• 01.04.2026, 10:45:33
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Zwischenergebnisse des EU-Projekts „Justice without Litigation II“ zeigen starkes Entlastungspotenzial der Justiz

Internationale Konferenz mit Expert:innnen aus 22 Ländern zeigt: Notariate stärken effiziente und bürgernahe Justizsysteme – Entlastungspotenzial für Justiz sollte genützt werden

Prof. Brigitta Lurger (Universität Graz), Prof. Karl Stöger
(Universität Wien)
Wien, am 12.03.2026 (OTS) - 

Rund ein Jahr nach dem erfolgreichen Projektstart kamen am 12. März 2026 in Rom Vertreter aus Justiz, Wissenschaft und Notariat zur Präsentation der Zwischenergebnisse des EU-Projekts „Justice Without Litigation II“ (JuWiLi II, www.juwili.eu ) zusammen. Expert:innen aus 22 EU-Mitgliedstaaten nahmen teil, um aktuelle Forschungsergebnisse zu diskutieren und gemeinsame Perspektiven für die Weiterentwicklung und vor allem Entlastung der vielfach angespannten Lage europäischer Justizsysteme zu erarbeiten.

Zu den Vortragenden und Diskutant:innen zählten unter anderem Vito Pace, Präsident des italienischen Consiglio Nazionale del Notariato, Prof. Brigitta Lurger (Universität Graz), Prof. Karl Stöger (Universität Wien), Helmut Berrer (Economica – Institut für Wirtschaftsforschung Wien), Axel Sonntag (Accenture Wien) sowie Markus Brückner (Deutsche Bundesnotarkammer).

Notariate als Schlüssel zur Entlastung der Justiz

Die präsentierten Zwischenergebnisse zeigen deutlich, dass Notariate eine zentrale Rolle bei der Entlastung der Justizsysteme in Europa einnehmen können. Insbesondere bei nicht-strittigen Verfahren wie Verlassenschaften oder einvernehmlichen Scheidungen ermöglichen sie effiziente, rechtssichere und bürgernahe Lösungen.

Notarinnen und Notare erfüllen u.a. aufgrund ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Unparteilichkeit wesentliche rechtsstaatliche Anforderungen und tragen dazu bei, Konflikte frühzeitig zu vermeiden und Verfahren außerhalb von Gerichten abzuwickeln.

Messbare Effizienz- und Kostenvorteile

Die wirtschaftswissenschaftlichen Analysen, präsentiert unter anderem von Helmut Berrer, belegen deutliche Effizienzgewinne durch den verstärkten Einsatz von Notariaten. In Ländern mit ausgeprägter notarieller Infrastruktur zeigen sich hohe Erledigungsquoten, kurze Verfahrensdauern und geringere Kosten für Staat und Bürger.

Zudem sind notarielle Dienstleistungen deutlich näher an den Bürger angesiedelt und leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einem verbesserten Zugang zum Recht, insbesondere im ländlichen und strukturschwachen Raum.

„Die Daten zeigen klar: Systeme, die notarielle Strukturen gezielt einbinden, können gleiche rechtliche Qualität bei geringeren Kosten und höherer Effizienz erreichen,“ fasst Helmut Berrer zusammen.

Vertrauen, Qualität und Bürgernähe im Fokus

Eine europaweite Befragung mit über 1.600 Rückmeldungen unterstreicht die hohe gesellschaftliche Akzeptanz des Notariats: In den Bereichen Vertrauen, Zuverlässigkeit und zeitgerechte Abwicklung werden Notariate deutlich besser bewertet als andere Rechtsdienstleister .

Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse weiteres Entwicklungspotenzial: Mehr als 65 % der Befragten unterstützen eine stärkere Rolle von Notariaten bei einvernehmlichen Scheidungen. Zudem spielt Mediation eine zunehmend bedeutende Rolle, wird bislang jedoch nur von rund einem Fünftel der Notariate aktiv angeboten.

People-Centred Justice als gemeinsames Leitbild

Die rechtlichen Analysen unter der Leitung von Prof. Brigitta Lurger und Prof. Karl Stöger stellen den „people-centred justice“-Ansatz in den Mittelpunkt. Dieser zielt darauf ab, Justizsysteme stärker an den Bedürfnissen der Bürger auszurichten, den Zugang zu Recht zu erleichtern und Konflikte möglichst frühzeitig zu vermeiden.

Prof. Brigitta Lurger erklärte: „Konflikte sind ein natürlicher Teil menschlicher Interaktion – entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Notariate tragen dazu bei, dass Parteien Lösungen finden, anstatt zu eskalieren, und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zu einer modernen, bürgerzentrierten Justiz.“

Prof. Karl Stöger ergänzte: „Unser Ziel ist nicht, Gerichte zu ersetzen, sondern sie gezielt zu entlasten. Notariate übernehmen Aufgaben, für die sie aufgrund ihrer Unabhängigkeit und Unparteilichkeit besonders geeignet sind.“

Digitalisierung und Innovation als Zukunftstreiber

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens lag auf der Digitalisierung. Diskutiert wurden insbesondere die sichere Nutzung von Künstlicher Intelligenz, digitale Identitäten sowie die Standardisierung von Verfahren. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Notariate bereits über klare Strategien verfügen, jedoch weiterhin Unterschiede bei Ressourcen und Umsetzung bestehen.

Europäische Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Das Meeting in Rom unterstrich die Bedeutung des intensiven Austauschs zwischen den Mitgliedstaaten. Das von der Österreichischen Notariatskammer koordinierte und EU-kofinanzierte Projekt JuWiLi II bringt Expert:innen aus unterschiedlichen Disziplinen zusammen, um gemeinsam innovative Lösungen für die Justiz der Zukunft zu entwickeln.

Stephan Matyk-d’Anjony, Leiter der Abteilung für Europäische und Internationale Angelegenheiten der Österreichischen Notariatskammer, betonte die Bedeutung des Projekts für die europäische Zusammenarbeit: „JuWiLi II ist ein zukunftsweisendes Projekt für Europa. Es zeigt, wie wir voneinander lernen und gemeinsam Lösungen entwickeln können, um Justizsysteme effizienter und zugänglicher zu gestalten.“

Ausblick

Bis zum Projektabschluss Ende 2026 werden die Ergebnisse weiter vertieft und auf europäischer sowie nationaler Ebene diskutiert. Konkrete Reformempfehlungen für die teilnehmenden 22 EU-Staaten und die EU-Ebene selbst werden erarbeitet. Ziel bleibt eine moderne, effiziente und bürgernahe Justiz, die den Anforderungen einer zunehmend digitalen Gesellschaft gerecht wird.

Über das Notariat

Österreichweit bieten über 540 Notar:innen unabhängige, unparteiliche sowie unbürokratische Dienstleistungen in verschiedenen Rechtsbereichen, darunter persönliche Vorsorge, Immobilienrecht und Unternehmensgründungen. Die Leistungen reichen von der Errichtung eines Testaments über den Kauf einer Immobilie bis zur Gründung eines Unternehmens. Dabei stehen Rechtssicherheit und Transparenz im Mittelpunkt. Die Arbeit zeichnet sich durch höchste Sorgfalt, Vertraulichkeit und Fachkompetenz aus – für eine individuelle und lösungsorientierte Beratung in rechtlichen Angelegenheiten. Digitale Services sorgen für eine flexible und effiziente Abwicklung.

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Rückfragen & Kontakt

Österreichische Notariatskammer
Marion Aitzetmüller, MSc
Telefon: Tel: +43 1 402 45 09 177
E-Mail: marion.aitzetmü[email protected]
Website: https://www.ihr-notariat.at

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