sich an der Gestaltung der Verkaufsräume und schuf dort fantasievolle Wandmalereien.
Eine der herausragenden Arbeiten der MAK Ausstellung ist die 1928 in der WW entstandene Keramikfigur Flora – eine kniende Frau, deren Körper von orangefarbenen Blüten und wilden blauen Schraffuren bedeckt ist. Als ein zentrales Werk expressiver Keramik verkörpert sie das neue Frauenbild der Zwischenkriegszeit: souverän, unabhängig und selbstbestimmt. Gleichzeitig ist Flora ein Beispiel dafür, dass sich die Künstlerin in ihren Figuren immer wieder selbst darstellte.
Wieselthier verstand es hervorragend, sich selbst zu vermarkten. Sie knüpfte Kontakte zu Produzenten, veröffentlichte Artikel in der Zeitschrift Deutsche Kunst und Dekoration und erhielt Aufträge für Bauplastiken in Wien. Auf der Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes in Paris 1925 fand Wieselthier in dem von Hoffmann gestalteten österreichischen Pavillon eine adäquate Bühne und erhielt erstmals internationale Aufmerksamkeit. Anlässlich der International Exhibition of Ceramic Art im Metropolitan Museum of Art reiste sie 1928 nach New York, um schließlich dort zu bleiben.
Einen ihrer ersten Aufträge erhielt Wieselthier von Architekt Ely Jacques Kahn, der sie bat, Lifttüren für ein Hochhaus in Manhattan zu gestalten. Die Motive erinnern an ihre Stoffmuster für die Wiener Werkstätte, während die geometrische Struktur das amerikanische Art déco widerspiegelt. Eine perfekte Symbiose alter und neuer Formensprache in Metall. 1931 kehrte sie für ein paar Monate nach Wien zurück und wurde wie ein Star empfangen. Sie erhielt Aufträge von Lobmeyr und der Porzellanmanufaktur Augarten – die Presse sah dies als Zeichen dafür, dass ihre Heimatstadt stolz auf die international erfolgreiche Künstlerin war.
In den USA arbeitete Wieselthier nicht nur als Keramikerin, sondern auch als Modedesignerin, Illustratorin und Schaufenstergestalterin. Und sie erhielt immer wieder Lehraufträge. 1938 kam es an der Louisiana State University zu einem Eklat: Sie wurde entlassen – angeblich weil sie kurze Hosen trug und ihren Hund in die Kantine mitgenommen hat, tatsächlich lag der Grund in ihrem unkonventionellen Unterrichtsstil. Wahrscheinlich war dies der Anlass für ihr Telegramm an Präsident Roosevelt: „Tell these people who I am“.
Ein Nachruf in der New York Times anlässlich ihres Todes am 1. September 1945 würdigte Vally Wieselthier als „internationally known as a leader of the modern school of ceramic art“. In Wien fand diese Anerkennung erst in den letzten Jahren statt: 2011 installierte die Künstlerin Iris Andraschek vor dem Eingang zur ehemaligen Wiener Werkstätte in der Neustiftgasse ein Bodendenkmal mit dem Titel Tell these people who I am – eingeprägt in den Asphalt als Appell gegen das Vergessen. 2021 wurde unweit davon ein kleiner Park nach Wieselthier benannt, der für die Kinder der gegenüberliegenden Volksschule Anlass bot, sich mit Wieselthiers fantasievoller Formenwelt auseinanderzusetzen.
Im Rahmen der Ausstellung findet am 17. und 18. September 2026 das Symposium Tanz – Kunst – Design im MAK Vortragssaal statt.
Pressefotos stehen unter MAK.at/presse zum Download bereit.
Pressekonferenz
Montag, 27.4.2026, 16 Uhr
Eröffnung
Dienstag, 28.4.2026, 19 Uhr
Eintritt frei zur Ausstellungseröffnung
Ausstellungsort
Zentraler Raum MAK Design Lab
MAK, Stubenring 5, 1010 Wien
Ausstellungsdauer
29.4.2026–10.1.2027
Öffnungszeiten
Di 10–21 Uhr, Mi bis So 10–18 Uhr
Kurator*innen
Rainald Franz, Kustode MAK Sammlung Glas und Keramik
Anne-Katrin Rossberg, Kustodin MAK Sammlung Metall und Wiener Werkstätte Archiv
Ausstellungsgestaltung
Claudia Cavallar
Rahmenprogramm
abrufbar unter MAK.at
MAK Eintritt
Ꞓ 19/18*; ermäßigt Ꞓ 15,50/14,50*; jeden Dienstag 18–21 Uhr: Eintritt Ꞓ 9,50/8,50*
Eintritt frei für Kinder und Jugendliche unter 19
* Ticketpreis im Online-Vorverkauf
Rückfragen & Kontakt
MAK Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Judith Anna Schwarz-Jungmann (Leitung)
T +43 1 71136-213, [email protected]
Sandra Hell-Ghignone
T +43 1 71136-212, [email protected]
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