- 09.04.2026, 16:01:02
- /
- OTS0146
Tourismusausschuss: Positiver Ausblick für den heimischen Tourismus trotz globaler Krisen
Aussprache mit Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und Staatssekretär Josef Schellhorn
Über die Auswirkungen des Kriegs im Nahen Osten auf den heimischen Tourismus sowie über geplante Maßnahmen zur Entbürokratisierung tauschten sich heute im Tourismusausschuss des Nationalrats die Abgeordneten mit Staatssekretärin Elisabeth Zehetner und Staatssekretär Josef Schellhorn aus. Trotz der aktuellen Weltlage sei für die heimische Tourismusbranche mit einer guten Sommersaison zu rechnen, sagte die für Tourismus zuständige Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. Die vollen Auswirkungen der Eskalation im Nahen Osten auf den Tourismus in Österreich seien derzeit zwar noch nicht absehbar, die Hotellerie sei jedoch für die kommende Saison "vorsichtig optimistisch", denn es seien "keine Einbrüche zu erwarten".
Der für Deregulierung zuständige Staatssekretär Josef Schellhorn beantwortete die Fragen der Abgeordneten zu geplanten Entbürokratisierungsmaßnahmen. Dazu zählen im Bereich Tourismus unter anderem die geplante Einführung eines "digitalen Gästeblatts", Erleichterungen bei Betriebsübergaben und Vereinfachungen bei Preisauszeichnungen.
Höhere Flugpreise könnten "Chance" für heimischen Tourismus sein
Zu Ostern habe es einen "Riesenboom" an ausländischen Gästen in Wien gegeben, sagte Zehetner und betonte, dass die Hauptherkunftsmärkte im heimischen Tourismus - Deutschland und die Niederlande - nicht von den Auswirkungen des Kriegs in Nahost betroffen seien. Gäste aus dem arabischen Raum würden ihre Reisen nach Österreich "teilweise nicht stornieren", sondern verschieben, sagte Zehetner. Am meisten von der aktuellen Unsicherheit betroffen seien derzeit die Reisebüros, führte die Staatssekretärin aus.
Am Flughafen Wien gebe es laut Zehetner keinen Kerosinmangel und derzeit würde man auch "keinen kommen sehen". Die Austrian Airlines (AUA) würden von ihren vielen Direktverbindungen nach Asien profitieren, sagte sie. Höhere Flugpreise könnten auch als Chance für den heimischen Tourismus genutzt werden, um sich für inländische Gäste sowie für Gäste aus den Nachbarländern als "Naherholungsregion" zu positionieren, sagte Staatssekretär Schellhorn. Deutschland zähle zu den Hauptmärkten für den heimischen Tourismus und nur wenige würden von dort mit dem Flugzeug anreisen.
Sebastian Schwaighofer (FPÖ) teilte diese Meinung nicht, da es aus seiner Sicht "seltsam" ist, höhere Flugpreise als positiv für den Tourismus zu sehen. Wolfgang Kocevar (SPÖ) fragte, ob man sich dafür einsetze, Wien als alternatives Drehkreuz zu Dubai im Flugverkehr zu etablieren. Denn Österreich könnte davon profitieren, wenn mehr Flugreisende in Wien umsteigen, meinte Kocevar. Dies sei eine Chance, die man nützen müsse, meinte auch Staatssekretärin Zehetner. Derzeit würde die AUA versuchen, "Kapazitäten umzusteuern" und sich bemühen, verstärkt als "Brücke zu Frankfurt und Zürich" zu wirken, so Zehetner.
Angesichts der durch den Nahostkrieg steigenden Energiepreise fragte Tanja Graf (ÖVP), ob Unterstützungsmaßnahmen für die Hotellerie und Gastronomie vorgesehen seien. Zehetner verwies auf bereits erfolgte Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise wie beispielsweise das Günstiger-Strom-Gesetz. Sie sprach sich zudem für Schritte hin zu mehr Energieeffizienz aus. Damit könnten Tourismusregionen als nachhaltige Destinationen punkten und auch tatsächlich Geld einsparen. Insbesondere durch Digitalisierung und smarte Steuerung - beispielsweise von Wellnessanlagen - gebe es noch großes Potential, meinte Zehetner.
Michael Fürtbauer (FPÖ) wollte wissen, warum die geplante Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel nicht auch in der Gastronomie gelten werde. Denn auch die Gäste, die dort Lebensmittel konsumieren, seien Endverbraucherinnen und Endverbraucher. Staatssekretärin Zehetner verwies diesbezüglich auf die Zuständigkeit des Finanzministeriums.
Rekordjahr 2025 und Weiterentwicklung der "Vision T"
Das Jahr 2025 sei für den heimischen Tourismus besonders gut verlaufen, denn es habe sich als "Allzeithoch in der österreichischen Tourismusgeschichte" gezeigt, berichtete Zehetner. Bei den Arbeiten am Masterplan für Tourismus, der als "Vision T" weiterentwickelt werde, würden ebenfalls "sehr gute Fortschritte" erzielt, sagte sie.
Nach Maßnahmen für den Wintertourismus angesichts der Klimaveränderung fragte Tina Angela Berger (FPÖ). Dieses Thema werde in der "Vision T" thematisiert, sagte Staatssekretärin Zehetner. Eine Verbreiterung des Programmangebots für Gäste sei nötig - beispielsweise Schifahren am Vormittag und Radfahren im Tal am Nachmittag. Doch auch der alpine Schitourismus müsse gestärkt werden, sagte Zehetner. Maßnahmen dafür seien Schulschikurse und unterschiedliche Programmoptionen im Winterfamilienurlaub wie beispielsweise Schneeschuhwandern und Langlaufen für Familienmitglieder, die nicht Schifahren wollen.
Gertraud Auinger-Oberzaucher (NEOS) erkundigte sich, inwieweit Kulturtourismus bei der Entwicklung der "Vision T" mitbedacht werde. Staatssekretärin Zehetner betonte, dass Vertreterinnen und Vertreter aus der Kultur im Prozess eingebunden seien, da Tourismus und Kultur breit gedacht werden müssten und zusammengehörten. Wahre Wertschöpfung entstehe zudem dort, wo Festivals und andere kulturelle Veranstaltungen dazu beitragen, auch außerhalb der Saison Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe zu füllen, sagte Zehetner.
Nach Best-Practice-Beispielen aus den Bundesländern fragte Dominik Oberhofer (NEOS). Diesbezüglich sei Tirol hervorzuheben, antwortete Staatssekretär Schellhorn. Denn Tirol sei nicht nur Nummer eins bei den Nächtigungen, sondern habe auch ein "enorm gutes Markenprofil" entwickelt. Tirol habe es außerdem auch verstanden, die landwirtschaftliche Produktion heimischer Lebensmittel in der Marken- und Destinationsentwicklung mitzuberücksichtigen, so Schellhorn.
Elisabeth Götze (Grüne) sprach das Thema Kurzzeitvermietungen von Unterkünften an und betonte, dass es diesbezüglich klare Regeln brauche. Staatssekretärin Zehetner sagte, man müsse abwarten, was von der EU hinsichtlich der Verordnung zum Datenaustausch bei Kurzzeitvermietungen kommen werde. Eine bessere Datenlage sei eine Chance für eine klarere Beherbergungsstatistik, so Zehetner.
Weitere Themen der Aussprache mit Staatssekretärin Zehetner waren unter anderem der Tourismusbeschäftigtenfonds und Saisonkontingente.
Entbürokratisierung: Digitales Gästeblatt und weitere Erleichterungen
Staatssekretär Josef Schellhorn ging auf das Entbürokratisierungspaket ein, das Anfang Dezember 2025 vorgelegt wurde und 113 Maßnahmen enthält. An einem weiteren Paket werde gearbeitet, sagte er. Dieses werde weitere rund 100 Maßnahmen enthalten, die vor allem der "Harmonisierung föderaler Gesetze" dienen sollen. Als Beispiel nannte er die Raumordnung.
Zu den vorgestellten Maßnahmen aus dem ersten Entbürokratisierungspaket, die den Bereich Tourismus betreffen, zählen laut Schellhorn unter anderem die geplante Einführung eines "digitalen Gästeblatts", Erleichterungen bei Betriebsübergaben und Vereinfachungen bei Preisauszeichnungen. Schellhorn informierte zudem darüber, dass sich derzeit zwei Arbeitsgruppen mit Vereinfachungen bei der Arbeitnehmerveranlagung und Lohnsteuerverrechnung sowie mit Vereinfachungen von Berichtspflichten befassen.
Gabriel Obernosterer (ÖVP) sagte, dass die bestehenden Regelungen "im guten Glauben" gemacht worden seien, vieles in der Praxis jedoch nicht "immer behilflich" sei und daher nun wieder abgebaut werden müsse.
Barbara Neßler (Grüne) erinnerte daran, dass bei der Präsentation des ersten Entbürokratisierungspakets versprochen worden sei, dass dieses innerhalb von drei Monaten "spürbare Veränderungen" bringen würde. Nun würde doch alles viel länger dauern, kritisierte sie. Staatssekretär Schellhorn verwies auf den parlamentarischen Prozess, der einige Zeit in Anspruch nehme. Die Bundesregierung habe zudem aufgrund der budgetären Lage "einen enormen Rucksack zu stemmen" und verhandle jetzt das Doppelbudget.
Im Zuge von Maßnahmen zur Deregulierung dürfe es zu keinen Verschlechterungen der Arbeitsrechte und des Arbeitsschutzes geben, sagte Melanie Erasim (SPÖ). Dies sei ganz besonders wichtig, wenn es um Maßnahmen zum Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gehe, denn die Tourismusbranche müsse für Frauen noch attraktiver werden, so Erasim.
Michael Fürtbauer (FPÖ) thematisierte die EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die ab Juni umgesetzt werden müsse und sagte, dass seiner Einschätzung nach eine Umsetzung für Gastronomiebetriebe schwierig werde. (Schluss Tourismusausschuss) bea
Rückfragen & Kontakt
Pressedienst der Parlamentsdirektion
Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272
[email protected]
www.parlament.gv.at/Parlamentskorrespondenz
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NPA






